Religion

17.750.000Bevölkerung

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Republik Malawi liegt an der Grenze zwischen dem überwiegend christlich geprägten südlichen Afrika und Ostafrika – einer Region, in der der Islam seit Jahrhunderten eine bedeutende Rolle spielt. Die Religionsfreiheit ist in der malawischen Verfassung verankert.[1] Glaubensgemeinschaften müssen sich nach malawischem Recht behördlich registrieren lassen,[2] ihre religiösen Überzeugungen und Aktivitäten unterliegen jedoch keiner staatlichen Kontrolle.

Religionsunterricht ist in Grundschulen Pflichtfach[3] und beinhaltet je nach Glauben oder Konfession der Schülerinnen und Schüler Bibelstudien oder Moral- und Religionserziehung. Der Unterricht soll laut Verfassung zur Überwindung religiöser Intoleranz beitragen.[4] In Malawi gibt es eine Vielzahl religiöser Bildungseinrichtungen. Neben Schulen, die von unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften gefördert werden, gehören dazu auch Radio- und Fernsehsender. Zwölf Radio- und vier Fernsehstationen werden in Malawi von Religionsgemeinschaften betrieben. Hierbei gelten gewisse Auflagen: Unter anderem müssen die Senderverantwortlichen darauf achten, keine „Inhalte zu senden, die für Anhänger bestimmter, im Land vertretener religiöser Überzeugungen beleidigend sein könnten“.[5]

Häftlinge im Strafvollzug haben ein Recht auf die Unterstützung durch Seelsorger ihrer Wahl.[6]

Vorkommnisse

Im Berichtszeitraum gab es in Malawi keine Verfassungsänderungen oder schwerwiegenden Vorfälle im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit.

Die malawische Menschenrechtskommission untersuchte allerdings einen Fall von angeblicher religiöser Diskriminierung: Ein Schüler, der aus einer Familie von Rastafari stammte, hatte mit seiner Frisur vorgeblich gegen geltende Schulregeln verstossen. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen.[7] Die Frage, inwieweit die Bräuche der Rastafari insbesondere in Schulen berücksichtigt werden sollen, beschäftigt die malawische Menschenrechtskommission bereits seit einiger Zeit.[8]

Auch beim Thema Religionsunterricht gibt es in Malawi immer wieder Diskussionen. Gerade muslimische Gemeinden beklagen oft, sich vom Schulsystem benachteiligt zu fühlen.[9]

Abgesehen davon sind die Beziehungen zwischen den verschiedenen Glaubensgemeinschaften in Malawi aber meist von gegenseitigem Respekt geprägt. So beteiligen sich etwa mehrere Gemeinschaften am Malawi Electoral Support Network.[10] Der Gruppe, die sich mit Fragen der Menschenrechte und der politischen Bildung befasst, gehören Vertreter des Interfaith Public Affairs Committee (Komitee für interreligiöse Öffentlichkeitsarbeit) der Muslimverbände Muslim Association of Malawi und Quadria Muslim Association of Malawi, des Islamic Information Bureau (Informationsstelle für den Islam) und der Catholic Commission for Justice and Peace (Katholische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden) an. Auch in anderen Bereichen des wirtschaftlichen und zivilen Lebens arbeiten Mitglieder verschiedener Glaubensgemeinschaften zusammen.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Für eine ernsthafte Gefährdung der Religionsfreiheit in Malawi gibt es keine Anzeichen. Allerdings könnten sich soziale Spannungen negativ auf die interreligiösen Beziehungen auswirken.

Laut UNHCR-Berichten sind in den letzten Jahren Tausende von Flüchtlingen aus Mosambik nach Malawi gekommen[11], die vor Kämpfen zwischen der mosambikanischen Regierung und Rebellen geflohen sind. Nach einer zunächst dramatischen Verschärfung Anfang 2016 entspannte sich die Flüchtlingssituation im vergangenen Jahr, allerdings bleibt die Langzeitbetreuung der Flüchtlinge problematisch. Solange die mosambikanische Regierung Rückkehrern keinen Schutz garantieren kann, werden die Flüchtlinge aller Wahrscheinlichkeit nach in Malawi bleiben.[12] Auch für die Kirchen und Religionsgemeinschaften im Land ist die Betreuung der Flüchtlinge eine soziale und seelsorgerische Herausforderung. Erfahrungsgemäss verschärfen sich religiöse Spannungen oft, wenn verschiedene Glaubensgemeinschaften in extremer Armut auf engem Raum leben.

„Für eine ernsthafte Gefährdung der Religionsfreiheit in Malawi gibt es keine Anzeichen. Allerdings könnten sich soziale Spannungen negativ auf die interreligiösen Beziehungen auswirken.“

Endnoten / Quellen

[1] Artikel 33 zur Gewissensfreiheit, Verfassung der Republik Malawi, Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO), http://www.wipo.int/wipolex/en/text.jsp?file_id=218796 (abgerufen am 2. April 2018).

[2] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des US-Aussenministeriums, „Malawi“, Internationaler Bericht zur Religionsfreiheit von 2016 https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 2. April 2018).

[3] ebd.

[4] ebd.

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] ebd.

[9] ebd.

[10]    Erklärung des MESN zum Abschlussbericht über die Überprüfung der Wahlgesetze und Umsetzung der vereinbarten nichtlegislativen Wahlreformen durch die Wahlkommission von Malawi, Malawi Electoral Support Network (MESN), 13. April 2017, http://www.mesnmw.org, (abgerufen am 12. April 2018).

[11] Kelvin Shimo (Hrsg.) und Tim Gaynor, „Growing number of Mozambicans flee to Malawi“, UNHCR, 16. März 2016, http://www.unhcr.org/news/latest/2016/3/56e91b486/growing-number-mozambicans-flee-malawi.html, (abgerufen am 11. Februar 2018), und „Growing number of Mozambicans arriving in Malawi“, UNHCR, 15. Januar 2016, http://www.unhcr.org/5698dbff6.html, (abgerufen am 2. April 2018).

[12] ebd.

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