Religion

18.634.000Bevölkerung

272.967 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightBurkina Faso

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Laut der Verfassung des Landes ist die Republik Burkina Faso ein säkularer Staat, der keiner Glaubensrichtung Privilegien einräumt und seinen Bürgern die Religionsfreiheit zusichert.[1] Wie viele andere Nationen in der Region ist Burkina Faso durch eine grosse religiöse Vielfalt geprägt, wobei die Muslime die deutliche Mehrheit bilden.[2]

Noch ist nicht absehbar, ob die gewalttätigen islamistischen Gruppen, die vor allem in Mali, aber auch in anderen westafrikanischen Staaten ihr Unwesen treiben, in Burkina Faso dauerhaft Fuss fassen werden. Traditionell pflegen die diversen Glaubensgemeinschaften im Land untereinander gute Beziehungen.

Sie können sich behördlich registrieren lassen, sind aber nicht dazu verpflichtet. Für die Registrierung gelten dieselben rechtlichen Anforderungen wie für andere (weltliche) Organisationen.[3]

In staatlichen Schulen ist der Religionsunterricht nicht erlaubt. Es gibt aber muslimische, katholische und protestantische Schulen der Primar- und Sekundarstufe im Land. Bildungseinrichtungen haben in Personalfragen freie Hand, wobei die Ernennung von Schulleitern bei den Behörden gemeldet werden muss.[4] Der Staat überprüft die Lehrpläne der von Glaubensgemeinschaften betriebenen Schulen im Hinblick auf ihre religiöse Ausrichtung und die Einhaltung der fachlichen Vorgaben. Aber da viele Koranschulen in Burkina Faso nicht registriert sind, ist die staatliche Kontrolle nicht besonders effektiv.[5]

Muslimische, katholische, protestantische und animistische Gemeinschaften erhalten staatliche Subventionen in Höhe von umgerechnet gut 120.000 CHF pro Jahr. Darüber hinaus werden diverse Programme und Projekte im Bildungsbereich unterstützt, die nach Auffassung des Staates dem Gemeinwohl oder dem nationalen Interesse dienen.

Eine Kommission erarbeitet zurzeit den Entwurf für eine neue Verfassung.

Vorkommnisse

Bislang gab es in Burkina Faso vergleichsweise wenige dschihadistische Angriffe, die allerdings besonders verheerend waren. Im Berichtszeitraum befand sich das westafrikanische Land nach wie vor im Fadenkreuz des islamistischen Terrorismus.

Am 2. März 2018 kam es in der Hauptstadt Ouagadougou zu einer Serie koordinierter Anschläge,[6] darunter mehrere Autobomben- und Selbstmordanschläge gegen die französische Botschaft und das burkinische Militärhauptquartier. Mindestens 16 Menschen wurden getötet und 100 verletzt. Zu den Anschlägen bekannte sich die Gruppe zur Unterstützung von Islam und Muslimen, die von Maliern angeführt wird und Verbindungen zu Al-Qaida hat.

Bereits am 16. Januar 2016 hatte ein Terroranschlag auf ein Restaurant und Hotel in Ouagadougou 30 Todesopfer gefordert. Am 13. August 2017 wurde auf ein weiteres Restaurant der Stadt ein Anschlag verübt. Mit Maschinengewehren schossen die Täter wahllos Passanten nieder. 20 Menschen kamen ums Leben.[7] Der Angriff galt dem Café Istanbul, das besonders bei Ausländern sehr beliebt ist. Die burkinische Regierung geht davon aus, dass es sich um einen dschihadistischen Terroranschlag gehandelt hat.[8]

Burkina Faso gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Im Norden grenzt es an Mali, das sich seit langem im Kampf gegen islamistische Extremisten befindet. Nach Meinung von Experten ist der Terrorismus inzwischen auch in Burkina Faso auf dem Vormarsch. Zum Beispiel hat sich der radikalisierte Prediger Ibrahim Malam Dicko zu Anschlägen auf Soldaten und Zivilisten bekannt. Seine Organisation Ansarul Islam wird von der burkinischen Regierung als terroristisch eingestuft.[9]

Zu dem Anschlag im Januar 2016, bei dem Terroristen und zahlreiche Geiseln über mehrere Stunden im Hotel Splendid eingeschlossen waren, hat sich die terroristische Organisation Al-Qaida im islamischen Maghreb (AQIM) bekannt.[10] Alle Anzeichen weisen darauf hin, dass die Terroristen mit dem Anschlag Stärke in einem Land demonstrieren wollten, das bis dahin in aller Welt für das friedvolle Miteinander der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen bekannt war und respektiert wurde.

Neben Mali hat Burkina Faso noch fünf weitere westafrikanische Nachbarländer: Niger, Ghana, Elfenbeinküste, Benin und Togo. Die Gefahr ist gross, dass Krisen und politische Instabilität auf die gesamte Region übergreifen. Hinzu kommt, dass gewalttätige dschihadistische Gruppen in Westafrika zunehmend über nationale Grenzen hinweg operieren. Dies gilt unter anderem für Boko Haram, eine Terrormiliz, die vor allem in Nigeria aktiv ist, aber auch für Anschläge in Niger und Kamerun verantwortlich ist. Aus dem Norden droht dem Land Gefahr durch die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS).[11] Im Westen steckt der Nachbarstaat Mali seit Jahren in einer Krise, da islamistische Terrorgruppen das Land verwüsten.[12] Folglich wird das kleine Land Burkina Faso praktisch von allen Seiten vom dschihadistischen Terror bedroht.

In Anbetracht der grenzüberschreitenden terroristischen Bedrohung im Sahel kooperieren Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger und Tschad im Rahmen der Operation Barkhane jeweils innerhalb der eigenen Staatsgrenzen mit dem französischen Militär im Kampf gegen den Dschihadismus. Im Februar 2017 haben dieselben fünf westafrikanischen Staaten die Gründung einer gemeinsamen Antiterroreinheit beschlossen.[13]

Die Katholische Kirche setzt sich seit langem in Burkina Faso und in den Nachbarländern aktiv für Frieden und Versöhnung ein.[14] Der Erzbischof von Ouagadougou, Philippe Kardinal Ouédraogo, hat die Menschen aufgerufen, der Sicherheitskrise in Burkina Faso mit Mut zu begegnen. Er erklärte: „In dieser Situation sind alle Bürgerinnen und Bürger für die Zukunft des Landes verantwortlich.“

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Nach der Wahl des neuen Präsidenten Roch Marc Christian Kaboré, eines Katholiken mit umfassender internationaler Erfahrung, schöpfen viele Menschen neue Hoffnung. Die Wahl ist friedlich und fair abgelaufen. Präsident Kaboré übernahm das Amt am 29. Dezember 2015.[15] Die Terroranschläge aus den Jahren 2016, 2017 und 2018 haben den im Land herrschenden Optimismus bezüglich eines friedvollen Miteinanders der Religionen nicht grundlegend erschüttert. Doch wird man im Kampf gegen den Dschihadismus einen langen Atem brauchen.

„Die Terroranschläge aus den Jahren 2016, 2017 und 2018 haben den im Land herrschenden Optimismus bezüglich eines friedvollen Miteinanders der Religionen nicht grundlegend erschüttert. Doch wird man im Kampf gegen den Dschihadismus einen langen Atem brauchen.“ 

Endnoten / Quellen

[1] Stelle für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit, „Burkina Faso“, Bericht zur Internationalen Religionsfreiheit 2016, US-Aussenministerium, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper (abgerufen am 27. März 2018).

[2] Munzinger Archiv 2018, https://www.munzinger.de/search/start.jsp, (abgerufen am 27. März 2018). Bezüglich der Aufteilung der einzelnen Glaubensgemeinschaften auf die Gesamtbevölkerung vgl. Grim, Brian et. al. (eds.): Yearbook of International Religious Demography 2017, Brill: Leiden/Boston, 2017.

[3] Stelle für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit, op. cit.

[4] Ibid.

[5] Ibid.

[6] „Sahel militants claim deadly twin attacks in Burkina Faso“, Channel News Asia, 4. März 2018, https://www.channelnewsasia.com/news/world/sahel-militants-claim-deadly-twin-attacks-in-burkina-faso-10010888 (abgerufen am 3. April 2018); „Burkina Faso’s capital hit by co-ordinated ‘terror’ attacks“, Irish Times, 2. März 2018, https://www.irishtimes.com/news/world/africa/burkina-faso-s-capital-hit-by-co-ordinated-terror-attacks-1.3413044 (abgerufen am 3. April 2018).

[7] „Viele Tote bei Angriff auf Restaurant in Ouagadougou“, Zeit Online, 14. August 2017, http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2017-08/burkina-faso-ouagadougou-anschlag (abgerufen am 11. Februar 2018).

[8] „Bewaffnete stürmen Restaurant – mindestens 17 Tote“, Spiegel Online, 14. August 2017, http://www.spiegel.de/politik/ausland/burkina-faso-tote-bei-angriff-auf-restaurant-cafe-istanbul-in-ouagadougou-a-1162716.html (abgerufen am 11. Februar 2018).

[9] „Viele Tote bei Angriff auf Restaurant in Ouagadougou“, op. cit.

[10] Ibid.

[11] Kersten Knipp, ‘Islamic State’ seeks new foothold in Africa, Deutsche Welle, 2. Januar 2018, http://www.dw.com/en/islamic-state-seeks-new-foothold-in-africa/a-41977922 (abgerufen am 11. Februar 2018).

[12] Munzinger Archiv, op. cit.

[13] Ibid.

[14] „Mali is the epicenter of jihadist groups that rage in Sahel“, Agenzia Fides, 14. Dezember 2017, http://www.fides.org/en/news/63399-AFRICA_MALI_Mali_is_the_epicenter_of_jihadist_groups_that_rage_in_Sahel (abgerufen am 11. Februar 2018).

[15] Munzinger Archiv, op. cit.

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