Religion

97.000Bevölkerung

457 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightSeychellen

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Seychellen sind ein Archipel bestehend aus 115 Inseln. Sie liegen nordöstlich von Madagaskar im Indischen Ozean. Die Inselgruppe wurde 1756 durch den Leiter einer französischen Expedition nach dem französischen Finanzminister, dem Vicomte Moreau des Séchelles, benannt. 1770 wurden die noch unbewohnten Inseln von den Franzosen in Besitz genommen, bis die Herrschaft während der napoleonischen Kriege an die Briten fiel. Mit Ausnahme einiger Inseln, die britisches Territorium im
Indischen Ozean blieben, erlangte das Land 1976 seine Unabhängigkeit.

In der Verfassung ist das Recht auf „Gleichbehandlung vor dem Gesetz […] ohne jegliche Diskriminierung festgeschrieben, soweit dies in einer demokratischen Gesellschaft möglich ist“. [1] Jede Person hat das Recht auf Gedanken- und Religionsfreiheit. Das Recht auf Änderung der Religionszugehörigkeit ist darin eingeschlossen. Gleiches gilt für das Recht, „entweder alleine oder mit anderen durch Gottesdienste, Religionsunterricht und das Befolgen religiöser Regeln den Glauben öffentlich oder privat zu bekennen und zu verkünden“. Dieses Recht kann gesetzlich eingeschränkt werden, sofern dies in einer demokratischen Gesellschaft im Interesse der „Verteidigung, der öffentlichen Sicherheit, der öffentlichen Ordnung, der öffentlichen Sittlichkeit, der Volksgesundheit oder für den Schutz der Rechte und Freiheiten anderer Personen erforderlich ist“.

Die Bevölkerung gehört überwiegend dem Christentum an. Die Katholische Kirche ist mit einem Anteil von 75 % der Bevölkerung bei weitem die grösste Glaubensgemeinschaft. Daneben gibt es Anglikaner, Pfingstler, Siebenten-Tags-Adventisten und weitere christliche Konfessionen. Auch Hindus, Muslime, Bahai und andere nichtchristliche Glaubensgemeinschaften sind auf dem Archipel vertreten. Vor einhundert Jahren gab es auf den Seychellen insgesamt rund 50 Muslime. Schätzungen zufolge liegt ihre Zahl heute zwischen 1.000 und 2.000. In Victoria gibt es einen Hindutempel, und die Regierung hat das Taippoosam-Kavadi-Festival zu einem hinduistischen Feiertag erklärt.

Laut Verfassung darf kein Gesetz erlassen werden, das eine Staatsreligion festschreibt oder das den Bürgern eine Religion vorschreibt. Die Besetzung von öffentlichen Ämtern darf nicht von einem religiösen Bekenntnis abhängig gemacht werden. Niemand darf gezwungen werden, einen Eid abzulegen, der seiner Religion oder seinem Glauben widerspricht.

Alle Glaubensgemeinschaften sind gesetzlich verpflichtet, sich entweder als Körperschaft oder als Verein registrieren zu lassen. Die Registrierung von Vereinen erfolgt mit geringem bürokratischen Aufwand bei der Registrierungsstelle in Victoria. Der Katholischen Kirche, der Anglikanischen Kirche, den Siebenten-Tags-Adventisten, den Bahai und der Islamischen Gesellschaft der Seychellen
wurde jeweils der Status einer Körperschaft zuerkannt. Die Nichtregistrierung wird nicht unter Strafe gestellt. Aber die Registrierung ist mit bestimmten gesellschaftlichen Vorrechten verbunden. So dürfen zum Beispiel nur registrierte Glaubensgemeinschaften religiöse Programme über die staatlichen Medien verbreiten.

Laut Verfassung wird in den Bildungseinrichtungen niemand gezwungen, am Religionsunterricht oder an religiösen Feiern oder Ritualen teilzunehmen. Doch das schliesst nicht aus, dass „Glaubensgemeinschaften oder Konfessionen im Rahmen des Schulunterrichts Religionsunterricht für eigene Anhänger anbieten können“. Im Rahmen des Schulunterrichts wird sowohl katholischer als auch anglikanischer Religionsunterricht erteilt. Die katholische Diözese Victoria plant gemeinsam mit dem Bildungsministerium die Eröffnung der ersten modernen katholischen Privatschule im Jahr 2020. Die Schule wird Kindern aller Glaubensrichtungen offenstehen. [2]

Die Meinungsfreiheit ist in der Verfassung verankert. Doch ein grosser Teil der Medien wird durch den Staat kontrolliert. Wenn es um die Verbreitung religiöser Programme geht, wird die Meinungsfreiheit in einem gewissen Masse eingeschränkt. Nach dem Rundfunk- und Telekommunikationsgesetz von 2000 (in der konsolidierten Fassung) dürfen religiöse Organisationen zwar Printmedien veröffentlichen, nicht aber eigene Sendelizenzen erwerben. Stattdessen stellt der Staat den Glaubensgemeinschaften in Abhängigkeit von der Anzahl der Gläubigen anteilig Sendezeiten zur Verfügung. Religiöse Live-Programme sind mit Ausnahme der Radioübertragung von katholischen und anglikanischen Gottesdiensten nicht erlaubt. [3] Allen registrierten Glaubensgemeinschaften werden Zeitfenster von 15 Minuten für aufgezeichnete Beiträge zur Verfügung gestellt. [4] Einige kleinere Glaubensgemeinschaften beschweren sich darüber, dass sie keine eigene Sendezeit bekommen. [5]

Die nationalen Feiertage des Landes decken sich grösstenteils mit den katholischen Feiertagen. Dazu gehören das Fronleichnamsfest, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen und Unbefleckte Empfängnis neben Weihnachten, Ostern, Neujahrstag und dem Tag der Arbeit.

Wie unabhängige Beobachter bestätigten, wird die Religionsfreiheit von der Regierung der Seychellen im Allgemeinen respektiert. [6] Kirchen und andere Glaubensgemeinschaften agieren ohne staatliche Einmischung und haben die Freiheit, öffentlich Sorgen zu äussern und die Regierung zu kritisieren. Die Kirchen machen sich im Land seit jeher für die Demokratie und für Menschenrechte stark.

Vorkommnisse

Im Berichtszeitraum wurden keine Fälle von religiös motivierter Diskriminierung bekannt. Staatsbedienstete bekamen an den grossen religiösen Feiertagen bezahlten Urlaub.

Der Seychelles Interfaith Council (Interreligiöser Rat der Seychellen – SIFCO) veranstaltet jährlich eine Woche der interreligiösen Eintracht. Im SIFCO sind Christen, Hindus, Bahai, Muslime und andere Glaubensgemeinschaften vertreten. Ziel des Interreligiösen Rates ist es, Toleranz und den Dialog zu fördern. An einer Veranstaltung im Februar 2018 haben Vizepräsident Vincent Meriton, Mitglieder der Nationalversammlung, Mitglieder der Zivilgesellschaft sowie Vertreter und Mitglieder der Citizens Engagement Platform Seychelles (Plattform für Bürgerengagement in den Seychellen) teilgenommen [7]

Im Dezember 2016 ist ein Buch über die Geschichte des Islam in den Seychellen erschienen. Die Buchpräsentation fand in Anwesenheit des ersten Präsidenten der Seychellen, James Mancham, des Präsidenten des Appellationsgerichts, Francis MacGregor, und von Angehörigen des diplomatischen Korps statt. [8]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Die Lage der Religionsfreiheit in den Seychellen ist seit 2016 unverändert. Innerhalb der Gesellschaft wurden keine Vorfälle im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit verzeichnet. Keine der im Land vertretenden Glaubensrichtungen ist in der Glaubensausübung eingeschränkt. Ordnungsgemäss registrierte Glaubensgemeinschaften geniessen steuerliche Vorteile. Obwohl die Religionsfreiheit in der Verfassung des Landes verankert ist, gibt es in einigen Bereichen Einschränkungen, insbesondere wenn es um die Genehmigungspflicht für religiöse Rundfunksendungen geht.

«Keine der im Land vertretenden Glaubensrichtungen ist in der Glaubensausübung eingeschränkt. Ordnungsgemäss registrierte Glaubensgemeinschaften geniessen steuerliche Vorteile. Wenn es um die Genehmigungspflicht für religiöse
Rundfunksendungen geht, gibt es einige Einschränkungen.»

Endnoten / Quellen

[1] Verfassung der Seychellen von 1993 in der Fassung von 2011, constituteproject.org,
https://www.constituteproject.org/constitution/Seychelles_2011.pdf (abgerufen am 17. Februar 2018).

[2] Sharon Ernesta, „Seychelles to Get Private School in 2020 with Emphasis on Moral, Spiritual Values“, Seychelles News Agency, 22. Juli 2017
http://www.seychellesnewsagency.com/articles/7604/Seychelles+to+get+private+school+in++with+emphasis+on+moral%2 C+spiritual+values (abgerufen am 17. Februar 2018).

[3] Stelle für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit, „Seychellen“, Bericht zur Internationalen Religionsfreiheit 2016, US-Aussenministerium, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper (abgerufen am 17. Februar 2018).

[4] Stelle für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit, Op cit.

[5] Ibid.

[6] „Seychelles“, Freedom in the World 2016, Freedom House https://freedomhouse.org/report/freedom-world/2016/seychelles (abgerufen am 17. Februar 2018).

[7] „Sifco appeals for interfaith unity and good dialogue“, Seychelles Nation, 3. Februar 2018
http://www.nation.sc/article.html?id=257522 (abgerufen am 17. Februar 2018).

[8] „New book on Muslims in Seychelles launched“, Seychelles Nation, 2. Dezember 2016
http://www.nation.sc/article.html?id=257522 (abgerufen am 17. Februar 2018).

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