Religion

28.751.000Bevölkerung

799.380 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightMosambik

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Religionsfreiheit ist in der Verfassung und den Gesetzen Mosambiks verankert,[1] das Land versteht sich als säkularer Staat.[2] Die Verfassung verbietet Diskriminierung aus religiösen Gründen und garantiert die Freiheit der religiösen Meinungsäusserung. Artikel 54 besagt: „Alle Bürger sind in der Entscheidung, ob sie eine Religion praktizieren wollen oder nicht, frei. [. . .] Religionsgemeinschaften haben das Recht, ihre religiösen Ziele frei zu verfolgen und dazu Wirtschaftsgüter zu erwerben und zu besitzen.“[3] Von einigen wenigen, geringfügigen Vorkommnissen abgesehen, wurden diese Grundsätze seit dem Ende des Bürgerkriegs 1990 von allen Regierungen respektiert. Bis dahin war die Religionsfreiheit unter dem damals herrschenden marxistisch-leninistischen Regime allenfalls geduldet. Derzeit müssen sich religiöse Organisationen, wie z. B. kirchliche Institutionen, die Sozial- oder Entwicklungsarbeit leisten, beim Justizministerium registrieren lassen.

Religiösen Organisationen ist es gestattet, Schulen zu gründen und zu betreiben. In staatlichen Schulen ist Religionsunterricht jedoch untersagt.[4]

Die Beziehungen zwischen dem Staat und der Katholischen Kirche werden durch ein 2012 zwischen der Republik Mosambik und dem Vatikan in Kraft getretenes Grundlagenabkommen geregelt.[5] Dieses sichert der Kirche rechtliche Unabhängigkeit sowie das Recht, ihre inneren Angelegenheiten selbst zu organisieren und Arbeitskräfte zu ernennen.[6]

Der Süden und die Städte Mosambiks sind überwiegend christlich geprägt. Im Norden und entlang der Küste leben viele (grösstenteils sunnitische) Muslime. Daneben sind auch traditionelle afrikanische Religionen stark vertreten, vor allem in ländlichen Regionen. Aufgrund seines von grosser Vielfalt und Dynamik geprägten religiösen Lebens[7] gilt das Land als Magnet für evangelikale Missionare, etwa von der brasilianischen Ingreja Universal do Reino de Deus (Universalkirche des Königreichs Gottes).[8] Auch andere vergleichbare brasilianische Bewegungen sind nicht zuletzt aufgrund der gemeinsamen Sprache missionarisch in Mosambik tätig.

Betrachtet man die Glaubensgemeinschaft der Muslime, lässt sich feststellen, dass junge islamische Prediger vor allem in Ländern wie Ägypten, Kuwait, Saudi-Arabien und Südafrika studieren und anschliessend mit einer sehr strikten Auslegung des Islam nach Mosambik zurückkehren.[9] Daher ist es möglich, dass sich, wie in anderen Ländern Ostafrikas auch, in Mosambik intolerante islamistische Ideologien etablieren.

Die Kirchen, insbesondere die Katholische Kirche, waren am Friedensprozess zwischen der ehemaligen militärischen Opposition RENAMO und der einst marxistisch und mittlerweile sozialdemokratisch geprägten Regierungspartei FRELIMO beteiligt. Diese ist seit Erlangung der Unabhängigkeit Mosambiks im Jahr 1975 ununterbrochen an der Macht. Durch dieses Engagement konnte die Kirche in Mosambik an Einfluss gewinnen.

Die politische Situation des Landes ist jedoch keineswegs unproblematisch. Im Juli 2013 beklagte der emeritierte Erzbischof Jaime Gonçalves, eine zentrale Figur während der Friedensverhandlungen, dass die ehemaligen RENAMO-Kämpfer nach wie vor nicht in die Polizei integriert seien, wie es die in Rom geschlossenen Friedensvereinbarungen vorsahen.

Die grosse Bedeutung der Katholischen Kirche für die soziale Stabilität und Entwicklung des Landes wurde nicht zuletzt deutlich, als RENAMO-Anführer Afonso Dhlakama darauf bestand, die Kirche als Vermittler in Verhandlungen mit der FRELIMO-Regierung einzuschalten.[10]

Vorkommnisse

Die Wahlen von 2014 führten zu einer Zunahme der politischen Spannungen in Mosambik, die sich auch im Berichtszeitraum fortsetzte. Führende Kirchenvertreter äusserten sich in der Vergangenheit oft kritisch über Korruption, Machtmonopole und separatistische Tendenzen.[11]

Im Februar 2016 wurde ein Pastor der Apostolischen Glaubensmission während eines Gottesdienstes in der Stadt Chimoio von unbekannten Angreifern erschossen. Seine Witwe führte das Motiv für den Mord auf Spannungen mit anderen Kirchen zurück.[12]

Wenngleich mosambikanische Muslime als gemässigt gelten, konnten radikale Prediger in den letzten Jahren zunehmend Anhänger gewinnen. Seit einem Anschlag auf eine Polizeiwache im Norden Mosambiks im Oktober 2017 wächst die Besorgnis über weitere Gewalt:[13] Bei dem Vorfall hatten vier Männer die Polizeistation in der Hafenstadt Mocímboa da Praia angegriffen. Einer der Männer zog dabei ein Buschmesser unter seinem Kaftan hervor und stach es dem wachhabenden Polizisten ins Gesicht. Die anderen Angreifer stahlen insgesamt 37 Kalaschnikows. Bei den Tätern soll es sich um junge Männer gehandelt haben, die sich mit radikalen Predigern einer noch im Bau befindlichen Moschee im Stadtteil Nanduadue zusammengetan hatten.[14] Die Imame, von denen einige aus dem benachbarten Tansania stammen, sollen örtliche Bürgermeister sowie Verwaltungs- und Polizeibeamte in ihren Predigten als „Ungläubige“ bezeichnet haben. Laut Polizei wurden 52 Verdächtige (allesamt Mosambikaner) verhaftet. Sie alle verweigerten Berichten zufolge die Aussage zu ihren Motiven und anderen Unterstützern ihrer Bewegung.

Die Verhandlungen zwischen der Kirche und den Behörden über die Rückgabe von Kircheneigentum, das nach der Erlangung der Unabhängigkeit Mosambiks beschlagnahmt wurde, dauern an. Rund 60 Prozent der Vermögenswerte wurden bereits zurückgegeben, über den Rest wird weiter verhandelt.[15]

Ungeachtet dieser Probleme gab es im Berichtszeitraum keine Meldungen über schwere Verletzungen der Religionsfreiheit.[16] Dies ist wahrscheinlich auf den traditionell toleranten Umgang der verschiedenen Glaubensgemeinschaften Mosambiks untereinander zurückzuführen.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Das hohe Ansehen, das die Katholische Kirche nicht zuletzt dank ihres Einsatzes für Menschenrechte und den Friedensprozess im Land besitzt, kann als gutes Zeichen für den Schutz der Religionsfreiheit gewertet werden. Auf der anderen Seite deutet die zunehmende Verbreitung des Islamismus, wie er vor allem von Predigern aus anderen Ländern importiert wird, auf eine wachsende religiöse Intoleranz in Mosambik hin. Diese könnte sich, ähnlich wie in anderen Teilen Ostafrikas, zu einem echten Problem auswachsen.

„Das hohe Ansehen, das die Katholische Kirche nicht zuletzt dank ihres Einsatzes für Menschenrechte und den Friedensprozess im Land besitzt, kann als gutes Zeichen für den Schutz der Religionsfreiheit gewertet werden. Auf der anderen Seite deutet die zunehmende Verbreitung des Islamismus, wie er vor allem von Predigern aus anderen Ländern importiert wird, auf eine wachsende religiöse Intoleranz in Mosambik hin.“

Endnoten / Quellen

[1] Verfassung von Mosambik von 2004 mit nachfolgenden Änderungen bis 2007, constituteproject.com, https://www.constituteproject.org/constitution/Mozambique_2007.pdf?lang=en, (abgerufen am 12. Februar 2018).

[2] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des US-Außenministeriums, „Mozambique“, Internationaler Bericht zur Religionsfreiheit von 2016, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 2. April 2018).

[3] Verfassung von Mosambik von 2004 mit nachfolgenden Änderungen bis 2007, ebd.

[4] ebd.

[5] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor, ebd.

[6] ebd.

[7] Zu den Anteilen verschiedener Religionsgemeinschaften an der Gesamtbevölkerung vgl. Grim, Brian et al. (Hrsg.): Yearbook of International Religious Demography 2017, Leiden/Boston. Brill, 2017.

[8] „Munzinger Länder: Mosambik“, Munzinger Archiv 2018, https://www.munzinger.de/search/start.jsp, (abgerufen am 30. März 2018).

[9] ebd.

[10] ebd.

[11] „‚National unity threatened by the selfishness of a corrupt minority,‘ say bishops“, Agenzia Fides, 6. März 2015, http://www.fides.org/en/news/37405-AFRICA_MOZAMBIQUE_National_unity_threatened_by_the_selfishness_of_a_corrupt_minority_say_Bishops, (abgerufen am 2. April 2018).

[12] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor, ebd.

[13] Antonio Cascais, „Angst vor islamistischer Gewalt in Mosambik“, Deutsche Welle, 17. Oktober 2017, http://www.dw.com/de/angst-vor-islamistischer-gewalt-in-mosambik/a-40983865, (abgerufen am 12. Februar 2018).

[14] ebd.

[15] ebd.

[16] ebd.

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KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.