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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

In Artikel 2(1) der Verfassung Maltas heisst es: „Die Religion Maltas ist die Römisch-Katholisch-Apostolische Religion.“[1] Dies bedeutet nicht, dass der Katholizismus maltesische Staatsreligion ist. In Artikel 40(1) der Verfassung ist die Religionsfreiheit verankert: „Alle Personen in Malta geniessen volle Gewissensfreiheit und können ihre jeweiligen religiösen Anbetungspraktiken frei ausüben.“[2] In Malta darf also jede Person frei entscheiden, welche Religion sie praktizieren möchte. Die verfassungsmässige Verankerung der Römisch Katholischen Kirche ist eine Folge der Tatsache, dass die grosse Mehrheit der Menschen in Malta dem katholischen Glauben angehören.

Die Verfassung verpflichtet den Staat ausserdem dazu, in öffentlichen Schulen katholischen Religionsunterricht anzubieten. Bekräftigt wird dies im Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Staat von Malta, welches am 16. November 1989 unterzeichnet wurde, sowie in der Verordnung zum katholischen Religionsunterricht und Ausbildung an öffentlichen Schulen (Modes of Regulation on Catholic Religious Instruction and Education in State Schools).[3] Ein weiteres Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Malta, welches am 28. November 1991 unterzeichnet wurde, stellt ausserdem das Fortbestehen von katholischen Schulen im Land sicher.[4]

Auch andere christliche Kirchen sind seit langem im Land präsent, und die meisten von ihnen verfügen über eigene Gebets- und Andachtsstätten, in denen Gläubige frei an Gottesdiensten teilnehmen können. Dem Gebot des Direktoriums zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus (1993) folgend, ist die Römisch-Katholische Mehrheitskirche sogar bemüht, andere christliche Kirchen und Traditionen zu unterstützen, und gewährt beispielsweise Zugang zu geeigneten Gebets- und Andachtsstätten. Dies ist im Direktorium von 1993 klar beschrieben: „Die katholischen Gotteshäuser sind konsekrierte oder gesegnete Gebäude, die eine grosse theologische und liturgische Bedeutung für die katholische Gemeinde haben. Folglich sind sie im allgemeinen dem katholischen Gottesdienst vorbehalten. Aber wenn Priester, Amtsträger oder Gemeinden, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, keinen Ort und auch nicht die notwendige Ausstattung haben, um ihre religiösen Zeremonien würdig zu feiern, kann der Diözesanbischof ihnen erlauben, eine katholische Kirche oder ein katholisches Gebäude zu benutzen und auch die notwendige Ausstattung für die Gottesdienste zu entleihen. Unter ähnlichen Umständen kann ihnen auch erlaubt werden, auf katholischen Friedhöfen zu beerdigen oder dort Gottesdienste zu halten.“[5]

Folgende Beispiele beschreiben, wie die Religionsfreiheit in Bezug auf die Bereitstellung von Gotteshäusern aufrechterhalten wird:

Der rumänisch-orthodoxe Gemeinde, die der Geburt des heiligen Johannes des Täufers gewidmet ist und von Pfarrer Vater Ionut Iftimia geführt wird, wurde die Nutzung der St.- Rochus-Kirche in Valletta gestattet. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde kommt dort jeden Sonntag zur Feier der Göttlichen Liturgie zusammen. Die Kirche war vorher nicht für Gottesdienste, sondern nur für Katechismusunterricht für Kinder genutzt worden. Das Gebäude bedurfte dringender Reparaturen. Ein römisch-katholischer Wohltäter übernahm die Finanzierung, als er von der Not der rumänischen Gemeinschaft erfuhr. Darüber hinaus ging die Kollekte eines ökumenischen Gottesdiensts an die rumänische Kirche.[6]

Die katholische Kirche St. Nikolaus wird geteilt. In ihr finden sowohl katholische Gottesdienste statt als auch die von einer orthodoxen Gemeinde mit serbischen, russischen und bulgarischen Gläubigen zelebrierte Göttliche Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus. Die orthodoxe Gemeinde arbeitet mit der katholischen Gemeinde byzantinischen Ritus in Valletta zusammen und wird von deren Priestern tatkräftig unterstützt. Dies ist ein weiteres Beispiel für die brüderliche Zusammenarbeit unter den Kirchen Maltas.[7] Am 20. August 2017 berichtete The Times of Malta, dass die russischen Gläubigen eine eigene Kirche in Kappara errichten wollten. Bewohner der Stadt und Umweltschutzgruppen hatten jedoch Bedenken angemeldet.[8]

Verschiedene koptisch-orthodoxe Gruppen benutzen katholische Kirchen oder Kapellen in Zebbug und Valletta. Die ägyptisch-koptische Kirche nutzt schon seit einigen Jahren eine ländlich gelegene Kapelle bei Zebbug. Kürzlich baten sie um ein Gotteshaus, welches nicht so weit abgelegen ist wie ihr aktuelles. Viele Gläubige mussten sowohl in der Sommerhitze als auch im tiefsten Winter zu Fuss zu ihrem Gotteshaus gelangen.

Am 28. Dezember 2014 veröffentlichte The Sunday Times of Malta einen Bericht zur Lage der koptischen Gruppen, darunter auch diejenige der äthiopischen und eritreischen Gemeinschaften. Der von Peter Newsham geschriebene Artikel belegt die positive Zusammenarbeit der maltesischen Katholischen Kirche mit diesen Gemeinschaften.[9] Diese christlichen Gemeinschaften hatten eines ihrer höchsten Feste unter offenem Himmel gefeiert und andere Christen zur Teilnahme eingeladen.[10]

Im Mai 2017 nahm die äthiopisch-koptisch-orthodoxe Gemeinschaft am State of Europe Forum teil, welches in Malta stattfand und von Sallux, dem Robert-Schuman-Zentrum und den Niederlanden organisiert wurde. Ihre Teilnahme wurde von anderen christlichen Gruppen in und ausserhalb Maltas begrüsst.

Vorkommnisse

Trotz der beschriebenen positiven Situation wurde der Erzbischof von Malta, Charles Jude Scicluna, im vergangenen Jahr wiederholt für seine Ansichten kritisiert. Die besonders in sozialen Medien geäusserte Kritik betrifft seine Einstellung bezüglich sozialer, ethischer und ökologischer Themen. Bei seiner Teilnahme an Talkshows wurde der Erzbischof manchmal ausgebuht, und prominente Blogger starteten eine Kampagne gegen ihn. Diese Vorfälle bringen eine Intoleranz gegenüber dem Erzbischof zu Tage. Sie sind eine Reaktion auf seine Aussagen zur Ansicht der Kirche bezüglich der Menschenwürde sowie anderen sensiblen Themen sozio-ökonomischer und ökologischer Natur.[11]

Mit der Verabschiedung einer Reform des Strafrechts wurde im Juli 2016 auch ein 1933 in Kraft getretenes Gesetz abgeschafft, welches die Verunglimpfung der römisch-katholischen Religion unter Strafe stellte. Befürworter der Gesetzesänderung betonten, das Gesetz werde nicht das Schüren religiösen Hasses ermöglichen, da solches Handeln, motiviert durch Religion, Geschlecht, Rasse, Sexualität, Geschlechtsidentität oder politischer Weltanschauung, bereits durch ein neueres Gesetz als gesetzeswidrig erklärt worden war und dies auch bleibe. In einem demokratischen Land sollten Menschen frei sein, sich über Religion lustig zu machen, wenn sie keinen Hass schürten. [12]

Gegner der Gesetzesänderung erklärten, Meinungsfreiheit bedeute nicht, dass jeder die Freiheit habe, Dinge zu beleidigen, die anderen wichtig seien. Dies folge einer „diabolischen Logik“.[13] Erzbischof Charles Scicluna brachte seine Bestürzung darüber, dass die Abgeordneten den Gesetzentwurf 133 – wie erwartet –verabschiedet hatten, auf Twitter folgendermassen zum Ausdruck: „Das Herabwürdigen Gottes und des Menschen gehen immer einher. Ein trauriger Tag für Malta. Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“[14]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Die Religionsfreiheit wird in Malta in grossem Masse aufrechterhalten. Angehörige jeder Religion haben das Recht, ihren Glauben zu praktizieren. Die katholische Kirche unterstützt andere Kirchen und Traditionen.

Die Reaktion der Medien auf die Äusserungen des Erzbischofs von Malta zu sozialen, ethischen und moralischen Themen machen deutlich, dass es eines grösseren Masses an Toleranz bedarf – besonders in bestimmten Bereichen der maltesischen Presse. Es entsteht der Eindruck, dass jeder ein Recht auf freie Meinungsäusserung hat – ausser dem Erzbischof.

„Die Religionsfreiheit wird in Malta in grossem Masse aufrechterhalten. Angehörige jeder Religion haben das Recht, ihren Glauben zu praktizieren. Die katholische Kirche unterstützt andere Kirchen und Traditionen.“

Endnotes / Sources

[1] Independence Constitution. Vgl. http://justiceservices.gov.mt/DownloadDocument.aspx?app=lom&itemid=8566 (Abgerufen am 13. Mai 2018).

[2] vgl. ebd.

[3] José T. Martín de Agar, Raccolta di Concordati 1950-1999 (Città del Vaticano: Libreria Editrice Vaticana, 2000), 625-632.

[4] Op. cit., 633-641.

[5] Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit der Christen, Direktorium zur Ausführung der Prinzipien und Normen über den Ökumenismus (25. März 1993), Absatz 137.

[6] https://en.wikipedia.org/wiki/St_Roque%27s_Church,_Valletta; https://www.wikizero.com/en/St_Roque%27s_Church,_Valletta (abgerufen am 30. April 2018).

[7] http://greekcatholicmalta.com/2016/01/fr-george-about-the-orthodox-churches-in-malta/ (abgerufen am 30. April 2018).

[8] https://www.timesofmalta.com/articles/view/20170820/local/plans-for-maltas-first-russian-orthodox-

church.656005 (abgerufen am 30. April 2018).

[9] https://www.timesofmalta.com/articles/view/20141228/life-features/An-island-of-Christian-sanctuary.549973 (abgerufen am 28. April 2018).

[10] https://www.tvm.com.mt/en/news/celebrazzjoni-mill-insethiopian-and-eritrean-christians-celebrate-in-vallettaara-etjopjani-u-eritrej-fil-belt/ (abgerufen am 13. Mai 2018).

[11] http://www.independent.com.mt/articles/2018-04-11/blogs-opinions/Archbishop-Scicluna-should-mince-his-words-6736187903 (abgerufen am 25. April 2018); http://www.independent.com.mt/articles/2018-04-03/local-news/Petition-calls-for-removal-of-Archbishop-Scicluna-on-false-premise-6736187375 (abgerufen am 8. Mai 2018); https://www.maltatoday.com.mt/comment/blogs/85933/the_war_against__charles_j_scicluna#.WvhOjO-FPMw (abgerufen am 8. Mai 2018).

[12] https://www.maltatoday.com.mt/news/national/67475/parliament_approves_bill_ decriminalising_ porn_and_repealing_religious_vilification#.WvhQ1u-FPMw (abgerufen am 5. Mai 2018)

[13] vgl. ebd.

[14] vgl. ebd.

Über uns

KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.