Religion

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322.463 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightElfenbeinküste

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

In der Elfenbeinküste leben etwa 70 unterschiedliche ethnische Gruppen.[1] Die Religionszugehörigkeit ist aufgeteilt zwischen traditionellen afrikanischen Religionen, die nach wie vor eine hohe Anhängerschaft verzeichnen, dem Islam und dem Christentum.[2] Der Islam prägt das Leben eines grossen Teils der Bevölkerung im und aus dem Norden des Landes sowie von Einwanderern aus Nachbarstaaten. Die Dachorganisation der Muslime der Elfbeinküste ist der Conseil National Islamique de Côte d’Ivoire (Islamischer Nationalrat der Elfenbeinküste). Die Mehrheit der Christen lebt im Süden. Die katholischen Erzdiözesen sind in Abidjan, Bouaké, Gagnoa und Korhogo angesiedelt.[3]

Das Land war in seiner jüngsten Vergangenheit mit gewaltigen Machtkämpfen konfrontiert. Zwischen 2002 und 2007 wütete in dem zu jener Zeit wirtschaftlich stärksten und bevölkerungsreichsten Land der Region ein Bürgerkrieg. Der Konflikt flammte nach den Präsidentschaftswahlen 2010 wieder auf. Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen den Unterstützern des amtlichen Wahlsiegers Alassane Ouattara, einem Muslim, und jenen seines unterlegenen Kontrahenten und Amtsvorgängers Laurent Gbagbo, einem Christen, kamen mehr als 3.000 Menschen zu Tode, Hunderttausende wurden vertrieben.[4] Den Konflikt als reine Auseinandersetzung zwischen Christen und Muslimen zu betrachten, wäre jedoch allzu einfach, da politische Belange dabei eine grosse Rolle spielten. Während des Berichtszeitraumes waren die Auswirkungen des Konfliktes, die sich durch Zwangsvertreibung und Gewalt bemerkbar machten, noch immer deutlich spürbar.[5]

Trotz der ethnischen und religiösen Vielfalt in der Elfenbeinküste leben Christen und Muslime traditionell friedvoll Seite an Seite. Der Gewaltausbruch ist deshalb eher als Symptom von bitterer Armut und Perspektivlosigkeit zu werten.[6]

Die Elfenbeinküste ist laut Verfassung ein säkularer Staat nach französischem Vorbild.[7] Dies blieb während des Berichtszeitraumes unverändert. Die neue Verfassung der Elfenbeinküste, die am 8. November 2016 [8] in Kraft trat, enthält auch eine Verpflichtung zur Achtung der Prinzipien eines säkularen und demokratischen Staates (Artikel 49). Religionsfreiheit gehört zu den in Artikel 4 garantierten Freiheitsrechten.[9]

Traditionell herrscht zwischen den zahlreichen religiösen Gemeinschaften des Landes ein freundschaftliches Zusammenleben vor. Für ein Land mit zahlreichen ethnischen Gruppen und Religionsgemeinschaften stellt dies eine Grundvoraussetzung für den Frieden dar. Während des Berichtszeitraumes förderte die Regierung der Elfenbeinküste weiterhin Pilgerfahrten nach Mekka sowie im Falle von Christen nach Frankreich und Israel.[10]

Vorkommnisse

Der offenkundige Mangel an Stabilität in der Elfenbeinküste manifestiert sich in ungelösten politischen Konflikten, tiefgreifenden sozialen Spannungen, gewalttätigen Verbrechen insbesondere im Grossraum Abidjan sowie ethnischer Gewalt in ländlichen Regionen, was mitunter zu blutigen Auseinandersetzungen führt (darunter 33 Todesfälle in Bouna im März 2016, in der Nähe der Grenze zu Burkina Faso).[11] Die Elfenbeinküste wurde ebenfalls im März 2016 zur Zielscheibe des internationalen Dschihadismus, als bei einem Terroranschlag in Grand Bassam in der Nähe von Abidjan 22 Menschen ums Leben kamen. Er zählte zu einem der blutigsten von Dschihadisten verübten Anschläge in Westafrika. Al-Qaeda au Maghreb Islamique (Organisation al-Qaida des Islamischen Maghreb),[12] eine in der Region aktive Terrororganisation, bekannte sich zu dem Anschlag.

Die Vereinten Nationen, die zusammen mit französischen Streitkräften im Rahmen der United Nations Operation in Côte d’Ivoire (Friedensmission der Vereinten Nationen im Staat Elfenbeinküste) offiziell bis Juni 2017 im Land präsent waren, beschrieben die Situation des Landes als „fragil”.[13]

Während des Berichtszeitraumes kam es in verschiedenen Teilen des Landes zu Protesten von Soldaten, Gendarmerie-, Polizei- und Zollbeamten, die unter der Zivilbevölkerung Angst auslösten.[14] Solcherlei Demonstrationen sind in vielen Teilen des Landes auf dem Vormarsch, da es ehemaligen Guerillakämpfern erlaubt wurde, der Armee beizutreten. Von den Protesten war auch die örtliche katholische Universität, die Université Catholique d’Afrique de l’Ouest betroffen, deren Campus in Abidjan am 16. Januar 2017 von bewaffneten Männern angegriffen wurde, die Studenten und Unterrichtende bedrohten.[15]

In einer gemeinsamen Botschaft riefen die katholischen Bischöfe der Elfenbeinküste zu nationaler Versöhnung, zur Freilassung der Gefangenen, die während der Krise zwischen 2001 und 2011 festgenommen worden waren, sowie zur Umverteilung von Reichtum und zu grösserer sozialer Gerechtigkeit auf.[16]

Darüber hinaus ist die Elfenbeinküste mit weiteren Herausforderungen konfrontiert. Beispielsweise wanderten in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Menschen aus Nachbarländern ein, von denen eine grosse Anzahl heute ein Leben als Staatenlose führt. Die Anzahl der Wirtschafts- und Bürgerkriegsflüchtlinge wird auf etwa vier Millionen geschätzt; dies entspricht 20 % der Bevölkerung. Oftmals handelt es sich dabei um Muslime aus den nördlichen Nachbarländern.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Im Zuge des Bürgerkrieges gibt es von Seiten der katholischen Bischöfe des Landes ein starkes Engagement für Versöhnung, Gerechtigkeit und Frieden.[17] Trotz der jüngsten und grösstenteils positiven Tendenzen hin zu mehr Demokratie und wirtschaftlicher Entwicklung bleibt offen, ob die Elfenbeinküste die einstige Stabilität, die für die Koexistenz verschiedener Glaubensrichtungen so massgeblich ist, wiedererlangen wird. Ein grosser Teil hängt vom Fortschritt in der Sicherheit und der Wirtschaft sowie von der Bekämpfung der Bedrohung durch den Dschihadismus ab.

„Trotz der jüngsten und grösstenteils positiven Tendenzen hin zu mehr Demokratie und wirtschaftlicher Entwicklung bleibt offen, ob die Elfenbeinküste die einstige Stabilität, die für die Koexistenz verschiedener Glaubensrichtungen so massgeblich ist, wiedererlangen wird.“

Endnoten / Quellen

[1]  ‘Munzinger Länder: Côte d’Ivoire’, Munzinger Archiv 2018, https://www.munzinger.de/search/start.jsp, (besucht am 30. März 2018).

[2] Für den Anteil der verschiedenen Religionsgemeinschaften in der Gesamtbevölkerung vergleiche Grim, Brian et. al. (Hrsgg.): Yearbook of International Religious Demography 2017, Brill: Leiden/Boston, 2017.

[3] Munzinger Archiv 2018, op. cit.

[4] Auslandsinformation der Konrad-Adenauer-Stiftung, Vol. 9/15

[5] Jens Borchers, ‘Elfenbeinküste: In der Bevölkerung brodelt es’, Deutschlandfunk, 24. Mai 2017, http://www.deutschlandfunk.de/elfenbeinkueste-in-der-bevoelkerung-brodelt-es.1773.de.html?dram:article_id=386952, (besucht am 13. Februar 2018).

[6] Ibid.

[7] ‘Côte d’Ivoire: Innenpolitik’ , Auswärtiges Amt, https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/cotedivoire-node/-/209484#content_0, (besucht am 13. Februar 2018).

[8] ‘Côte d’Ivoire: Alassane Ouattara promulgue la nouvelle Constitution’, Jeune Afrique, 8. November 2016, http://www.jeuneafrique.com/372538/politique/cote-divoire-alassane-ouattara-promulgue-nouvelle-constitution/, (besucht am 13. Februar 2018).

[9] Côte d’Ivoire’s Constitution of 2016, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Cote_DIvoire_2016.pdf?lang=en, (besucht am 13. Februar 2018).

[10]Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ‘Cote d’Ivoire’, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (besucht am 2. April 2018).

[11] Munzinger Archiv 2018, op. cit.

[12] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, op.cit.; Munzinger Archiv 2018, op. cit.

[13] Munzinger Archiv 2018, op. cit.

[14] ‘New military and police protests, raid against Ucao’, Agenzia Fides, 19. Januar 2017, http://www.fides.org/en/news/61551-AFRICA_IVORY_COAST_New_military_and_police_protests_raid_against_Ucao, (besucht am 13. Februar 2018).

[15]Ibid.

[16]‘The Bishops denounce “a deleterious climate which threatens to undermine the achievements made”’, Agenzia Fides, 24. Januar 2017, http://www.fides.org/en/news/61580-AFRICA_IVORY_COAST_The_Bishops_denounce_a_deleterious_climate_which_threatens_to_undermine_the_achievements_made, (besucht am 13. Februar 2018).

[17] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, op.cit.; Munzinger Archiv 2018, op. cit.

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