Religion

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homekeyboard_arrow_rightPapua-Neuguinea

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Der Unabhängige Staat Papua-Neuguinea umfasst die östliche Hälfte der Insel Neuguinea und einige vorgelagerte Inseln in Melanesien. Papua-Neuguinea gehört mit seinen 848 Sprachen zu den kulturell vielfältigsten Ländern der Welt. Der Grossteil der nahezu acht Millionen Einwohner lebt in traditionell geprägten ländlichen Gemeinden. Nur 18 % der Bevölkerung leben in städtischen Gebieten.

Zwar gibt es in Papua-Neuguinea keine offizielle Staatsreligion, jedoch heisst es in der Präambel der Verfassung, dass „die wertvollen Traditionen und christlichen Grundsätze, die uns zu eigen sind, bewahrt und an unsere Nachfahren weitergegeben werden sollen“. [1] Laut Artikel 55 der Verfassung haben alle Bürger „die gleichen Rechte, Privilegien, Pflichten und Aufgaben“, ungeachtet ihrer Religion. Laut Artikel 45 Abschnitt 1 umfasst das individuelle Recht auf Religionsfreiheit auch die „Freiheit, seine Religion und Überzeugung so zum Ausdruck zu bringen und zu bekunden, dass dadurch die Freiheiten Anderer nicht eingeschränkt werden“. Gemäss Artikel 45 darf weiterhin „kein Mensch unaufgefordert in die religiösen Angelegenheiten einer Person anderen Glaubens eingreifen oder den Versuch unternehmen, seine Religion (oder Irreligiosität) anderen aufzuerlegen“. Das Recht auf Religionsfreiheit darf laut Artikel 303 gesetzlich im Interesse „der Verteidigung, der öffentlichen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung, des Allgemeinwohls, der öffentlichen Gesundheit und des Schutzes von Kindern und Menschen mit Behinderungen“ sowie zur „Entwicklung von benachteiligten oder weniger entwickelten Gemeinschaften oder Gebieten“ eingeschränkt werden. Im Falle von Notstandsgesetzen wird die Religionsfreiheit jedoch nicht eingeschränkt.

Gemäss Artikel 42, Abschnitt 2 der Verfassung darf „niemand zur Teilnahme am Religionsunterricht oder an religiösen Feierlichkeiten gezwungen werden“; davon ausgenommen ist allerdings der Religionsunterricht für Kinder mit dem Einverständnis eines Elternteils oder Erziehungsberechtigten. Derzeit gewährt ein Gesetz des Bildungsministeriums die Erteilung von einer Stunde Religionsunterricht pro Woche. Obwohl diese Unterrichtsstunden nicht verpflichtend sind, nimmt die Mehrheit der Schüler daran teil. [2] Im Januar 2017 unterbereitete der Staatssekretär der Regierung, Isaac Lupari, den Vorschlag, Bibelunterricht in den Lehrplan mit aufzunehmen. [3] Im November 2017 kündigte er an, dass Religionsunterricht ab 2019 ein Pflichtfach sein werde, was seiner Ansicht nach notwendig sei, um einige der sozialen Missstände in der Gesellschaft Papua Neuguineas in Angriff zu nehmen und die persönliche Entwicklung der Schüler zu fördern. [4]

Die Kirchen des Landes stellen etwa die Hälfte der Gesundheits- und Bildungsdienstleistungen zur Verfügung. [5] Die Regierung bezuschusst diese Dienstleistungen anteilig und ist auch für die Zahlung von Gehältern an das Personal der jeweiligen Gesundheits- und Bildungsinstitutionen und öffentlichen Einrichtungen zuständig. In kirchlich betriebenen Organisationen werden
Gesundheitsversorgung und Bildung für Patienten und Studenten ungeachtet der religiösen Ausrichtung zur Verfügung gestellt. [6] 2016 kürzte die Regierung die Zuschüsse für kirchliche Gesundheitszentren um 50 Millionen Kina (ca.15.000 CHF); dieser Schritt wird von den Kirchen als Versuch der Regierung aufgefasst, die finanzielle Last auf sie abzuwälzen. [7] Ende 2017 berichteten die Christian Health Services (Christliche Gesundheitsdienste), dass sie vier Monate kein Geld für die Zahlung der Gehälter ihrer Angestellten bekommen hätten und kündigten an, dass die Zentren somit von der Schliessung bedroht seien. [8]

Um gesellschaftsrechtlich anerkannt zu werden, müssen sich Religionsgemeinschaften bei den Behörden registrieren lassen. Dies ermöglicht es ihnen, Eigentum zu besitzen, von beschränkter Haftung und von Steuerermässigungen bzw. -befreiungen zu profitieren. Bisher gab es keinerlei Berichte über die Ablehnung eines Antrags auf Registrierung einer Religionsgemeinschaft. [9]

Ausländische Missionare und andere religiöse Funktionsträger können im Rahmen einer Ausnahmeregelung Visa für die Einreise ins Land beantragen, vorausgesetzt, dass sie nicht „in geschäftliche Aktivitäten“ im Namen der Kirche eingebunden sind (dies erfordert ein anderes Visum). [10] Die Bewerber müssen eine Verpflichtungserklärung einer in Papua-Neuguinea ansässigen Religionsgemeinschaft vorlegen und eine geringe Antragsgebühr bezahlen. Die Visa haben eine Gültigkeit von drei Jahren. Bisher gab es keinerlei Berichte über abgelehnte Visumsanträge.

In Papua-Neuguinea werden die folgenden Tage des christlichen Kalenders als gesetzliche Feiertage begangen: Karfreitag, Karsamstag, Ostersonntag, Ostermontag, und Weihnachten. Der 26. August ist der nationale Buss- und Bettag und ebenfalls ein Feiertag. [11] Offizielle öffentliche Veranstaltungen beginnen und enden oftmals mit einem christlichen Gebet. [12]

Vorkommnisse

Gegen Ende 2013 löste der Parlamentspräsident Theodore Zurenuoc eine Kontroverse in Papua- Neuguinea aus, als er indigene Artefakte aus dem Parlamentsgebäude entfernte bzw. zerstörte, die er als „gottlose Bildnisse und Götzen“ beschrieb und mit christlichen Symbolen auszutauschen beabsichtigte. Am 31. Mai 2016 ordnete der Oberste Gerichtshof an, dass die Artefakte wieder zurück an ihren ursprünglichen Platz gebracht werden sollten. [13] Während die Führer der Lutherischen
Erneuerungskirche und der Assemblies of God die Aktion des Parlamentspräsidenten unterstützten, liess die Katholische Bischofskonferenz von Papua-Neuguinea und den Salomonen Kritik daran verlauten. [14]

Der Papua New Guinea Council of Churches (Kirchenrat von Papua-Neuguinea; PNGCC) ist eine 1965 gegründete ökumenische Bewegung. Zu seinen Mitgliedern zählen die Römisch-katholische Kirche, die Evangelisch-lutherische Kirche, die Vereinigte Kirche, die Anglikanische Kirche, die Baptistenunion, die Heilsarmee, und die Lutherische Gutnius-Kirche. Darüber hinaus gibt es eine grosse Anzahl an assoziierten Mitgliedern. [15] Die Siebenten-Tags-Adventisten und die Pfingstler gehören nicht zu seinen Mitgliedern. Der PNGCC fördert den Dialog zwischen Mitgliedern und Projekten der sozialen Wohlfahrt und schaltet sich mitunter auch in öffentliche Debatten ein.

Zu den mit Abstand verheerendsten Vorkommnissen in der Gesellschaft des Landes gehören gewalttätige Angriffe, die auf den Glauben an Sanguma (Hexerei/Zauberei) zurückgehen. Der Ursprung dieses Glaubens liegt im traditionellen melanesischen Verständnis vom Wirken von Geistern und ist noch immer sehr verbreitet. Das Zauberei-Gesetz von 1971, das eine Rechtfertigung für den Mord an Menschen, die der Hexerei bezichtigt wurden, erlaubte, wurde erst 2013 aufgehoben. Angriffe auf der Hexerei bezichtigte Menschen sind noch immer weit verbreitet. [16]

Im November 2017 wurde ein sechsjähriges Mädchen, dass der Zauberei beschuldigt worden war, in der Provinz Enga angegriffen. Das Mädchen wurde von einer kleinen Gruppe von Menschen, darunter auch ein amerikanischer Missionar, gerettet und wegen zahlreicher Verbrennungen behandelt, die ihr durch erhitzte Buschmesser zugefügt worden waren. 2013 war die Mutter des Mädchens, Kepari Leniata, vor einer grossen Menschenmenge in Mount Hagen, der drittgrössten Stadt Papua-Neuguineas, entkleidet, gefesselt, mit Benzin übergossen und verbrannt worden; auch sie wurde der Hexerei beschuldigt. [17]

Allein im Januar 2018 ereigneten sich zwei schwerwiegende Vorkommnisse. Anfang Januar wurde Sir Salamo Injia, der Oberste Richter des Landes, überfallen, da sein Stamm es versäumt hatte, eine Entschädigung für den Tod eines Mannes zu zahlen, der angeblich aufgrund von Hexerei hervorgerufen worden war. Zuvor waren zwei Frauen des zu dem Richter gehörenden Stammes entführt und gefoltert worden, die ebenfalls der Hexerei beschuldigt worden waren. [18] In einem weiteren Fall, der sich ebenfalls im Januar ereignete, griffen Bewohner eines Dorfes nördlich von Port Moresby einen Mann an, der ihres Erachtens nach mit Mitteln der Hexerei den Tod des Rubgy-Stars Kato Ottio während eines Trainings hervorgerufen hatte. [19]

Das Justizsystem von Papua-Neuguinea bemüht sich darum, die Verantwortlichen für derartige Angriffe zur Rechenschaft zu ziehen, was in der Vergangenheit jedoch oftmals hauptsächlich dadurch erschwert worden ist, dass die Gemeinden die Täter schützen und nicht bereit sind, Beweise gegen sie zu liefern. Dennoch wurden im Januar 2018 fast 100 Menschen in Mandang wegen Hexerei- bezogenen Morden an sieben Menschen im Jahr 2014 verurteilt. [20] Die Polizei setzte eine Sonderkommission für den Kampf gegen Verbrechen ein, die sich gegen Hexerei richten; Berichten zufolge verfügt die Kommission jedoch nicht über die notwendigen Mittel, um effektiv arbeiten zu können. [21] Auch seitens der Bevölkerung versuchen Initiativen, das Problem der Angriffe zu bekämpfen.

Das auf der Manus-Insel angesiedelte Internierungslager für Flüchtlinge zog internationale Aufmerksamkeit auf sich. Im Oktober 2017 kündigte die australische Regierung an, „Transitzentren“ als alternative Regelung für die Unterbringung von Flüchtlingen einzurichten und zu finanzieren und dort Gesundheitsversorgung, Beihilfe und Sicherheit zur Verfügung zu stellen. Die Flüchtlinge auf der Insel werden oftmals Opfer von Diebstahl und Überfällen. Im Februar 2018 wurden drei Männer aus dem Irak, Iran und Pakistan mit mehreren Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. [22] Diese Angriffe wurden mitunter als anti-muslimische Angriffe gewertet. Kriminelle Gewalt ist allerdings eine der grössten Herausforderungen in Papua-Neuguinea und häufig liegt diese eher in stammesspezifischen und ethnischen Zusammenhängen begründet. Einige Regionen sind vom sogenannten Rascalism geplagt, dem dortigen Begriff für Strassenkriminalität.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Im Juli 2013 nahm das Parlament einen Antrag auf eine landesweite Konsultation über die Fragen der Religionsfreiheit an, um zu entscheiden, ob nicht-christliche Religionen verboten werden sollten. [23] Zu diesem Zeitpunkt befürchteten einige, dass dies zu Intoleranz gegenüber anderen Glaubensrichtungen führen würde. Die vorgeschlagene Konsultation fand jedoch nicht statt, nachdem die Constitutional Review Commission (Ausschuss für die Revision der Verfassung) berichtete, dass solch ein Verbot die Religionsfreiheit verletzen würde. [24] Im Allgemeinen wird die Religionsfreiheit in Papua-Neuguinea respektiert und es gibt wenig Anzeichen dafür, dass die Situation sich in der nahen Zukunft verschlechtern wird.

„Das Zauberei-Gesetz von 1971, das eine Rechtfertigung für den Mord an Menschen, die der Hexerei bezichtigt wurden, erlaubte, wurde erst 2013 aufgehoben. Angriffe auf der Hexerei bezichtigte Menschen sind noch immer weit verbreitet.“

Endnoten / Quellen

[1] Papua New Guinea’s Constitution of 1975 with Amendments through 2014, constituteproject.org,
https://www.constituteproject.org/constitution/Papua_New_Guinea_2014.pdf?lang=en, (besucht am 17. Februar 2018).

[2] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ‘Papua New Guinea’, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (besucht am 28. April 2018).

[3] ‘Lupari: Bible Studies should become a core subject in schools’, Papua New Guinea Post Courier, 17. Januar 2017, tps://postcourier.com.pg/lupari-bible-studies-should-become-a-core-subject-in-schools/, (besucht am 17. Februar 2018).

[4] ‘‘Religious Education Should be enforced’, Papua New Guinea Post Courier, 20. November 2017, https://postcourier.com.pg/religious-education-enforced/, (besucht am 17. Februar 2018).

[5] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, op. cit.

[6] Ibid.

[7] Bethanie Harriman, ‘PNG's life-saving church rural health services face closure after months without government funding’, ABC news, 12. Dezember 2017, http://www.abc.net.au/news/2017-12-12/png-churches-call-for-government-to-pay-health-
workers/9252270, (besucht am 17. Februar 2018).

[8] Ibid.

[9] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, op. cit.

[10] ‘Special Exemption Category’, Papua New Guinea Immigration and Citizenship Service Authority, https://www.immigration.gov.pg/special-exemption.html, (besucht am 17. Februar 2018).

[11] ‘Public holidays in Papua New Guinea’, Wikipedia,
https://en.wikipedia.org/wiki/Public_holidays_in_Papua_New_Guinea, (besucht am 28. April 2018).

[12] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, op. cit.

[13] Ibid.

[14] Richard Eves, N Haley, Rj May, J Cox, P Gibbs, F Merlan and A Rumsey, ‘Purging Parliament: A New Christian Politics in Papua New Guinea?’, researchgate.net, Januar 2014, Australian National University, https://www.researchgate.net/publication/265168894_Purging_Parliament_A_New_Christian_Politics_in_Papua_New_Guinea, (besucht am 28. April 2018).

[15] Papua New Guinea Council of Churches, World Council of Churches, https://www.oikoumene.org/en/member-churches/pacific/papua-new-guinea/pngcc, (besucht am 17. Februar 2018).

[16] Helen Davidson, ‘Mass 'sorcery' murder trial of more than 100 men begins in Papua New Guinea’, The Guardian, 28. März 2017, https://www.theguardian.com/world/2017/mar/28/mass-sorcery-trial-of-more-than-100-men-begins-in-papua-new-guinea, (besucht am 28. April 2018).

[17] Ian Lloyd Neubauer, ‘“They thought it would be proper to terminate her life”’, news.com.au, 21. November 2017, http://www.news.com.au/world/pacific/they-thought-it-would-be-proper-to-terminate-her-life/news-story/dd845dfb2220f5726a4926082d4cdb84, (besucht am 28. April 2018).

[18] Helen Davidson, ‘Papua New Guinea chief justice attacked as sorcery-related violence escalates’, The Guardian, 10. Januar 2017, https://www.theguardian.com/world/2018/jan/11/papua-new-guinea-chief-justice-attacked-as-sorcery-related-violence-escalates, (besucht am 28. April 2018).

[19] ‘Man attacked over alleged sorcery on PNG rugby league star’, Radio New Zealand, 23. Januar 2018, https://www.radionz.co.nz/international/pacific-news/348743/man-attacked-over-alleged-sorcery-on-png-rugby-league-star, (besucht am 28. April 2018).

[20] ‘97 convicted in mass trial for PNG 'sorcery' killings’, Radio New Zealand, 16. Januar 2018, https://www.radionz.co.nz/international/pacific-news/348161/97-convicted-in-mass-trial-for-png-sorcery-killings, (besucht am 28. April 2018).

[21] Johnny Blades, ‘Papua New Guinea's sorcery problem spirals’, Radio New Zealand, 16. Januar 2018, https://www.radionz.co.nz/news/world/348918/papua-new-guinea-s-sorcery-problem-spirals, (besucht am 28. April 2018).

[22] Erik Tlozek, ‘Manus Island asylum seekers told to stay in detention centre amid attacks’, ABC News, 17. Februar 2018, http://www.abc.net.au/news/2018-02-17/manus-asylum-seekers-allegedly-attacked-by-png-soldiers/9456790, (besucht am 28. April 2018).

[23] ‘Papua New Guinea – Religion’, GlobalSecurity.org, https://www.globalsecurity.org/military/world/oceania/png-religion.htm, (besucht am 28. April 2018).

[24] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, op. cit.

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