Religion

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homekeyboard_arrow_rightMazedonien

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Republik Mazedonien ist gemäss ihrer Verfassung ein säkularer Staat, der seinen Bürgern die Religionsfreiheit garantiert. Im Besonderen sind die Rechte des Einzelnen hinsichtlich der Religionsfreiheit in den Artikeln 9, 20, 48, 54 und 110 der mazedonischen Verfassung[1] geregelt. In Artikel 19 werden den Religionsgemeinschaften kollektive Rechte zuerkannt, darunter das Recht, religiöse Bildungseinrichtungen, soziale Einrichtungen und gemeinnützige Organisationen zu gründen; des Weiteren ist die Trennung zwischen religiösen Einrichtungen und dem Staat dort festgeschrieben.

In Mazedonien ist die religiöse Identität sehr eng mit der ethnischen Identität verknüpft. Daher ist es wichtig, die folgenden Volksgruppen zu differenzieren, zu denen sich die Bürger selbst rechnen: 64,2% Mazedonier, 25,2% Albaner, 3,9% Türken, 2,7% Roma, 1,8% Serben, 0,8% Bosniaken, 0,5% Wallachen, 1,0% Andere (Daten gemäss der Volkszählung aus dem Jahr 2002[2]). Die Mehrheit der orthodoxen Christen sind ethnische Mazedonier; die meisten Muslime gehören den Ethnien der Albaner und der Türken an.

Die zwei wichtigsten Religionen im Land sind das orthodoxe Christentum und der Islam. Darüber hinaus leben römisch-katholische Gläubige, Mitglieder verschiedener protestantischer Konfessionen sowie Juden in Mazedonien.

Die meisten Muslime sind in den nördlichen und westlichen Landesteilen heimisch, wohingegen die orthodoxen Christen mehrheitlich im Zentrum und den Regionen im Südosten leben.

Die grössten Roma-Gemeinschaften gibt es in Skopje und im Osten des Landes. Unter allen Volksgruppen sind die Roma am stärksten von Armut betroffen.

In Mazedonien müssen sich Religionsgemeinschaften bei der sogenannten „Kommission für die Beziehungen zu Religionsgemeinschaften und religiösen Gruppen“ registrieren. Diese Kommission ordnet die religiöse Vereinigung dann einer von drei Kategorien zu: Kirchen, Religionsgemeinschaften und religiöse Gruppen. Bezüglich der rechtlichen Stellung der einzelnen Vereinigungen macht das Gesetz allerdings keine Unterschiede; alle drei Kategorien werden gleich behandelt.[3]

Zur ersten Kategorie der Kirchen zählen fünfzehn christliche Vereinigungen; die grössten unter ihnen sind die Mazedonisch-orthodoxe Kirche, die Katholische Kirche und die Evangelische Kirche. Bei den anderen Vereinigungen handelt es sich um sehr kleine christliche Gemeinschaften (sowohl traditionelle als auch neugegründete). In die zweite Kategorie der Religionsgemeinschaften fallen die Islamische Gemeinschaft, die Jüdische Gemeinschaft, die Zeugen Jehovas, das Sathya Sai-Zentrum, die Vaishnava-Religionsgemeinschaft ISKCON sowie die Gemeinschaft Universelles Leben. Zur dritten Kategorie der religiösen Gruppen gehören sechs christliche und zwei muslimische Gruppen, darunter auch die Bektaschi-Gemeinschaft, ein islamischer Sufi-Orden.

Die Serbisch-orthodoxe Kirche findet in dem Register keine Erwähnung.

Private religiöse Grundschulen sind in Mazedonien gesetzlich nicht erlaubt; erst ab der Sekundarstufe sind religiöse Privatschulen zugelassen. Das Bildungsministerium schreibt vor, dass Fünftklässler wahlweise eines der folgenden Schulfächer belegen müssen: Einführung in die Religionen, Ethik in der Religion oder Klassische Kultur in der Europäischen Zivilisation.

Es gibt eine Fülle von interreligiösen Diskussionen zu Themen, die für die verschiedenen Religionsgemeinschaften von Belang sind.

Die grösste organisierte Religionsgemeinschaft in Mazedonien ist die Mazedonisch-orthodoxe Kirche – Erzbistum von Ohrid (MPC-OA). Der Weg für ihre Gründung wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs durch eine Entscheidung der sogenannten Volksbefreiungsfront Mazedoniens bereitet. Auf diese Weise wollte man den Streit zwischen der Serbisch-orthodoxen Kirche (SPC) und der Bulgarisch-orthodoxen Kirche (BPC) beilegen und unter den mazedonischen Slawen das Gefühl einer eigenen nationalen Identität fördern.[4]

Angesichts der bedeutenden Rolle, welche die MPC-OA im Land spielt, sei darauf hingewiesen, dass die Mazedonisch-orthodoxe Kirche 1967 ihre Autokephalie verkündete. Die Bischöfe der Serbisch-orthodoxen Kirche verurteilten diese Entscheidung und erklärten den mazedonischen Klerus für schismatisch. Auch andere kanonische orthodoxe Kirchen haben die Autokephalie der MPC-OA bis heute nicht anerkannt. Die drei orthodoxen Nachbarkirchen – die serbische, die bulgarische und die griechische – stellen nicht nur die Autonomie der Mazedonisch-orthodoxen Kirche in Abrede, sondern stören sich darüber hinaus an der vorangestellten Nationalitätsbezeichnung.

Die Mazedonisch-orthodoxe Kirche begeht ihre Feste nach dem julianischen Kalender; die Gottesdienste werden in mazedonischer Sprache gefeiert. Zur Mazedonisch-orthodoxen Kirche gehören rund 1.200 Kirchen, die in zehn Eparchien organisiert sind, deren Bischöfe den Heiligen Synod bilden; an der Spitze steht der Erzbischof von Ohrid und Mazedonien. In etwa 500 Priester wirken für die Mazedonisch-orthodoxe Kirche in ebenso vielen Gemeinden. Darüber hinaus beansprucht die Kirche Gerichtsbarkeit über rund 20 Klöster mit mehr als 100 Mönchen.

Der Islam hielt mit der osmanischen Eroberung und dem Zustrom türkischer Siedler im 14. Jahrhundert Einzug in die Region. Die überwiegende Mehrheit der mazedonischen Muslime bekennt sich zum sunnitischen Islam der hanafitischen Rechtsschule; daneben ist die Minderheit der Bektaschi (ein traditioneller Derwisch-Orden) im Land vertreten. Den Sunniten gehören Albaner, Türken, Roma, muslimische Mazedonier und Bosniaken an. Da die Albaner innerhalb der Muslime die grösste Gruppe ausmachen, fühlen sie sich berufen, im Ringen mit dem mazedonischen Staat um einen gleichberechtigten Status des Islam eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Die Islamische Gemeinschaft in Mazedonien verwaltet etwa 580 Moscheen in dreizehn Muftiaten. An ihrer Spitze steht der Reis-ul-Ulema Suleyman Rexhepi. Der Reis-ul-Ulema ist der Vorsteher der islamischen Gelehrten bzw. der Grossmufti der mazedonischen Muslime. Vor der Unabhängigkeit des Landes unterstanden die mazedonischen Muslime der Gerichtsbarkeit des in Sarajevo beheimateten Rijaset (Exekutivorgan) der Islamischen Gemeinschaft der jugoslawischen Föderation.[5]

Die kleine, aber dynamische katholische Gemeinschaft in Mazedonien ehrt das Vermächtnis der Heiligen Kyrill und Method sowie von Mutter Teresa, die im heutigen Skopje zur Welt kam und aufwuchs.

Die Katholische Kirche trat in Mazedonien erstmals im Jahre 350 in Erscheinung. Die Mazedonisch-katholische Kirche des byzantinischen Ritus wurde 1918 gegründet. Gegenwärtig bekennen sich rund 20.000 Gläubige in Mazedonien zur Katholischen Kirche.[6] Die mazedonischen Katholiken gehören dem lateinischen (römischen) und dem östlichen (byzantinischen) Ritus an. Ca. 5.000 Mazedonier bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben; etwa 15.000 werden den Unierten (Katholiken des östlichen Ritus) zugerechnet. Die ethnische Zusammensetzung der Katholiken in Mazedonien ist nicht homogen: So sind die Unierten nahezu ausschliesslich Mazedonier, wohingegen die Anhängerschaft der Römisch-katholischen Kirche überwiegend aus Kroaten, Albanern, Polen, Slowenen und Ungarn besteht.

In Mazedonien unterstehen beide Riten der Gerichtsbarkeit von Msgr. Kiro Stojanov, der in seiner Eigenschaft als Bischof der römisch-katholischen Diözese von Skopje und als Apostolischer Exarch mit voller Gerichtsbarkeit über die Unierten in Mazedonien eine birituelle Funktion ausübt.

Die Unierten erkennen den Papst in Rom als höchstes geistliches Oberhaupt an. Von den orthodoxen Christen unterscheiden sie sich lediglich hinsichtlich ihrer administrativen Zuordnung zu bestimmten Zentren, nicht jedoch hinsichtlich ihrer religiösen Rituale.

In Mazedonien gibt es etwa dreissig Missionare von Männer- und Frauenkongregationen des lateinischen und des östlichen Ritus. Die Männerorden werden durch einen Lazaristenbruder vom Orden des Heiligen Vinzenz von Paul des lateinischen Ritus vertreten. Des Weiteren gibt es ca. zehn Eucharistinerinnen des östlichen Ritus. Die übrigen Schwestern gehören drei Orden an, die den lateinischen Ritus befolgen: Orden des Heiligen Vinzenz von Paul, Schwestern vom Heiligen Kreuz sowie Missionarinnen der Nächstenliebe. In Mazedonien gibt es insgesamt elf katholische Kirchen beider Riten mit zwanzig Priestern.

Die Katholische Kirche in Mazedonien unterhält gute Beziehungen zu den Vertretern der zwei anderen grossen Religionen im Land. Laut Msgr. Stojanov bemüht sich die Katholische Kirche, die orthodoxen Christen und Muslime bei der Annäherung ihrer Standpunkte zu unterstützen.

Am 17. April 2017 hat das Oberste Gericht von Skopje die Scientology-Kirche Mazedoniens offiziell als religiöse Organisation anerkannt. Nach Auffassung des Gerichts waren alle rechtlichen Voraussetzungen in Übereinstimmung mit dem Gesetz über die Rechtsstellung von Kirchen, Religionsgemeinschaften und religiösen Gruppen, wie es im Amtsblatt der Republik Mazedonien veröffentlicht ist, erfüllt.

Am 9. November 2017 sandte der Heilige Synod der Mazedonisch-orthodoxen Kirche (Erzbistum von Ohrid) ein Schreiben an die Bulgarisch-orthodoxe Kirche, das drei Ersuchen bzw. Vorschläge zum Inhalt hatte:

1) Anerkennung der Mazedonisch-orthodoxen Kirche durch andere orthodoxe Kirchen des byzantinischen Ritus;

2) Anerkennung des autokephalen Status der Mazedonisch-orthodoxen Kirche;

3) Bereitschaft, die Bulgarisch-orthodoxe Kirche als Mutterkirche der Mazedonisch-orthodoxen Kirche anzuerkennen.[7]

Die Bulgarisch-orthodoxe Kirche beschloss daraufhin, bei den anderen im Land präsenten kanonischen orthodoxen Kirchen Fürsprache für die Mazedonisch-orthodoxe Kirche hinsichtlich ihrer Kanonizität und Autokephalie einzulegen. Die Serbisch-orthodoxe Kirche zeigte sich bestürzt angesichts dieser Entscheidung.[8]

In dem seit zehn Jahren andauernden Restitutionsstreit zwischen der Katholischen Kirche und dem mazedonischen Staat bezüglich der Rückgabe von Eigentum, das in dem Dorf Paljurci zu Zeiten des Kommunismus von den Behörden verstaatlicht worden war, gibt es keine Fortschritte zu verzeichnen. Die dortige katholische Gemeinschaft will das Grundstück für den Bau einer Kirche und eines Klosters nutzen.[9]

Vorkommnisse

Für den Berichtszeitraum liegen keine Meldungen über Verletzungen der Religionsfreiheit vor. Am 26. März 2016 verurteilte ein Gericht in Skopje den selbsternannten Imam der Tutunsus-Moschee, Rexjep Memishi, wegen der Mitgliedschaft in einer paramilitärischen Organisation und der Rekrutierung von Kämpfern für den Krieg in Syrien zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe.[10]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Nachdem die politische Landschaft in Mazedonien über zwei Jahre von starker politischer Instabilität geprägt war, gibt die sozialdemokratische Regierung sich nun grösste Mühe, das Land unter den Kandidaten für die Mitgliedschaft in der EU und in der NATO zum Spitzenreiter zu machen. Und auch im ungelösten Streit mit Griechenland über den Namen des Staates Mazedonien gab es zu Beginn des Jahres 2018 deutlich positive Impulse.

Die Tatsache, dass Mazedonien für seine bisherigen Reformen gute Noten aus Brüssel erhalten hat und wieder in der EU-Erweiterungsstrategie für den westlichen Balkan berücksichtigt wird, hat die Hoffnungen der Bürger auf eine bessere und wohlhabendere Zukunft geweckt. Doch ist es noch ein weiter Weg zur Stabilität, der vor dem Balkanstaat liegt. Der Kampf gegen die Unterwanderung durch extremistischen Islamismus dauert an, und die damit verbundenen Sorgen um die individuellen Menschenrechte sind längst nicht ausgestanden.[11] Mazedonien wird auf die Unterstützung der Religionsgemeinschaften, der EU und der NATO angewiesen sein, wenn es aus diesen Herausforderungen siegreich hervorgehen will.

„Der Kampf gegen die Unterwanderung durch extremistischen Islamismus dauert an, und die damit verbundenen Sorgen um die individuellen Menschenrechte sind längst nicht ausgestanden.“

„Der Kampf gegen die Unterwanderung durch extremistischen Islamismus dauert an, und die damit verbundenen Sorgen um die individuellen Menschenrechte sind längst nicht ausgestanden. Mazedonien wird auf die Unterstützung der Religionsgemeinschaften, der EU und der NATO angewiesen sein, wenn es aus diesen Herausforderungen siegreich hervorgehen will.“

Endnoten / Quellen

[1] Macedonia (Republic of)’s Constitution of 1991 with Amendments through 2011, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Macedonia_2011.pdf?lang=en, (abgerufen am 7. Mai 2018).

[2] Der jüngste Versuch, eine Volkszählung durchzuführen (Oktober 2011), wurde aufgrund von ethnischen Streitigkeiten abgebrochen.

[3] Gesetz der Republik Mazedonien über die Rechtsstellung von Kirchen, Religionsgemeinschaften und religiösen Gruppen, Republik Mazedonien, http://www.kovz.gov.mk/?ItemID=4217DECDCD98B0499FA343E2908C0385, (abgerufen am 25. April 2018).

[4] Julia Gerlach und Jochen Töpfer (Hrsgg.), The Role of Religion in Eastern Europe Today, Berlin: SpringerVS, 2014

[5] Tome Vangelovski, Macedonia, Ethno-Religious Conflict (1991 – 2016), Centre for Arab and Islamic Studies, Australian National University, Januar 2017, https://openresearch-repository.anu.edu.au/bitstream/1885/133295/1/VANGELOVSKI%20Thesis%202017.pdf, (abgerufen am 25. April 2018).

[6] Interview mit Msgr. Kiro Stojanov in Katolicki tjednik

[7] Katerina Blaževska, ‘MPC traži majku crkvu (Mazedonisch-orthodoxe Kirche sucht nach einer Mutterkirche)’, Deutsche Welle, 21. November 2017 http://www.dw.com/sr/mpc-tra%C5%BEi-majku-crkvu/a-41465796

[8] ‘Orthodox Christianity Serbian Church Reportedly Bewildered By Decision Of Bulgarian Church Regarding Macedonian Church‘, Orthodox Christianity, 13. Dezember 2017, http://orthochristian.com/109158.html

[9] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ‘Macedonia’, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 25. April 2018).

[10] ‘Imam Who Recruited Islamists Sentenced to Seven Years in Prison, MMIA’, Macedonian Information Agency, 25. März 2016, https://www.mia.mk/en/Inside/RenderSingleNews/61/133097044, (abgerufen am 25. April 2018).

[11] Konstantin Testorides, ‘Radical Islam on Rise in Balkans’, Associated Press, 19. September 2010

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