Religion

2.514.000Bevölkerung

824.116 Km2Fläche

Lesen Sie den Bericht
keyboard_arrow_down

homekeyboard_arrow_rightNamibia

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Vor und während der deutschen Kolonialherrschaft im ehemaligen Südwestafrika wurde dort intensiv missioniert, vornehmlich durch protestantische Missionare.[1] Das Erbe dieser Zeit ist bis heute spürbar und zeigt sich in der hohen Zahl an Christen im Lande. Das Christentum prägt bis heute das religiöse Leben in Namibia, aller Kritik an der Rolle des Christentums während der Kolonialzeit zum Trotz.[2]

Viele Gläubige verbinden Elemente des christlichen Glaubens und der Glaubenspraxis mit traditionellen afrikanischen Riten und Gebräuchen. Artikel 10 der Verfassung von Namibia sichert allen Bürgern Religionsfreiheit und Schutz vor religiöser Diskriminierung zu;[3] Artikel 21 legt die „Freiheit, jede Religion zu praktizieren“ fest, Artikel 19 bezieht sich auf einen weiter gefassten Kulturbegriff: „Jeder Mensch hat das Recht, sich jeder Kultur, Sprache, Tradition oder Religion zugehörig zu fühlen, sie zu praktizieren, sich dazu zu bekennen, sie zu erhalten oder zu fördern, soweit dies im Rahmen der Verfassung geschieht.“

Namibia ist ein säkularer Staat, in dem keine Religionsgemeinschaft bevorzugt behandelt wird.[4] Dieses in der Verfassung festgelegte Modell für die Beziehungen zwischen Kirche und Staat spiegelt sich auch in der Politik der namibischen Regierung wider. So gibt es zum Beispiel keine staatlichen Auflagen für die Gründung von Religionsgemeinschaften. Zwar können sich Religionsgemeinschaften staatlich registrieren lassen, die Registrierung ist jedoch nicht zwingend vorgeschrieben. Religiöse Organisationen, die durch ihre Projekte Einnahmen erzielen,  müssen sich beim Ministerium für Handel und Industrie als gemeinnützige Vereine eintragen lassen.[5]  Einflussreiche Organisationen im Land sind der Council of Churches of Namibia (Rat der Kirchen in Namibia) und die Association of Charismatic and Pentecostal Churches in Namibia (Vereinigung der Charismatischen und Pfingstkirchen in Namibia).[6] Die Katholische Kirche von Namibia wird weithin als eine der Hauptkonfessionen und als moralische Instanz anerkannt.

Vorkommnisse

Im Berichtszeitraum haben einige Religionsgemeinschaften Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Visa für ausländische Arbeitnehmer, die zur Ausübung religiöser Tätigkeiten einreisen wollten, moniert. Allerdings gilt dasselbe auch für säkulare Organisationen.

Im Verlauf des Ad-limina-Besuchs der katholischen Bischöfe von Namibia im Vatikan im April 2015 erklärte Erzbischof Nashenda Liborius Ndumbukuti von Windhoek, Vorsitzender der namibischen Bischofskonferenz: „[W]ir pflegen im Rahmen eines Abkommens gute Beziehungen mit den staatlichen Behörden. Wir haben sogar eigens eine Person als Verbindungsperson zwischen der Bischofskonferenz und der Regierung benannt. Wir kooperieren also, aber wir haben dennoch eine von staatlichen Stellen unabhängige, eigene Stimme. Die Regierung erkennt unsere Bemühungen an und stellt Mittel für unsere Schulen und Krankenhäuser zur Verfügung.“[7]

Es liegen keine Berichte über erhebliche Verletzungen der Religionsfreiheit in Namibia innerhalb des Berichtszeitraums vor.[8] Es kam jedoch zu einem Disput zwischen den Behörden und den Muslimen vor Ort bezüglich der religiösen Aktivitäten von neun Muslimen aus Südafrika, die von der Regierung des Landes verwiesen wurden.[9]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Namibia verkörpert in besonders positiver Weise das Konzept einer Nation, die von ethnischer, kultureller und religiöser Vielfalt geprägt ist. Es ist nicht davon auszugehen, dass die Religionsfreiheit dort eingeschränkt wird.

„Namibia verkörpert in besonders positiver Weise das Konzept einer Nation, die von ethnischer, kultureller und religiöser Vielfalt geprägt ist.“

Endnoten / Quellen

[1] Daniel Pelz, „Missionierung in Afrika: Mehr als nur das Wort Gottes (Missionary Work in Africa: More than Just the Word of God“, Deutsche Welle, 30. April 2017, http://www.dw.com/de/missionierung-in-afrika-mehr-als-nur-das-wort-gottes/a-38600890, (Zugriff am 16. Februar 2018).

[2] ebd.

[3] Namibia’s Constitution of 1990 with Amendments through 2014, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Namibia_2014.pdf?lang=en, (Zugriff am 16. Februar 2018).

[4] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, „Namibia“, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (Zugriff am 2. April 2018).

[5] ebd.

[6]„Munzinger Länder: Namibia“, Munzinger Archiv 2018, https://www.munzinger.de/search/start.jsp, (Zugriff am 30. März 2018).

[7] „President of the Episcopal Conference: ‚Namibia is a stable Country, but the gap between rich and poor increases‘“, Agenzia Fides, 24. April 2015, http://www.fides.org/en/news/37685-AFRICA_NAMIBIA_President_of_the_Episcopal_Conference_Namibia_is_a_stable_Country_but_the_gap_between_rich_and_poor_increases, (Zugriff am 1. April 2018).

[8] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, op. cit.

[9] ebd.

Über uns

KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.