Religion

105.000Bevölkerung

702 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightMikronesien

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Föderierten Staaten von Mikronesien liegen in den östlichen Karolineninseln, einem weit verstreuten Pazifik-Archipel. Die vier östlichen Inselgruppen befinden sich auf etwa dreiviertel der Strecke von Hawaii nach Indonesien.

Die Verfassung von Mikronesien (Artikel 4 – Erklärung der Rechte) untersagt die Bildung einer Staatsreligion. Derselbe Artikel verbietet auch ausdrücklich jede gesetzliche Einschränkung der Religionsfreiheit.[1]

Demografische Angaben zur Religion variieren. Nach Schätzungen aus dem Jahr 2010 sind 54,7% der Bevölkerung römisch-katholisch. Weitere 41,1% sind protestantisch, unter ihnen gehört die Mehrheit der Kongregationalistischen Kirche an (38,5%).[2] Ausserdem gibt es je eine kleine Anzahl Bahais, Ahmadis, Buddhisten, Hindus und Juden. Im Bundesstaat Yap sind etwa 80% der Bevölkerung katholisch. Im Bundesstaat Kosrae sind geschätzte 90% der Bevölkerung Protestanten, die meisten von ihnen gehören der Kongregationalistischen Kirche an. In anderen Landesteilen ist das Verhältnis von Katholiken und Protestanten ausgeglichener.

Es liegen keine Hinweise darauf vor, dass die Zentralregierung eine Politik verfolgt oder Praktiken zulässt, die der von der Verfassung zugesicherten Religionsfreiheit entgegenstehen. Es besteht keine Pflicht für Religionsgemeinschaften, sich staatlich registrieren zu lassen. An öffentlichen Schulen findet kein Religionsunterricht statt, aber privat betriebene Schulen dürfen zusätzlich zum staatlichen Lehrplan Religionsunterricht anbieten. Es steht der Regierung frei, nicht-religiöse Aktivitäten an kirchlichen Schulen finanziell zu unterstützen. Kirchliche Schulen erhalten staatliche Zuschüsse. Offizielle Feiern und Veranstaltungen werden häufig mit einem von einem katholischen oder evangelischen Geistlichen geleiteten christlichen Gebet eröffnet. In Pohnpei besteht ein interkonfessioneller Rat, der sich mit sozialen Fragen befasst und die offizielle Zusammenarbeit zwischen Protestanten und Katholiken fördert.[3] Der Bericht des US-Aussenministeriums zur Religionsfreiheit von 2016 merkt an, dass andere Gemeinschaften, wie z.B. die Mormonen oder die Zeugen Jehovas, diesen Rat als nicht inklusiv betrachten.[4]

Vorkommnisse

Als im Bundesstaat Kosrae im Jahr 2011 eine muslimische Ahmadiyya-Gemeinde gegründet wurde, schlug ihr Feindseligkeit entgegen. Etwa 1.000 Menschen unterzeichneten 2014 eine Petition für ein Verbot des Islam in Kosrae.[5] Ein Bericht aus den Nachrichten zeigt Fälle von Intoleranz im Bundesstaat Kosrae gegenüber der muslimischen Gemeinschaft auf. So wurde beispielsweise vorgeschlagen, auf Gemeindeebene Verordnungen zu erlassen, die den Islam verbieten oder Muslime mit Steuern belegen.[6] Als Reaktion darauf gab das Justizministerium im Januar 2016 eine öffentliche Erklärung ab, dass jede Handlung, die der von der Verfassung garantierten Religionsfreiheit entgegensteht, zu strafrechtlichen Konsequenzen führen kann.[7]

Derselbe Bericht enthält auch Einzelheiten über andere, sporadische Feindseligkeiten gegenüber Muslimen. So wurden z.B. Fahrzeuge von Muslimen mit Steinen beworfen, sie wurden Opfer von Vandalismus, und ein Taxiunternehmen verweigerte Muslimen die Beförderung.[8] Im März 2017 hielt die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde eine Annual Conference of Peace (Jährliche Friedenskonferenz) ab, an der auch Regierungsvertreter und Vertreter der Kongregationalistischen und Katholischen Kirche, der Siebenten-Tags-Adventisten und anderer christliche Konfessionen teilnahmen.[9] Im Oktober 2017 fand in Pohnpei eine Veranstaltung statt, die Missverständnisse über den Ahmadiyya-Islam ausräumen und sein friedliches Islamverständnis erklären sollte, und an der auch der US-Botschafter teilnahm.[10]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Sowohl Regierungsstellen als auch Vertreter der grossen Religionsgemeinschaften im Land und Einzelpersonen innerhalb der verschiedenen Gemeinschaften bekennen sich klar zur Koexistenz der Religionen und der verfassungsrechtlich garantierten Religionsfreiheit. Trotz der Bedenken aufgrund der sporadisch auftretenden Fälle von Diskriminierung und Feindseligkeit besteht kein Anlass zur Annahme, dass die Spannungen zu einer bedeutsamen Unterwanderung der bestehenden Rechte oder der sozialen Beziehungen führen könnten.

„Sowohl Regierungsstellen als auch Vertreter der grossen Religionsgemeinschaften im Land und Einzelpersonen innerhalb der verschiedenen Gemeinschaften bekennen sich klar zur Koexistenz der Religionen und der verfassungsrechtlich garantierten Religionsfreiheit.“

Endnoten / Quellen

[1] Micronesia (Federated States of)’s Constitution of 1978 with Amendments through 1990, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Micronesia_1990.pdf?lang=en, (Zugriff am 17. Februar 2018).

[2] ‘Federated States of Micronesia’, CIA World Factbook, Central Intelligence Agency, https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/print_fm.html, (Zugriff am 17. Februar 2018).

[3] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, “Federated States of Micronesia’, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. Department of State, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (Zugriff am 17. Februar 2018).

[4] https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper Section III/Section III.Status of Societal Respect for Religious Freedom, International Religious Freedom Report for 2016

[5] ‘Muslims held first annual conference of peace in Kosrae’, Kaselehlie Press, 20. März 2017, http://www.kpress.info/index.php?option=com_content&view=article&id=567:muslims-held-first-annual-conference-of-peace-in-kosrae&catid=8&Itemid=103, (Zugriff am 17. Februar 2018).

[6] ‘Kosrae’s Malem Municipal Council introduces Ordinance to ban religious freedom within its borders’, Kaselehlie Press, 7. März 2016, http://www.kpress.info/index.php?option=com_content&view=archive&year=2017&month=3&Itemid=101, (Zugriff am 17. Februar 2018).

[7] ‘Muslims held first annual conference …’, ebd.

[8] ebd.

[9] ebd.

[10] Ahmadiyya Muslim Community FSM, ‘Meet a Muslim event held in Pohnpei’, Kaselehlie Press, 23. Oktober 2017), http://www.kpress.info/index.php?option=com_content&view=article&id=780:meet-a-muslim-event-held-in-pohnpei&catid=8&Itemid=103 (Zugriff am 17. Februar 2018)

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