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Vereinigte Arabische Emirate

Religion

9.267.000Bevölkerung

83.600 Km2Fläche

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind eine Föderation von sieben Emiraten am Persischen Golf, unter denen Dubai die politisch und wirtschaftlich grösste Bedeutung zukommt.

In der Verfassung von 1971 [1] ist der Islam als Staatsreligion der Föderation verankert. So besagt Artikel 7: „Offizielle Religion der VAE ist der Islam. Die islamische Scharia stellt die Hauptquelle der Gesetzgebung dar.“ Artikel 25 verbietet Diskriminierungen aufgrund der Religion: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Kein Bürger der Vereinigten Arabischen Emiraten darf auf Grundlage von Herkunft, Staatsangehörigkeit, Religion oder sozialem Status diskriminiert werden.“ Artikel 32 besagt weiter: „Religiöse Zeremonien dürfen entsprechend geltendem Brauchtum abgehalten werden, vorausgesetzt, sie stellen keine Verletzung der öffentlichen Ordnung und Moral dar.“

Muslimische Bürger sind nicht berechtigt, ihren Glauben zu wechseln. Auf Apostasie vom Islam steht die Todesstrafe. Apostasie gehört – neben ausserehelichem Geschlechtsverkehr bzw. falscher Bezichtigung ausserehelichen Geschlechtsverkehrs, Mord, Diebstahl und Strassenraub mit Todesfolge – zu den sogenannten Hadd-Delikten, die unter der Scharia Eingang ins Strafgesetz gefunden haben.[2] So besagt Artikel 1 des Strafgesetzes, dass die Hadd-Delikte sowie die Annahme von Blutgeld und Totschlag nach islamischem Recht zu behandeln sind. Darüber hinaus werden die Hadd-Strafen, zu denen auch die Todesstrafe zählt, in Artikel 66 zu den „Urstrafen“ gezählt. Bis jetzt wurde jedoch niemand gerichtlich für solche Delikte belangt oder verurteilt.

Auch Blasphemie ist nach dem Gesetz strafbar und kann mit Geld- und Gefängnisstrafen belegt werden. Beleidigungen jedweder Religion sind ebenfalls verboten. Nichtstaatsangehörige, die sich der Blasphemie schuldig machen, können des Landes verwiesen werden.

Missionierung ist nur Muslimen erlaubt; Angehörige anderer Religionen, die beim Versuch erwischt werden, Muslime zu missionieren, können bestraft werden. Auch hier drohen Nichtstaatsangehörigen der Entzug der Aufenthaltserlaubnis und die Abschiebung.

Fragen des Familienstands muslimischer Staatsbürger und Einwohner werden ebenfalls durch die Scharia geregelt. Muslimischen Männern ist es erlaubt, nicht-muslimische „Anhängerinnen der Bibel“, d. h. Christinnen und Jüdinnen, zu heiraten. Muslimische Frauen dürfen nur muslimische Männer heiraten. Gehen aus Mischehen zwischen einem Muslim und einer Nicht-Muslimin Kinder hervor, erhält der Vater das Sorgerecht. Nicht-muslimische Ehefrauen aus anderen Ländern haben nicht die Möglichkeit, die Staatsbürgerschaft zu erlangen.

Muslime wie Nicht-Muslime sind gesetzlich zur Einhaltung der Fastenzeiten des Ramadan verpflichtet.

In fast allen sunnitischen Moscheen werden die verbreiteten Inhalte von Regierungsseite kontrolliert. Schulbücher und Lehrpläne sowohl privater als auch öffentlicher Schulen unterliegen der Zensur des Bildungsministeriums.[3]

Christliche Kirchen dürfen über keine Glockentürme verfügen und nicht mit Kreuzen geschmückt sein.

Im Juli 2015 kündigten die Vereinigten Arabischen Emirate eine neue Rechtsprechung in Bezug auf religiösen Hass und Extremismus an, die auch die Todesstrafe vorsieht. Handlungen, die religiösen Hass schüren, werden ebenso wie die Diskriminierung „aufgrund von Religion, Kaste, Glaubensbekenntnis und -lehre, Rasse, Hautfarbe oder ethnischer Herkunft“ per Präsidialdekret unter Strafe gestellt.[4] Dem durch eine staatliche Nachrichtenagentur verbreiteten Dekret zufolge kann eine Verurteilung wegen Takfirismus (die Praxis, andere Muslime der Apostasie zu bezichtigen) oder sunnitischem Extremismus bis zu 10 Jahre Gefängnis oder die Todesstrafe nach sich ziehen.

Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum, Vizepräsident der Vereinigten Arabischen Emirate und Herrscher des Emirats Dubai, erklärte, das Gesetz garantiere „die Freiheit jedes Einzelnen von religiöser Intoleranz“ und unterstreiche „die Politik der Nichtausgrenzung der Vereinigten Arabischen Emirate“.[5] Der Jesuitenpriester Samir Khalil kommentierte dies folgendermassen: „Mit dem neuen Gesetz haben die VAE einen wichtigen Schritt in Richtung Religionsfreiheit getan – das ist nach wie vor eine echte Ausnahmeerscheinung in muslimischen Ländern.“[6]

Nichtstaatsangehörige sind grösstenteils Gastarbeiter aus Süd- und Südostasien sowie aus dem Nahen Osten, Europa und Nordamerika. Wenngleich es keine aktuellen Erhebungen gibt, kann davon ausgegangen werden, dass die Mehrzahl der Einwohner muslimischen Glaubens ist. Laut der letzten Volkszählung von 2005 sind über zwei Drittel der Einwohner Muslime. Die nächstgrösste Gruppe im Land sind Christen.[7]

Die Katholische Kirche ist durch das Apostolische Vikariat Südliches Arabien (AVOSA) mit Sitz in Abu Dhabi vertreten. Apostolischer Vikar ist derzeit Bischof Paul Hinder. In den VAE gibt es acht katholische Pfarreien und neun katholische Schulen, die Anzahl der Katholiken wird mit rund 800.000 beziffert.[8]

Neben den katholischen gibt es auch protestantische und orthodoxe Gemeinden. Insgesamt sind in den VAE mehr als 35 Kirchen sowie zwei hinduistische Tempel ansässig. Diese sind aufgrund der grossen Anzahl von Gläubigen häufig überfüllt.

Vorkommnisse

Dem Internationalen Bericht zur Religionsfreiheit 2016 zufolge [9] stellt die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate weiterhin Grundstücke für den Bau christlicher Kirchen (sowie für Sikh- und Hindu-Tempel) zur Verfügung. Ebenso stellt sie Land für nicht-muslimische Friedhöfe bereit sowie für Krematorien, die dem grossen hinduistischen Bevölkerungsteil zugutekommen.

Im November 2016 veranstalteten VAE-Behörden eine Konferenz,[10] welche die Förderung von Toleranz und gegenseitigem Verständnis behandelte. Unter den geladenen Gästen waren religiöse Vertreter, darunter Justin Welby, Erzbischof von Canterbury und höchster Vertreter der Church of England, sowie Dr. Ahmed El Tayeb, Grossimam der Azhar und Präsident des Muslimischen Ältestenrats der VAE. Ein Beschluss der Konferenz war die Gründung einer Union für Jugendliche verschiedener kultureller und nationaler Hintergründe, deren Ziel die Unterstützung und Förderung von Toleranz sein soll.

Der Kronprinz Abu Dhabis, Scheich Mohammad Bin Zayed Al-Nahyan, der gleichzeitig stellvertretender Oberbefehlshaber der VAE-Streitkräfte ist, befahl im Juni 2017 die Umbenennung der Scheich Mohammad Bin Zayed-Moschee in Maria-Mutter-Jesu-Moschee. Diese Entscheidung soll „die menschlichen Bande zwischen Anhängern verschiedener Religionen festigen“.[11] Die Umbenennung ist ein Beispiel für die Bemühungen der VAE, religiöse Toleranz in der Region zu fördern.

Im Dezember 2017 hatte Scheich Mohammed Bin Rashid al-Maktoum, der VAE-Premierminister und Emir von Dubai, erklärt, dass die neue Fussgängerbrücke über den Dubai-Kanal „Brücke der Toleranz“ heissen solle.[12] Vorher hatte er einen Beitrag auf Twitter veröffentlicht, in dem es hiess: „Liebe und Toleranz sind Brücken, die Kommunikation schaffen. Sie sind eine universelle Sprache, welche die Menschheit über Sprachen, Religionen und Kulturen hinweg, verbindet.“ Er fügte hinzu, diese Werte seien auch das Fundament der VAE.

Vom 11. bis zum 13. Dezember 2017 fand in Abu Dhabi das Forum zur Förderung von Frieden in muslimischen Gesellschaften statt. Ausrichter war der VAE-Minister für Auswärtige Angelegenheiten und Internationale Zusammenarbeit, Scheich Abdullah Bin Zayed Al Nahyan. Thema des zum dritten Mal stattfindenden Forums war: „Weltfrieden und die Angst vor dem Islam: Der Kampf gegen die Verbreitung des Extremismus.“[13] Das Forum und die Vereinten Nationen schlossen ein Kooperationsabkommen, wie vom UN-Sonderberater für die Verhütung von Völkermord und Untergeneralsekretär, Adama Dieng, bekannt gegeben wurde. Im Rahmen dieser Kooperation sollen zehn Forschungs-Workshops organisiert werden, welche die Förderung von religiöser Bildung in der islamischen Welt zum Ziel haben.[14]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Es ist zu erwarten, dass sich die Lage der Religionsfreiheit in den Vereinigten Arabischen Emiraten in den kommenden Jahren verbessern wird. Lokale Kirchenoberhäupter äussern sich lobend über die freundliche und offene Atmosphäre im Land.[15] George,[16] ein maronitischer Christ mit libanesischen Wurzeln, sagte gegenüber Kirche in Not: „Die Vereinigten Arabischen Emirate sind für Christen ein guter Ort. Natürlich gibt es gewisse Grenzen, doch wer sie achtet, kann hier ein gutes Leben führen.“ Das neue Gesetz gegen religiösen Hass ist ebenfalls ein positives Signal.

„Es ist zu erwarten, dass sich die Lage der Religionsfreiheit in den Vereinigten Arabischen Emiraten in den kommenden Jahren verbessern wird. Lokale Kirchenoberhäupter äussern sich lobend über die freundliche und offene Atmosphäre im Land.“

 

Endnoten / Quellen

[1] Verfassung der Vereinigte Arabische Emirate von 1971 mit Änderungen bis 2009, constituteproject, org, https://www.constituteproject.org/constitution/United_Arab_Emirates_2009.pdf?lang=en, (abgerufen am 20. März 2018).

[2] Global Legal Research Directorate and Hanibal Goitom, „United Arab Emirates”, Laws Criminalizing Apostasy, Library of Congress, http://www.loc.gov/law/help/apostasy/index.php#uae, (abgerufen am 27. Februar 2018).

[3] „United Arab Emirates”, Freedom in the World 2016, Freedom House, https://freedomhouse.org/report/freedom-world/2016/united-arab-emirates, (abgerufen am 26. Februar 2018).

[4] „New UAE anti-hate law in detail”, Gulf News, 20. Juli 2015, http://gulfnews.com/news/uae/government/new-uae-anti-hate-law-in-detail-1.1553188, (abgerufen am 27. Februar 2018).

[5] Naser Al Remeithi, „Widespread praise for anti-discrimination law”, The National, 20. Juli 2015, https://www.thenational.ae/uae/government/widespread-praise-for-anti-discrimination-law-1.15018, (abgerufen am 20. März 2018).

[6] S. K. Samir, „A new anti-discrimination law is a step forward in terms of religious freedom”, AsiaNews, 24. Juli 2015, http://www.asianews.it/news-en/A-new-anti-discrimination-law-is-a-step-forward-in-terms-of-religious-freedom-34863.html, (abgerufen am 27. Februar 2018).

[7] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, „United Arab Emirates”, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 26. Februar 2018).

[8] „Homepage”, The Apostolic Vicariate of Southern Arabia (United Arab Emirates, Oman and Yemen, https://avosa.org/, (abgerufen am 26. Februar 2018).

[9] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, op. cit.

[10] H. Dajani, „UAE sets good ex ample by allowing freedom of religion, says Archbishop of Canterbury”, The National, 2. November 2016, https://www.thenational.ae/uae/uae-sets-good-example-by-allowing-freedom-of-religion-says-archbishop-of-canterbury-1.200029, (abgerufen am 27. Februar 2018).

[11] „United Arab Emirates renames mosque ‘Mary, Mother of Jesus’”, Catholic Herald, 16. Juni 2017, The National, http://catholicherald.co.uk/leading-articles/2017/06/16/united-arab-emirates-renames-mosque-mary-mother-of-jesus/, (abgerufen am 26. Februar 2018).

[12] M. Jabri-Pickett, „In UAE, Christmas is about building bridges”, The Arab Weekly, 24. Dezember 2017, https://thearabweekly.com/uae-christmas-about-building-bridges,  (abgerufen am 25. Februar 2018).

[13] „Forum for Promoting Peace in Muslim Societies opens”, Emirates News Agency, 11. Dezember 2017, http://wam.ae/en/details/1395302653386, (abgerufen am 27. Februar 2018).

[14] „As Part of the Fourth Annual Forum for Promoting Peace in Muslim Societies”, Business Wire, 14. Dezember 2018 https://www.businesswire.com/news/home/20171213006267/en/Part-Fourth-Annual-Forum-Promoting-Peace-Muslim, (abgerufen am 27. Februar 2018).

[15] S. Zaatari, „Churches praise UAE’s religious freedom and tolerance”, Gulf News, 1. Dezember 2014, http://gulfnews.com/news/uae/society/churches-praise-uae-s-religious-freedom-and-tolerance-1.1420738, (abgerufen am 16. März 2018).

[16] Der vollständige Name wird aus Gründen der persönlichen Sicherheit verschwiegen.

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