Religion

4.007.000Bevölkerung

17.818 Km2Fläche

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Kuwait liegt am Persischen Golf und wird von der sunnitischen Al-Sabah-Dynastie regiert. Die Bewohner des Landes gehören mehrheitlich dem sunnitischen Islam an. Doch mit rund 30% der Bevölkerung gibt es auch eine grosse schiitische Minderheit.[1] Theoretisch geniessen die Schiiten umfassende politische Rechte; doch seit dem Ausbruch der Konflikte im Irak 2003 und dem Aufstand in Bahrain im Jahr 2011 sind sie vermehrt Opfer von Schikanen.[2] Lokalen Quellen zufolge gehören zu den in Kuwait lebenden Christen sowohl Protestanten als auch Katholiken. Darüber hinaus gibt es auch einige Bahai mit kuwaitischer Staatsangehörigkeit. Damit zählt Kuwait zu den wenigen Golfstaaten, in denen Nicht-Muslime Staatsangehörige sein können. Eine Einbürgerung ist für Nicht-Muslime allerdings nicht möglich.[3]

Die Zahl der Landesbewohner ohne kuwaitische Staatsangehörigkeit ist bedeutend grösser als die Zahl der Einwohner mit kuwaitischer Staatsbürgerschaft. Unter den im Land lebenden Ausländern stellen die Muslime mit den Gemeinschaften der Sunniten (Anzahl unbekannt) und der Schiiten (circa 150.000) den grössten Anteil, gefolgt von geschätzten 600.000 Hindus und rund 450.000 Christen.[4] Die Zahlen zur religiösen Demografie variieren allerdings je nach Quelle erheblich. Den jüngsten Statistiken der Öffentlichen Behörde für zivile Informationen zufolge leben mehr als 822.000 Christen in Kuwait. Die überwiegende Mehrheit von ihnen besitzt jedoch nicht die kuwaitische Staatsbürgerschaft. Offiziell werden lediglich die Mitglieder von acht christlichen Familien als Staatsbürger geführt – insgesamt etwas über 200 Menschen.[5] Neben Bahrain ist Kuwait der einzige Staat des Golf-Kooperationsrats, in dem ein Teil der ortsansässigen christlichen Bevölkerung die Staatsangehörigkeit des Landes besitzt.[6]

Sieben christliche Konfessionen sind offiziell anerkannt: die Katholische Kirche des lateinischen Ritus sowie die Griechisch-katholische Kirche, die Griechisch-orthodoxe Kirche, die Koptisch-orthodoxe Kirche, die Armenische Apostolische Kirche, die Nationale Evangelische Kirche und die Anglikanische Kirche. Andere Kirchen sind de facto ebenfalls anerkannt.[7]

Unter den christlichen Konfessionen hat die Katholische Kirche in Kuwait die meisten Mitglieder. Lokalen Quellen zufolge gibt es rund 350.000 Katholiken, die Kirchen verschiedener Riten angehören.[8]

Kuwait nahm als erster Mitgliedstaat des Golf-Kooperationsrats bereits im Oktober 1968 diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl auf. Doch erst im Jahr 2000 eröffnete eine Apostolische Nuntiatur in Kuwait.[9]

In der kuwaitischen Verfassung aus dem Jahr 1962, die 1992 nach dem Ende der irakischen Besetzung wieder in Kraft trat, heisst es in Artikel 2: „Die Staatsreligion ist der Islam, und das islamische Recht ist die Hauptquelle der Gesetzgebung.“[10] Artikel 12 sieht vor: „Der Staat erhält das islamische und arabische Erbe aufrecht und geht den Weg der Zivilisation und Humanität mit.“ Der Grundsatz der Gleichheit ist in Artikel 29 festgeschrieben: „Die Menschen sind gleichberechtigt in ihrer Menschenwürde und haben vor dem Gesetz dieselben Rechte und Pflichten. Es wird zwischen ihnen nicht nach Rasse, Herkunft, Sprache oder Religion unterschieden.“ In Artikel 35 ist die uneingeschränkte Glaubensfreiheit verankert: „Der Staat schützt die Freiheit hinsichtlich der Ausübung der gebräuchlichen religiösen Riten, unter der Voraussetzung, dass diese Ausübung nicht im Widerspruch zu den Moralvorstellungen steht oder die öffentliche Ordnung stört.“

Gemäss Artikel 18 des Gesetzes Nr. 51 zum Personenstand aus dem Jahr 1984 [11], das auf der Scharia (dem islamischen Recht) beruht, ist eine zwischen einem nichtmuslimischen Mann und einer muslimischen Frau geschlossene Ehe ungültig. Artikel 294 desselben Gesetzes besagt, dass ein Apostat (Abtrünniger) das Erbe seines muslimischen Verwandten oder Ehepartners nicht antreten darf.

Darüber hinaus gibt es in Kuwait Gesetze, welche die Blasphemie unter Strafe stellen. So wurde mit dem Gesetz Nr. 19 über die nationale Einheit aus dem Jahr 2011 [12] der Artikel 111 des kuwaitischen Strafgesetzbuchs geändert. Seitdem werden härtere Strafen verhängt, und es ist zum Beispiel auch strafbar, Inhalte zu publizieren oder durch Rundfunk zu übertragen, die von einzelnen Religionsgemeinschaften als beleidigend erachtet werden könnten. Verstösse können mit Geldstrafen in der Höhe von umgerechnet ca. 34.000 CHF bis ca. 694.000 CHF und bis zu sieben Jahren Freiheitsentzug geahndet werden. Nicht-Staatsbürgern droht im Falle einer Verurteilung die Ausweisung. Gemäss den kuwaitischen Blasphemie-Gesetzen kann jeder eine Strafanzeige gegen den Urheber von Material stellen, das vor einem religiösen Hintergrund als diffamierend gelten kann.

Religionsgemeinschaften können eine Registrierung beantragen, doch das Prozedere gilt als langwierig und undurchsichtig. Registrierte Religionsgemeinschaften haben die Möglichkeit, Räumlichkeiten zum Zwecke der Gottesverehrung anzumieten; der Grundstückserwerb ist ausschliesslich Staatsbürgern vorbehalten. Des Weiteren dürfen registrierte Gemeinschaften auch Geistliche und Mitarbeiter ihrer Organisation nach Kuwait einladen. An christlichen Schulen ist Katechismusunterricht verboten; er darf allerdings in Privathäusern oder auf dem Kirchengelände erteilt werden. An Privatschulen ist islamischer Religionsunterricht für muslimische Schüler ein Pflichtfach. Dies gilt auch, wenn nur ein einziger muslimischer Schüler die Schule besucht. Christliche Schüler sind nicht zur Teilnahme an diesem Unterricht verpflichtet.[13]

Missionierungsversuche unter Muslimen sind Nicht-Muslimen gesetzlich untersagt.[14]

Während des Ramadan dürfen selbst Nicht-Muslime tagsüber nicht essen, trinken oder rauchen. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldbusse und/oder einer Gefängnisstrafe von einem Monat bestraft.

Vorkommnisse

Im April 2016 wurde die bekannte Akademikerin und Menschenrechtsaktivistin Sheikha al-Jassem der Blasphemie beschuldigt.[15] Der Philosophin, die eine Professur an der Universität von Kuwait innehat, wurde während eines Interviews im Fernsehsender Al-Shaded eine Frage zu einer Äusserung radikaler Islamisten gestellt, die die Religion für wichtiger erachteten als die kuwaitische Verfassung. Ihre Antwort lautete, dass man ihrer Meinung nach Politik und Religion getrennt halten solle: „Man kann die beiden Elemente [die Verfassung und den Koran] nicht miteinander vergleichen; keines ist dem anderen übergeordnet. Jedes hat seinen eigenen Platz.“ Sie fügte hinzu, dass die Verfassung mit dem Staat Kuwait in Zusammenhang stehe, wohingegen der Koran ein Buch für Muslime sei.[16] Obwohl die Klage später abgewiesen wurde [17], wurde Sheikha al-Jassem Opfer von Einschüchterungsmassnahmen im privaten Bereich und einer gegen sie gerichteten öffentlichen Kampagne. Gegenüber der BBC berichtete sie: „Sie haben mir Angst eingejagt – überall, nicht nur von Kuwait aus, selbst aus Saudi-Arabien.“ Manche forderten ihren Ausschluss von der Universität. Der Generalstaatsanwalt entschied schliesslich, dass die Meinungsfreiheit nicht beschränkt werden könne und nicht jede Diskussion über religiöse Angelegenheiten Blasphemie sei. Daher seien beide Anklagepunkte abzuweisen.[18]

Im August 2017 wurden die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten durch einen Vorfall im Nachbarland Saudi-Arabien erneut geschürt. Nach dem Tod des bekannten kuwaitischen Schauspielers Abdulhussein Abdulredha twitterte ein saudischer Geistlicher namens Dr. Ali Al Rabieei: „Muslime dürfen nicht für Abdulredha beten, weil er ein iranischer Leugner [des sunnitischen Islams] war, der fehlgeleitet starb. Gott hat es den Muslimen untersagt, für Ungläubige Gnade und Reue zu wünschen.“ [19] Diese Verlautbarungen riefen in Kuwait Empörung hervor. Kuwaitische Intellektuelle veröffentlichten eine Erklärung, mit der sie rechtliche Schritte gegen Dr. Al Rabieei wegen seiner „beleidigenden Worte gegen die Heiligkeit der Verstorbenen“ forderten.[20] Dr. Al Rabieei wurde vom Kultur- und Informationsministerium zu einer Befragung einbestellt und ermahnt, seinen Kommentar zu löschen und sich zu entschuldigen. Dr. Al Rabieei entschuldigte sich letztendlich zwar, entgegnete jedoch auch, dass er eine Bestrafung nur akzeptieren würde, wenn bewiesen werden könne, dass seine Bemerkung den religiösen Schriften und den Edikten hochrangiger saudischer Islamgelehrter widerspreche.[21]

Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten treten periodisch immer wieder auf. Zwar hat es keinen schwerwiegenden Terroranschlag gegeben; trotzdem hat die allgemeine Situation in der Region Konsequenzen für die schiitische Minderheit in Kuwait. Im Jahr 2016 wurde eine Gruppe von über 20 Schiiten (bis auf eine Person alle Kuwaiter) für schuldig befunden, einer Zelle anzugehören, die mit der Hisbollah-Miliz im Iran und im Libanon in Verbindung gebracht wird.[22] Das Todesurteil für den „Anführer der Zelle“ wurde schliesslich in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt.[23]  Im Juli 2017 flohen 14 schiitische Kuwaiter, die wegen ihrer Zugehörigkeit zu einer Hisbollah-Zelle verurteilt worden waren, in den Iran, nachdem der Oberste Gerichtshof ihren durch das Berufungsgericht erwirkten Freispruch gekippt hatte.

Im November 2017 verhafteten die kuwaitischen Behörden den Pfarrer Shibu Mathew. Er wurde beschuldigt, im Rahmen seiner Teilnahme am interreligiösen Dialog zwischen Christen und Muslimen die Stimme gegen den Islam erhoben zu haben.[24] Er wurde in der Folge wieder auf freien Fuss gesetzt [25] und hat inzwischen das Land verlassen.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Die Religionsfreiheit in Kuwait bleibt weiterhin auf die Kultusfreiheit beschränkt. Die Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten in der Region wirken sich stark auf Kuwait und die dort lebende schiitische Gemeinschaft aus.

Obwohl die Gleichheit der Religionen in der Verfassung verankert ist, werden Nicht-Muslime de facto durch die gesetzliche Struktur des Landes und seine Kultur benachteiligt. So ist z. B. der christliche Katechismus an Schulen verboten; nichtmuslimische Männer dürfen keine muslimischen Frauen heiraten; Nicht-Muslime können mit einer Geldbusse oder mit Gefängnis bestraft werden, wenn sie sich nicht an die Fastenregeln im Ramadan halten; und die Bedrohung durch mögliche Anklagen im Rahmen der Blasphemie-Gesetze ist weiterhin sehr präsent.

„Obwohl die Gleichheit der Religionen in der Verfassung verankert ist, werden Nicht-Muslime de facto durch die gesetzliche Struktur des Landes und seine Kultur benachteiligt.“

Endnoten / Quellen

[1] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ‘Kuwait’, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 5. März 2018).

[2] ‘Kuwait’, Freedom in the World 2016, Freedom House, https://freedomhouse.org/report/freedom-world/2015/kuwait, (abgerufen am 21. Februar 2018).

[3] R. Ibrahim, ‘The Islamic Prerequisite of Kuwaiti Citizenship’, 18th May 2015, [personal website] http://raymondibrahim.com/2015/05/18/the-islamic-prerequisite-of-kuwaiti-citizenship/, (abgerufen am 24. Februar 2018).

[4] ‘Christians in Kuwait’, The Catholic Church in Kuwait, The Apostolic Vicariate of Northern Arabia, http://www.avona.org/kuwait/christians_in_kuwait.htm#.VlG1hZ0weM8, (abgerufen am 18. Februar 2018).

[5] B. Garcia, ‘Getting to know the Christians in Kuwait’, Kuwait Times, 26th February 2018, http://news.kuwaittimes.net/website/getting-know-christians-kuwait/, (abgerufen am 18. Februar 2018).

[6] I. Naar, ‘An inside look at the native Christian community of Kuwait’, Al-Arabiya, 25th December 2017, https://english.alarabiya.net/en/features/2016/12/27/An-inside-look-at-a-Gulf-Christian-community.html, (abgerufen am 20. Februar 2018).

[7] Ibid.

[8] Jonathan Luxmoore, ‘Bishop in Kuwait criticizes legislation restricting Christian churches”, Catholic News Service, 13th March 2012, http://www.catholicnews.com/services/englishnews/2012/bishop-in-kuwait-criticizes-legislation-restricting-christian-churches.cfm, (abgerufen am 15. März 2018).

[9] Ibid.

[10] Kuwait’s Constitution of 1962, Reinstated in 1992, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Kuwait_1992.pdf?lang=en, (abgerufen am 21. Februar 2018).

[11] Global Legal Research Directorate and Hanibal Goitom, ‘Kuwait,’ Laws Criminalizing Apostasy, Library of Congress, http://www.loc.gov/law/help/apostasy/#kuwait, (abgerufen am 18. Februar 2018).

[12] Ibid.

[13] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor, op. cit.

[14] Ibid.

[15] S. Usher, ‘Kuwait academic charged with blasphemy over TV interview’, BBC, 14th April 2016, http://www.bbc.com/news/world-middle-east-36046706, (abgerufen am 21. Februar 2018).

[16] ‘Kuwaiti academic charged with blasphemy for Quran comments’, The New Arab, 15th April 2016, https://www.alaraby.co.uk/english/news/2016/4/15/kuwaiti-academic-charged-with-blasphemy-for-quran-comments, (abgerufen am 24. Februar 2018).

[17] J. Weinberg, ‘Blasphemy Charges Against Philosopher Dismissed’, Daily Nous, June 1st, 2016, http://dailynous.com/2016/06/01/blasphemy-charges-against-philosopher-dismissed/, (abgerufen am 24. Februar 2018).

[18] Ibid.

[19] ‘Saudi Arabia moves to silence hate preacher for insulting deceased Kuwaiti Shia actor’, The New Arab, 13th August 2017, https://www.alaraby.co.uk/english/blog/2017/8/13/riyadh-moves-to-silence-cleric-for-insulting-deceased-actor, (abgerufen am 24. Februar 2018).

[20] Ibid.

[21] Ibid.

[22] ‘Kuwait’s Shia MPs boycott parliament session’, Middle East Eye, 13th January 2016, http://www.middleeasteye.net/news/kuwaits-shia-mps-boycott-parliament-session-1636491037, (abgerufen am 24. Februar 2018).

[23] ‘Kuwait commutes death sentence of ‘pro-Iran cell leader’’, Middle East Eye, 18th June 2017, http://www.middleeasteye.net/news/kuwait-commutes-death-sentence-pro-iran-cell-leader-502808185, (abgerufen am 24. Februar 2018).

[24] K. Gibbs, ‘Indian Pastor arrested in Kuwait faces judgement Sunday’, British-Pakistani Christian Association, 18th November 2017, https://www.britishpakistanichristians.org/blog/indian-pastor-arrested-in-kuwait-faces-judgement-sunday, (abgerufen am 12. Februar 2018).

[25] Indian Pastor accused of blasphemy set free by Kuwaiti authorities’, Pakistan Christian Post, 4th December 2017, http://www.pakistanchristianpost.com/detail.php?communityid=912, (abgerufen am 21. Februar 2018).

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