Religion

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Religions- und Glaubensfreiheit ist in Laos gesetzlich verankert. In der 2003 überarbeiteten Verfassung von 1991 sind die Rechte des Volkes ausführlich dargelegt – und die Religionsfreiheit steht an erster Stelle.[1] In der Praxis ist die Haltung zur Religionsfreiheit jedoch in vielerlei Hinsicht mit derjenigen im benachbarten Vietnam vergleichbar, was zweifellos auf die ideologische Nähe der beiden kommunistischen Regierungsparteien in Vientiane und Hanoi zurückzuführen ist. So müssen religiöse Organisationen in dem säkularen System für bestimmte Aktivitäten zunächst entsprechende Anträge bei staatlichen Behörden stellen.

Sämtliche religiösen Angelegenheiten des Landes sind durch die 2002 ratifizierte Verordnung 92 über „religiöse Praktiken“ geregelt, die am 16. August 2016 durch Verordnung 315 ersetzt wurde. Diese von Premierminister Thongloun Sisoulith unterzeichnete neue Verordnung befasst sich mit „der Verwaltung und dem Schutz religiöser Aktivitäten“ in der Demokratischen Volksrepublik Laos.[2] Über ihre praktische Anwendung gibt es wenig Informationen, wobei davon auszugehen ist, dass sich an der grundlegenden Religionspolitik des herrschenden Regimes nicht viel ändern wird. Obwohl die Religionsfreiheit in der Verfassung verankert ist, beinhalten die oben genannten Verordnungen Verfahren, die dem Staat die Kontrolle und Einmischung im religiösen Bereich ermöglichen. Die Regierung anerkennt vier Glaubensgemeinschaften: Buddhisten, Christen, Muslime und Bahai. Unter den christlichen Gemeinschaften sind lediglich die Katholische Kirche, die Evangelische Kirche von Laos und die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten regierungsseitig anerkannt.

Die Religionszugehörigkeit in Laos ist stark ethnisch geprägt. Die Lao bilden mit 55 % den grössten Teil der Bevölkerung. Sie dominieren das nationale politische Leben und sind kulturell, wie ihre politischen Führer, mehrheitlich dem Theravada-Buddhismus zuzurechnen. Als direkte Folge dieses starken buddhistischen Einflusses enthalten die Verfassung sowie die Verordnungen 92 und 315 trotz 40 Jahren offiziell kommunistischer Herrschaft eine Reihe von Ausnahmen für den Buddhismus. Konkret gelten für buddhistische Mönche und Pagoden nicht dieselben Einschränkungen wie für Angehörige anderer Religionen und andere Kultstätten. Die Nähe zwischen Buddhismus und Staat zeigt sich aber auch in den engen Beziehungen, die der oberste Mönchspatriarch zur politischen Führung des Landes unterhält. Ebenso ist es in den Provinzen nicht ungewöhnlich, dass Regierungsbeamte buddhistische Mönche einladen, neue Gebäude zu segnen.

Folglich betrifft die grosse Mehrheit der Einschränkungen der Religionsfreiheit vor allem religiöse Minderheiten, insbesondere protestantische Christen, die weniger als 1 Prozent der Bevölkerung ausmachen.[3] Aber auch die 48 ethnischen Minderheiten des Landes, die etwa 45 Prozent der Bevölkerung bilden, sind betroffen. Aufgrund der mangelnden Informationsfreiheit und der strengen staatlichen Kontrolle der Medien ist es jedoch schwierig, genaue Informationen über Verletzungen der Religionsfreiheit in Laos zu erhalten. Protestantische Christen werden vor allem in ländlichen Gebieten verfolgt. Lokale Animisten betrachten das Christentum als „fremdes Element“, das die Schutzgeister eines Dorfes stören könnte. Übertritte zum Christentum rufen deshalb immer wieder feindliche Reaktionen hervor. Zur Wahrung der „Harmonie“ und Vermeidung öffentlicher Unruhen ist bei den Regierungsbehörden ein harter Umgang mit Christen zu beobachten. Konvertiten werden regelmässig dazu gezwungen, ihre Loyalität gegenüber Vorfahren und animistischen Geistern zu erklären.[4] Die Haltung der Behörden ist allerdings von Provinz zu Provinz sehr unterschiedlich. Gerade in abgelegeneren Gebieten sind die Repressalien besonders stark.

Vorkommnisse

Am 8. September 2015 brachen mehrere Männer in das Haus des protestantischen Geistlichen Rev Singkeaw Wongkonpheng im Bezirk Chompet der Provinz Luang Prabang, Nordlaos, ein. Laut einem Bericht der Human Rights Watch for Lao Religious Freedom (HRWLRF) vermuten die Dorfbewohner, dass die Angreifer den Pastor und seine Frau wegen ihrer Missionierungsarbeit entführen wollten. Einer der Angreifer, der verwundet und ins Krankenhaus eingeliefert wurde, könnte ein Polizist gewesen sein. Der Pastor wurde bei dem Entführungsversuch erstochen.[5]

Ebenfalls im September 2015 kam laut HRWLRF-Berichten in der Provinz Savannakhet ein Christ aufgrund mangelhafter Behandlung seiner Diabetes-Erkrankung im Gefängnis ums Leben. Herr Tiang aus dem Dorf Huey im Distrikt Atsaphangthong, ein verheirateter Vater von sechs Kindern, war im Februar 2015 zusammen mit vier weiteren Christen wegen „illegaler Ausübung ärztlicher Tätigkeiten“ verhaftet und zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden; darüber hinaus erhielt er eine hohe Geldstrafe wegen Betens am Bett einer sterbenden Frau.[6]

Am 21. Mai 2017 wurde nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Portes Ouvertes ein Schüler einer Bibelschule und Angehöriger der ethnischen Gruppe der Hmon auf dem Weg zu einem christlichen Treffen in einem Nachbardorf verhaftet. Die Polizei warf ihm „Verbreitung des Evangeliums“ vor.[7] Nach Angaben derselben NRO kam es am 2. Dezember 2016, dem Nationalfeiertag in Laos, in einem Dorf der Provinz Luang Prabang zur Verhaftung von sieben christlichen Familien. Diese wurden von der Polizei zunächst gezwungen, ihre offiziellen Papiere (Eigentumsurkunden, Familienurkunden, Personalausweise) auszuhändigen, und dann aus ihrem Heimatdorf vertrieben.[8]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Eine abschliessende Bewertung der Auswirkungen von Verordnung 315 steht zwar noch aus, dennoch lässt sich schon jetzt sagen, dass sich die Religionspolitik der Regierung kurzfristig nicht wesentlich ändern wird –  zumindest solange nicht, wie von den Nachbarstaaten Vietnam und China keine Impulse hierzu ausgehen.

Dennoch gab es in der jüngeren Vergangenheit auch positive Beispiele: So organisierte die örtliche katholische Kirche in Vientiane am 11. Dezember 2016 die Seligsprechung von 17 Märtyrern.[9] Die 11 Priester – ein laotischer und zehn französische – sowie sechs Laien waren zwischen 1957 und 1975 vor allem von den jetzt an der Macht befindlichen Kommunisten getötet worden. Die Zeremonie konnte also als durchaus heikel betrachtet werden, so dass die Kirche auch den Begriff „Märtyrer“ vermied und die Getöteten stattdessen als „Vorfahren im Glauben“ bezeichnete.[10] Trotz dieser Vorsichtsmassnahme rechneten die Kirchenführer bis zum letzten Moment mit einem Verbot der Feier durch die Behörden. Stattdessen nahmen Regierungsbeamte an der Zeremonie teil, darunter ein hoher Beamter der Laotischen Front für den Nationalen Aufbau. In seiner Ansprache am Ende der Seligsprechungsmesse betonte der hohe Beamte, dass Religionen aller Art zum Aufbau der Nation beitragen. Bischof Louis-Marie Ling Mangkhanekhoun von Paksé, der am 21. Mai 2017 Kardinal wurde, bezeichnete die Tatsache als historisch, „dass die Kirche einige ihrer Märtyrer in der Hauptstadt eines noch immer kommunistisch geführten Landes selig sprechen konnte“.[11]

«Die Nähe zwischen Buddhismus und Staat zeigt sich auch in den engen Beziehungen, die der oberste Mönchspatriarch zur politischen Führung des Landes unterhält. Die grosse Mehrheit der Einschränkungen der Religionsfreiheit betrifft vor allem religiöse Minderheiten, insbesondere protestantische Christen, die weniger als 1 Prozent der Bevölkerung ausmachen.»

Endnoten / Quellen

[1]Verfassung der Demokratischen Republik Laos von 1991 mit Änderungen bis 2003, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Laos_2003.pdf?lang=de, (abgerufen am 21. Februar 2018).

[2] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des US-Aussenministeriums: Internationaler Bericht zur Religionsfreiheit 2016 – Laos https://www.state.gov/documents/organization/268986.pdf, (abgerufen am 12. Februar 2018).

[3]Die meisten Protestanten, einschliesslich der Mitglieder der Evangelischen Kirche von Laos, sind Angehörige ethnischer Minderheiten (insbesondere der Hmong, Mon-Khmer, Khmu und Yao). Unter den Katholiken sind sowohl ethnischen Laoten als auch Angehörige dieser Minderheiten.

[4] In den letzten Jahren kam es mehrfach vor, dass Dorfvorsteher die Bewohner zu offiziellen Kundgebungen aufriefen, bei denen Christen, insbesondere Neubekehrte, an den traditionellen gemeinschaftlichen „Heiliges Wasser“-Ritualen teilnehmen mussten. Diese alte schamanische Praktik besteht darin, eine vom Dorfschamanen zubereitete Flüssigkeit zu trinken und einen Treueeid auf die Geister (phi) zu schwören, was für Christen eine Form des Glaubensabfalls ist.

[5]„Meurtre d’un pasteur protestant dans la province de Luang Prabang“, Églises d’Asie, 24. September 2015, http://eglasie.mepasie.org/asie-du-sud-est/laos/2015-09-24-meurtre-d2019un-pasteur-protestant-dans-la-province-de-luang-prabang, (abgerufen am 12 Februar 2018).

[6]ebd.

[7] „Le Laos fait partie des 5 derniers États communistes au monde. Le bouddhisme y est considéré comme un élément de l’identité culturelle et spirituelle du pays“, Portes Ouvertes, https://www.portesouvertes.fr/persecution-des-chretiens/profils-pays/laos/, (abgerufen am 12. Februar 2018).

[8] ebd.

[9] „Béatification des 17 martyrs du Laos : « Un acte bénéfique tant pour l’Église que l’État laotien »“, Églises d’Asie, 3. Februar 2017, http://eglasie.mepasie.org/asie-du-sud-est/laos/2017-02-03-beatification-des-17-martyrs-du-laos-ab-un-acte-benefique-tant-pour-l2019Église-que-l2019État-laotien-bb, (abgerufen am 12. Februar 2018).

[10]„Cardinal Louis-Marie Ling : « J’aimerais trouver des moyens de coopérer et d’entretenir de meilleures relations avec le gouvernement »“, Églises d’Asie, 27. Juni 2017, http://eglasie.mepasie.org/asie-du-sud-est/laos/2017-06-21-cardinal-louis-marie-ling-ab-j2019aimerais-trouver-des-moyens-de-cooperer-bb, (abgerufen am 12. Februar 2018).

[11]„Béatification des 17 martyrs du Laos : …“, ebd. (abgerufen am 12. Februar 2018).

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