Religion

4.615.000Bevölkerung

111.369 Km2Fläche

Lesen Sie den Bericht
keyboard_arrow_down

homekeyboard_arrow_rightLiberia

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Trennung von Kirche und Staat sowie die Religionsfreiheit sind in der liberianischen Verfassung verankert.[1]

Eine staatliche Registrierung von Glaubensgemeinschaften ist nach liberianischem Recht nicht verpflichtend,[2] wird in den meisten Fällen aber aufgrund von Steuererleichterungen und einer Befreiung von Einfuhrzöllen beantragt.

Private Schulen, die oftmals von kirchlichen oder islamischen Organisationen betrieben werden, erhalten staatliche finanzielle Unterstützung.[3]

Im Gegensatz zu anderen Ländern der Region ist der Islam in Liberia, das einst zur Repatriierung ehemaliger Sklaven aus den USA gegründet wurde, nicht vorherrschend. So ist ein Grossteil der Bevölkerung christlichen Glaubens[4], wobei sich oftmals Riten und Bräuche verschiedener Glaubensrichtungen durchmischen. Insgesamt ist die liberianische Gesellschaft von religiöser Toleranz geprägt. Organisatorisch gibt es zwei grosse religiöse Dachverbände: den (protestantischen) Liberian Council of Churches (Rat der Kirchen Liberias) und den National Muslim Council of Liberia (Nationaler muslimischer Rat Liberias).[5]

Im Berichtszeitraum hatte Liberia (ebenso wie seine Nachbarländer Guinea und Sierra Leone) mit den Folgen einer schweren Ebola-Epidemie zu kämpfen. Diese hatte, bis sie im Mai 2015 offiziell für beendet erklärt wurde, mehr als 4.800 Menschenleben gefordert[6]. Die Auswirkungen auf das durch 14 Jahre Bürgerkrieg (von 1989 bis 2003) zerrüttete Land waren gravierend: Liberia rutsche erneut in die Rezession ab, das unzureichende Gesundheitssystem verschlechterte sich weiter, und nach wie vor grassieren Armut und Hungersnöte.[7]

Auch die religiöse Praxis und Kultur wurden durch die Ebola-Epidemie beeinträchtigt. Aufgrund der schnellen Ausbreitung des Virus und der extremen Ansteckungsgefahr konnten viele Menschen ihre Toten nicht nach christlichem oder muslimischem Brauch bestatten.[8]

Vorkommnisse

Im Berichtszeitraum gab es in Liberia keine Verfassungsänderungen oder schwerwiegende Vorfälle im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit.

Zündstoff für Debatten lieferte allerdings eine Initiative, die sich dafür einsetzte, dass Liberia in der Verfassung als „christliche Nation“ bezeichnet werde. Neben der ehemaligen Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf kritisierten die Katholische Kirche, Baptisten, Lutheraner und muslimische Gruppen das Vorhaben. Einige protestantische Pastoren sprachen sich jedoch für den Vorschlag aus.[9]

Streit entzündet sich zudem regelmässig an der Anerkennung des Sonntags als gesetzlicher Feiertag. Muslimische Gruppen kritisieren dies als ungerechte Sonderbehandlung für Christen.[10]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen die Wahl des ehemaligen National- und Weltfussballspielers George Weah zum Präsidenten des Landes haben wird. Weah stammt aus einer christlichen Familie, war zwischenzeitlich zum Islam konvertiert und ist mittlerweile Methodist.[11] Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Weah ist für sein Arbeitsethos bekannt: Er kämpfte sich nicht nur zum Fussballstar hoch, sondern hat auch einen Universitätsabschluss. Als Präsident rief er religiöse Gruppen dazu auf, ein friedliches Zusammenleben zu fördern.

„Zündstoff für Debatten lieferte eine Initiative, die sich dafür einsetzte, dass Liberia in der Verfassung als ‚christliche Nation‘ bezeichnet werde.“

Endnoten / Quellen

[1] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des US-Aussenministeriums, „Liberia“, Internationaler Bericht zur Religionsfreiheit von 2016 https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 2. April 2018).

[2] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor, ebd.

[3] ebd.

[4] Zu den Anteilen verschiedener Religionsgemeinschaften an der Gesamtbevölkerung vgl. Grim, Brian et al. (Hrsg.): Yearbook of International Religious Demography 2017, Brill: Leiden/Boston, 2017; Munzinger Länder: Liberia, Munzinger Archiv 2018, https://www.munzinger.de/search/start.jsp, (abgerufen am 12. April 2018).

[5] Munzinger Archiv 2018, ebd.

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] ebd.

[9] ebd.

[10] ebd.

[11] Michael Gregory, „Ein Stürmer als Präsident“, Die Tagespost, 24. Januar 2018, https://www.die-tagespost.de/politik/pl/Ein-Stuermer-als-Praesident;art315,185164, (abgerufen am 12. Februar 2018); Vincent Hugueux, „George Weah: ‚Au Liberia, personne ne peut me battre!‘“, L’Express, 10. Oktober 2017, https://www.lexpress.fr/actualite/monde/afrique/george-weah-au-liberia-personne-ne-peux-me-battre_1949547.html, (abgerufen am 14. April 2018).

Über uns

KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.