Religion

270.000Bevölkerung

12.189 Km2Fläche

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Inselgruppe Vanuatu im Südpazifik umfasst mehr als 80 Inseln, von denen rund 65 bewohnt sind.

Laut Verfassungspräambel wurde Vanuatu „nach traditionellen melanesischen Werten, dem Glauben an Gott und christlichen Prinzipien gegründet“.[1] Die Verfassung anerkennt – „vorbehaltlich aller Einschränkungen, die Nichtbürgern durch das Gesetz auferlegt werden“ – die Gewissens- und Religionsfreiheit aller Menschen. Dieses Recht steht ferner unter dem „Vorbehalt der Achtung der Rechte und Freiheiten anderer und des legitimen öffentlichen Interesses an Verteidigung, Sicherheit, öffentlicher Ordnung, Wohlergehen und Gesundheit“. Personen, die der Ansicht sind, dass ihr verfassungsmässiges Recht verletzt wurde, können hierzu den Obersten Gerichtshof anrufen. Dieses Rechtsmittel besteht „unabhängig von möglichen anderen Rechtsmitteln“. Der Oberste Gerichtshof entscheidet, welche Art von Massnahme angemessen ist, und kann auch Schadensersatzzahlungen anordnen.

Vanuatu hat keine Staatskirche. Die grössten christlichen Konfessionen sind Presbyterianer (27,9 %), Anglikaner (15,1 %), Siebenten-Tags-Adventisten (12,5 %) und Katholiken (12,4 %).[2] Darüber hinaus gibt es kleinere christliche Gruppen, z. B. Pfingstler, die Kirche Christi und das Neil Thomas Ministry. Hinzu kommen jüdische und muslimische Gemeinden sowie Bahai. Auf der Insel Tanna hat zudem die politisch-religiöse John-Frum-Bewegung, ein Cargo-Kult, einige Anhänger.

Der Christliche Rat von Vanuatu (VCC) ist eine Nichtregierungsorganisation, der die Presbyterianische Kirche, die Katholische Kirche, die Kirche Christi, die Apostolische Kirche und die Kirche von Melanesien angehören; die Pfingstler und die Siebenten-Tags-Adventisten haben einen Beobachterstatus.[3].Veranstaltungen von nationaler Bedeutung werden unter Leitung der VCC-Mitgliedskirchen mit christlichem Gebet gefeiert.

Das Bildungsgesetz von 2014 untersagt es, Kindern wegen ihrer Religion den Zugang zu einer Schule zu verweigern oder sie anderweitig zu benachteiligen. An staatlichen weiterführenden Schulen ist eine Wochenstunde Religionsunterricht unter Aufsicht des VCC vorgesehen.[4] Lehrer an kirchlichen Schulen, die vor 1980 eröffnet wurden, werden vom Staat bezahlt, zudem gewährt die Regierung kirchlichen Schulen Zuschüsse.[5] Nach dem oben genannten Bildungsgesetz können Eltern ihre Kinder vom Religionsunterricht befreien.

1995 wurde die staatliche Registrierung von Glaubensgemeinschaften eingeführt, das Gesetz wurde jedoch bereits zwei Jahre später wieder aufgehoben. Seitdem wurde die Wiedereinführung einer obligatorischen Registrierung auf staatlicher Ebene immer wieder erwogen. Glaubensgemeinschaften können sich als gemeinnützige Organisationen registrieren lassen.

Die Regierung von Vanuatu respektiert im Allgemeinen die im Gesetz festgelegten religiösen Freiheiten.

Vorkommnisse

Im August 2016 gab die Regierung erstmalig bekannt, dass sie künftig 10 Millionen Vatu (umgerechnet rund 86.000 CHF) pro Jahr an den VCC zahlen werde. Der Bischof der anglikanischen Diözese Vanuatu und Neukaledonien erklärte, dass die Mittel zur Unterstützung der Kirchen bei ihrer Arbeit in den Ortsgemeinden verwendet würden.[6]

Am 21. Oktober 2016 organisierte der VCC einen Marsch durch Port Vila, die Hauptstadt von Vanuatu. Der Vorsitzende des VCC, Pastor Nafuki, sagte Berichten zufolge: „Es ist an der Zeit, andere Religionen wissen zu lassen, dass die Republik Vanuatu auf christlichen Prinzipien und dem Glauben an Gott aufgebaut ist.“ [7] Darüber hinaus regte er eine Änderung der Verfassung mit folgendem Wortlaut an: „Vanuatu ist ein christliches Land, das an Gott den Vater, Gott den Sohn und Gott den Heiligen Geist glaubt.“ Obwohl der VCC Mitglied des Verfassungsprüfungsausschusses ist, lässt nichts darauf schliessen, dass eine solche Verfassungsänderung tatsächlich in Gang gebracht wurde. Pastor Nafuki äusserte sich ausserdem besorgt über die Präsenz des Islam in Vanuatu – was in den Medien von Vanuatu ein anhaltendes Echo fand.

Abgeordnete und Minister nahmen an dem Marsch zwar nicht teil, bereits im April 2016 hatte der Innenminister jedoch ebenfalls von der Notwendigkeit gesprochen, die christliche Identität Vanuatus auch in der Verfassung deutlicher zum Ausdruck zu bringen – gerade im Zusammenhang mit der Sorge um die Religionsfreiheit und der „Kontrolle neuer, sich im Land etablierender religiöser Bewegungen“.[8]

Im Dezember 2016 nahmen mehr als 50 Kirchen der Region in Vanuatu an einem Treffen des Evangelischen und Missionarischen Netzwerks der Pazifischen Inseln teil.[9] Im März 2017 kündigte die University of South Pacific in Vanuatu an, dass religiöse Gruppen sich vor der Aufnahme ihrer Tätigkeit auf dem Campus künftig registrieren und eine Genehmigung einholen müssten.[10] Im Juli 2017 versprach der neu vereidigte Präsident Obed Moses Tallis, die Verfassung aufrechtzuerhalten und die Einheit innerhalb der kulturellen und religiösen Vielfalt des Landes zu wahren.[11]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Es gibt praktisch keine Anzeichen dafür, dass sich an der Situation der Religionsfreiheit in Vanuatu in absehbarer Zeit etwas ändert. Trotzdem lässt sich sagen, dass die Wahrung der christlichen Identität etwas ist, das die Öffentlichkeit durchaus beschäftigt.

«Die Regierung von Vanuatu respektiert im Allgemeinen die im Gesetz festgelegten religiösen Freiheiten. Es gibt praktisch keine Anzeichen dafür, dass sich in absehbarer Zeit daran etwas ändert. Trotzdem lässt sich sagen, dass die Wahrung der christlichen Identität etwas ist, das die Öffentlichkeit durchaus beschäftigt.»

Endnoten / Quellen

[1] Verfassung von Vanuatu von 1980 mit nachfolgenden Änderungen bis 1983, constituteproject.com, https://www.constituteproject.org/constitution/Vanuatu_1983.pdf?lang=en, (abgerufen am 17. Februar 2018).

[2] „Vanuatu “, The World Factbook, Central Intelligence Agency, https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/nh.html , (abgerufen am 11. März 2018).

[3]„Christlicher Rat Vanuatu“, Mitgliedskirchen, Ökumenischer Rat der Kirchen, https://www.oikoumene.org/en/member-churches/pacific/vanuatu/vcc , (abgerufen am 17. Februar 2018).

[4] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des US-Aussenministeriums, „Vanuatu“, Internationaler Bericht zur Religionsfreiheit von 2016 https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 17. Februar 2018).

[5]ebd

[6] Jonas Cullwick, „Bishop Ligo Supports Government Grant to VCC“, Vanuatu Daily Post, 8. September 2016, http://dailypost.vu/news/bishop-ligo-supports-government-grant-to-vcc/article_3e719f14-374e-5af4-9a28-0e74392eac61.html, (abgerufen am 17. Februar 2018).

[7] Len Garae, „VCC proclaims Vanuatu for God“, Vanuatu Daily Post, 22. Oktober 2016, http://dailypost.vu/news/vcc-proclaims-vanuatu-for-god/article_e445a762-ee1c-5269-8f01-4374a65217a1.html, (abgerufen am 17. Februar 2018).

[8] Godwin Ligo, „Change needed to Freedom of Worship in Constitution“, Vanuatu Daily Post, 26. April 2016, http://dailypost.vu/news/change-needed-to-freedom-of-worship-in-constitution-maoh/article_6368a352-5876-5928-89f5-27ae503eaad3.html, (abgerufen am 17. Februar 2018).

[9] Harrison Selmen, „Over 50 churches uniting in Vanuatu for PIEMN“, Vanuatu Daily Post, 1. Dezember 2016, http://dailypost.vu/news/over-churches-uniting-in-vanuatu-for-piemn/article_68d83788-c597-528b-bfa5-5e57944479f9.html, (abgerufen am 17. Februar 2018).

[10] Ruben Bakeo Markward, „Restriktion of Sharing Faith at Emalus Campus“,  Vanuatu Daily Post, 25. März 2017, http://dailypost.vu/opinion/letters_to_editor/re-restriction-on-sharing-faith-at-emalus-campus/article_dec61baa-ebcc-5688-880b-aa82134e65ad.html, (abgerufen am 17. Februar 2018).

[11] Godwin Ligo, „Rede des Präsidenten“, Vanuatu Daily Post, 8. Juli 2017, http://dailypost.vu/news/president-s-speech/article_5a7b11d1-cfa2-5efd-bb83-b43594360f2c.html, (abgerufen am 17. Februar 2018).

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