Religion

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

In der Verfassung vom 4. Oktober 1958 ist verankert, dass Frankreich ein laizistischer Staat ist. So besagt Artikel 1: „Frankreich ist eine unteilbare, laizistische, demokratische und soziale Republik. Sie gewährleistet die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz ohne Unterschied der Herkunft, Rasse oder Religion. Sie achtet jeden Glauben.” [2]

Der Grundstein für das französische Prinzip der laïcité wurde bereits im Jahr 1905 durch das Gesetz über die Trennung von Kirche und Staat gelegt. Dort heisst es in Artikel 1: „Die Republik gewährleistet die Gewissensfreiheit. Sie garantiert die freie Religionsausübung, die einzig im Interesse der öffentlichen Ordnung eingeschränkt werden kann.” Artikel 2: „Keine Religion wird von der Republik anerkannt, entlohnt oder subventioniert.“ [3]

Bereits vor dem Inkrafttreten des Gesetzes wurden alle kirchlichen Gebäude zu Staatseigentum erklärt, den vorigen Eigentümern allerdings weiterhin zur Nutzung für ihre religiöse Aktivitäten überlassen. Seit 1905 ist der Staat für die Instandhaltung dieser Gebäude verantwortlich und trägt die damit verbundenen Kosten. Trotz der Trennung von Kirche und Staat können Religionsgemeinschaften
Kreditbürgschaften vom Staat oder Pachtgrundstücke zu vergünstigten Konditionen erhalten; darüber hinaus können Gotteshäuser von der Grundsteuer befreit werden. [4]

Öffentliche Schulen sind in Frankreich ausschliesslich säkular. Per Gesetz können religiöse Schulen in privater Trägerschaft allerdings staatlich subventioniert werden – vorausgesetzt, sie halten sich an den offiziellen Lehrplan und nehmen grundsätzlich alle Schüler unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit auf. Diese sogenannten „Vertragsschulen“ werden überwiegend von der Katholischen Kirche betrieben. [5]

Gesetz über auffällige religiöse Symbole

Im März 2004 verabschiedete das französische Parlament ein Gesetz, mit dem es Schülern in öffentlichen Schulen verboten ist, Kleidung oder Abzeichen zu tragen, durch die sie „ihre Religionszugehörigkeit ostentativ zum Ausdruck bringen.“ [6]

Am 30. Januar 2018 einigte sich das französische Parlament auf eine neue Kleiderordnung. Demnach ist es den Abgeordneten künftig untersagt, während der Sitzungen auffällige religiöse Symbole, eine Uniform oder Kleidung zu tragen, die mit einem Logo, einer Werbebotschaft oder politischen Slogans versehen ist. [7]

Gesetz zum Verbot der Vollverschleierung

Am 11. Oktober 2010 unterzeichnete der damalige Staatspräsident Nicolas Sarkozy das Gesetz zum Verbot der Verschleierung des Gesichts im öffentlichen Raum. Durch dieses Gesetz wurde das Tragen des Niqab (der nur die Augenpartie frei lässt) oder der Burka (Verschleierung des gesamten Gesichts) in der Öffentlichkeit zu einer strafbaren Handlung, die mit einer Geldbusse von bis zu 150  Euro (174 CHF) geahndet werden kann. [8]

Burkini-Verbote

Im Verlauf des Sommers 2016 verboten rund dreissig Bürgermeister (die meisten von ihnen Konservative) das Tragen der unter dem Namen „Burkini“ bekannten Badebekleidung für Musliminnen, da sie darin eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung sahen. Allerdings hat das oberste französische Verwaltungsgericht, der Conseil d'Etat, die meisten dieser Verbote ausgesetzt oder gekippt, da seiner Auffassung nach die öffentliche Ordnung nicht gefährdet war. [9]

Antiterrorgesetz

Nach der Aufhebung des Ausnahmezustands am 1. November 2017 verabschiedete der französische Gesetzgeber ein neues Antiterrorgesetz.

Gemäss dem neuen Gesetz dürfen die Vorsteher der Präfekturen zwar weiterhin präventive Hausdurchsuchungen anordnen; allerdings muss zuvor die Staatsanwaltschaft hinzugezogen und der Beschluss von einem Richter genehmigt werden. [10] Auch können die Präfekten die Schliessung von
Gotteshäusern verfügen, wenn Letztere den Terrorismus unterstützen oder dort in
mündlicher oder schriftlicher Form Ideen und Theorien propagiert werden, mit denen Gottesdienstbesucher zu Gewalt, Hass, Diskriminierung oder Terrorismus aufgestachelt werden.

Die Massnahme des Hausarrests wird mit dem neuen Gesetz von „individuellen
Überwachungsmassnahmen“ abgelöst. Damit wird die Bewegungsfreiheit von mutmasslichen Gefährdern vom eigentlichen Wohnort auf die Gemeinde erweitert und kann auf die übergeordnete Ebene des Départements ausgedehnt werden, wenn der Betroffene akzeptiert, ein elektronisches Arm-oder Fussband zu tragen.

Personenkontrollen zur Identitätsfeststellung können an der Landesgrenze, in Bahnhöfen und in deren unmittelbarer Nähe sowie im Umkreis von 10 km um internationale Häfen und Flughäfen ohne vorherige Genehmigung einer Justizbehörde durchgeführt werden. [11]

Vorkommnisse

Dem Jahresbericht des französischen Innenministeriums zufolge ist die Zahl der rassistischen, islamfeindlichen und antisemitischen Vorkommnisse im Jahr 2016 erstmals gesunken; allerdings war im selben Zeitraum ein drastischer Anstieg christenfeindlicher Zwischenfälle zu verzeichnen. Letzteres ist höchstwahrscheinlich auf einen Mangel an staatlichen Schutzmassnahmen für christliche Stätten im besagten Zeitraum zurückzuführen, da sich die Zahl der christenfeindlichen Vorkommnisse im Folgejahr in einem Kontext der verstärkten Überwachung durch Polizei und Militär wieder reduzierte.

Nachdem die Zahl der rassistischen, antisemitischen und islamfeindlichen Vorkommnisse im Jahr 2015 ein Rekordhoch erreicht hatte (2.034 Fälle), war 2016 ein deutlicher Rückgang um 44,7% zu verzeichnen. [12]

Nach Angaben des Innenministeriums gab es 2017 wieder weniger Fälle der Schändung von christlichen und muslimischen Gräbern und Gotteshäusern; antisemitisch motivierter Vandalismus nahm allerdings im Vergleich zum Vorjahr um 22% zu. [13]

Insgesamt wurden im Jahr 2017 950 Vorkommnisse rassistischer, antisemitischer und islamfeindlicher Natur offiziell erfasst; dies entspricht einem Rückgang von 16% gegenüber 2016. [14]

Dabei ging besonders die Zahl der islamfeindlichen Vorkommnisse (121) stark zurück (-34,5%). Die Zahl der rassistischen Zwischenfälle (518) verringerte sich um 14,8% und die Zahl der antisemitischen Handlungen (311) um 7,3%. Allerdings nahm der Anteil der Gewalttaten gegen Juden zu (97 Fälle im Jahr 2017 im Vergleich zu 77 Fällen im Vorjahr). [15]

Von Vandalismus an Sakralbauten und Grabstätten waren sowohl christliche Stätten (2017: 878 Fälle) als auch islamische Stätten (2017: 72 Fälle) weniger häufig betroffen als im Vorjahr (949 bzw. 85 Fälle). [16]

Themen im Zusammenhang mit Terrorismus

Nach den drei koordinierten Terroranschlägen in Paris am Abend des 13. November 2015 – mit insgesamt 130 Todesopfern und mehreren Hundert Verletzten im Konzertsaal Bataclan, [17] im Fussballstadion Stade de France sowie in mehreren Restaurants und Bars – rief die Regierung um den damaligen Staatspräsidenten François Hollande den Ausnahmezustand aus, der mehrere Male verlängert wurde, [18] bevor er am 1. November 2017 vom neuen Staatspräsidenten Emmanuel Macron aufgehoben wurde. [19]

Der am 1. Februar 2017 veröffentlichten Statistik des Innenministeriums zufolge wurden im Jahr 2016 4.320 Gotteshäuser und weitere religiöse Einrichtungen von mobilen Einsatzkräften der Polizei und des Militärs überwacht bzw. geschützt: [20]

  • 2.400 von insgesamt 45.000 christlichen Stätten (5%);
  • 1.100 von insgesamt 2.500 muslimischen Stätten (44%);
  •  820 jüdische Synagogen, Schulen und Gemeindezentren (100%).

Anlässlich der Osterfestes 2018 wurden insgesamt 70.000 Kräfte der Polizei und der Gendarmerie mobilisiert, um den Schutz christlicher und jüdischer Gotteshäuser zu gewährleisten; dies gab das Innenministerium am 30. März 2018 in einer Pressemitteilung bekannt. [21]

Nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb konnten 2017 zwanzig
Terroranschläge vereitelt werden. [22] Während des Ausnahmezustands (November 2015 bis 1. November 2017) wurden 32 Anschläge vereitelt, 4.457 Hausdurchsuchungen bei Personen durchgeführt, die Verbindungen zu dschihadistischen Bewegungen unterhielten, und 625 Waffen sichergestellt. Im selben Zeitraum wurden 19 islamische Gotteshäuser geschlossen, da der Verdacht
bestand, dass dort Hassprediger aktiv waren. [23]

Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Islam

Ausweisungen von umstrittenen Predigern

Im Zeitraum von 2012 bis 2015 verfügte das Innenministerium die Ausweisung von 40 islamischen Geistlichen; weitere 52 Personen (darunter auch Geistliche) wurden im Zeitraum 2016-2017 des Landes verwiesen. [24]

Innenminister Collomb zufolge wurden 2017 zwanzig radikalisierte ausländische Staatsangehörige aus Frankreich ausgewiesen. [25]

Am 19. April 2018 wurde ein umstrittener 63-jähriger Salafistenprediger, Imam El Hadi Doudi, nach einem langwierigen Gerichtsverfahren nach Algerien ausgewiesen. [26] Die Ausweisungsanordnung war bis zu einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) ausgesetzt worden, der schliesslich am 19. April zugunsten der Ausweisung urteilte. [27]

Unter anderem hatte Doudi Juden als „unsauber; die Brüder von Affen und Schweinen“ bezeichnet und gepredigt, dass Frauen das Haus nicht ohne die Erlaubnis des Ehemanns verlassen dürften und Abtrünnige vom Islam die Todesstrafe erhalten sollten. [28]

Im März 2018 wurde Mohammed Tlaghi, stellvertretender Imam einer Moschee im östlich von Paris gelegenen Vorort Torcy, aufgrund von radikalen Predigten des Landes verwiesen. [29]

Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Judentum

Am 21. April 2018 unterzeichneten über 250 Persönlichkeiten (darunter Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, drei ehemalige Premierminister, gewählte Amtsträger, Intellektuelle, Künstler, Schriftsteller etc.) eine Erklärung gegen den „neuen Antisemitismus“, der von Gewalttaten gekennzeichnet ist, die im Namen des Islam begangen werden. [30]

Am 23. März 2018 wurde die 85-jährige Jüdin Mireille Knoll in ihrer Pariser Wohnung ermordet. Ihre Leiche war angezündet worden und wies 11 Stichwunden auf. Die französische Staatsanwaltschaft behandelte den Fall als antisemitischen Anschlag. Knoll war 1942 der berüchtigten Rafle du Vél d’Hiv (Razzia des Wintervelodroms) entkommen, einer Massenfestnahme von 13.000 Juden in Paris, die
anschliessend in die Vernichtungslager der Nazis deportiert wurden. Nach der Tat im März 2018 wurden zwei Männer im Alter von 22 und 29 Jahren festgenommen; gegen sie wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes eingeleitet. [31]

Ende Januar 2018 wurde ein achtjähriger jüdischer Junge, der eine Kippa trug, in der Pariser Vorstadt von zwei Teenagern verprügelt; auch in diesem Fall sprach die Staatsanwaltschaft von einem antisemitischen Anschlag. [32]

Am 10. Januar 2018 wurde eine fünfzehnjährige Jüdin auf dem Heimweg von ihrer Privatschule im Pariser Vorort Sarcelles auf der Strasse von einem unbekannten Angreifer mit einem Messer attackiert und im Gesicht verletzt. Da sie eine Schuluniform trug, war sie als Jüdin zu erkennen. [33]

Am 9. Januar 2018 wurden auf zwei koschere Geschäfte in Créteil (ebenfalls ein Pariser Vorort) Brandanschläge verübt, nachdem die Fassaden derselben Geschäfte erst zwei Wochen zuvor mit Hakenkreuzschmierereien verunstaltet worden waren. Die Anschläge ereigneten sich auf den Tag genau drei Jahre nach dem Anschlag auf den jüdischen Supermarkt Hyper Cacher, bei dem der französische islamistische Terrorist Amedy Coulibaly drei Kunden und einen Angestellten erschoss. Nach Angaben des Gemeindevorstehers Albert Elharrar leben unter den 90.000 Einwohnern von Créteil rund 23.000 Juden. Er fügte hinzu, dass in der jüdischen Gemeinschaft die Meinung vorherrsche, die neuen Anschläge auf die beiden Geschäfte seien bewusst zum Zeitpunkt des Gedenkens an die Anschläge aus dem Jahr 2015 verübt worden. Im Jahr des Anschlags auf den Hyper Cacher hatte die Zahl der Auswanderungen französischer Juden ein Rekordhoch erreicht: 7.900 emigrierten nach Israel; viele von ihnen gaben zunehmende Furcht vor Antisemitismus als Grund an. [34]

Am 2. Dezember 2016 wurde ein Jude, der eine Kippa trug, von einer Person auf offener Strasse zunächst beleidigt, dann verfolgt und schliesslich geschlagen und mit einem Messer angegriffen. Dabei trug das Opfer schwere Verletzungen davon und musste im Krankenhaus am Arm operiert werden. [35]

Vorkommnisse im Zusammenhang mit dem Christentum

Für das erste Quartal des Jahres 2018 meldete das Observatoire de la Christianophobie (Beobachtungsstelle für Christenfeindlichkeit) 69 gegen Christen gerichtete Vorkommnisse; dies entspricht einem Anstieg von 12% im Vergleich zum selben Zeitraum im Vorjahr. [36]

In den ersten zwei Wochen des Monats April 2018 gab es versuchte Brandanschläge auf die Kirche St-Gervais in Langon (Département Gironde) und die Kathedrale von Saint-Omer; in Tassin-la-Demi- Lune (Dép. Rhône) wurde ein Priester in seiner Kirche von Einbrechern niedergestochen; in der Diözese Belley-Ars (Dép. Ain) sowie in Saint-Jean-Saint-Maurice-sur-Loire (Dép. Loire) und Saint- André-de-Valborgnes (Dép. Gard) wurden mehrere Kirchen geschändet. [37]

Am 24. November 2017 verurteilte ein Gericht in Carcassonne eine Muslimin (von der nur der Vorname „Kenza“ bekannt ist) wegen Vandalismus und Schändung der Kirche Ste-Marie-Madeleine in Rennes-le-Château. Die Frau wurde zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe sowie Schadenersatz in Höhe von 17.718 Euro (20.500 CHF) verurteilt. Sie hatte sich am 23. April 2017 mit einer Axt in die Kirche begeben und zunächst das Weihwasserbecken zertrümmert. Danach schlug sie der bekannten Statue des Asmodäus (Dämon, der im Buch Tobit erwähnt wird) den Kopf und den Arm ab und legte an der Stelle einen Koran auf den Boden. Des Weiteren zerstörte sie das Bas-Relief des Altars und beschädigte eine Statue der Maria Magdalena. [38]

Im Oktober 2017 ordnete Frankreichs oberstes Verwaltungsgericht an, dass die Stadt Ploërmel (Dép. Morbihan) binnen sechs Monaten das Kreuz von einem Denkmal für Papst Johannes Paul II. entfernen lassen müsse. Dies sei notwendig, um den Bestimmungen des Gesetzes von 1905 Folge zu leisten, in dem die säkulare Natur des öffentlichen Raums festgelegt ist. Die Statue, auf deren Bogen sich ein Kreuz befindet, war im Oktober 2006 auf einem öffentlichen Platz der Kleinstadt errichtet worden. Eine Gruppe einheimischer Bürger hatte daraufhin ein Gerichtsverfahren in die Wege geleitet, um das Kreuz verschwinden zu lassen. Letztendlich wurde die Statue einige Meter weiter auf ein Privatgrundstück versetzt (welches von dem öffentlichen Platz allerdings vollständig einsehbar ist). [39]

Am 26. Juli 2016 schnitten zwei 19-Jährige in Saint-Étienne-du-Rouvray (Dép. Seine-Maritime) dem Priester Jacques Hamel (85) die Kehle durch, als er die Morgenmesse hielt, und verletzten ein weiteres Mitglied der Kirchengemeinde schwer. Die Attentäter, die sich als „Soldaten“ der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgaben, wurden von der Polizei erschossen. [40]

Weitere Themen

Im Zeitraum 2016-2017 wurde keine Gemeinschaft, die auf der Sektenliste der französischen Regierung steht, aufgrund einer Straftat verurteilt. Allerdings verurteilte das Verwaltungsgericht zweiter Instanz in Paris die Behörde MIVILUDES (Urteil Nr. 15PA02819 vom 7. Dezember 2017) wegen Rufschädigung der Association Nationale des Kinésithérapeutes Fasciathérapeutes (Nationaler Verband der Faszientherapie praktizierenden Physiotherapeuten) sowie der Einrichtung Point d’Appui, die bis 2012 Faszientherapie-Schulungen für Osteopathen und Angehörige ähnlicher Berufe anbot.

MIVILUDES ist eine Regierungsbehörde, die kultische Gruppierungen überwacht, welche möglicherweise die öffentliche Ordnung gefährden oder gegen französisches Recht verstossen könnten. Sie hatte die Faszientherapie nicht nur in ihren Leitfaden mit dem Titel „Santé et dérives sectaires“ (Sektenaktivitäten im Gesundheitswesen) aufgenommen, sondern die Methode ausserdem als gefährliche medizinische Praxis gebrandmarkt. [41] Das Gericht entschied, dass MIVILUDES den entsprechenden Eintrag aus ihren Berichten entfernen, der Klägerpartei 1.500  Euro (1.740 CHF) Schadenersatz zahlen und das Urteil auf der eigenen Webseite sowie in allen Medien veröffentlichen müsse, in denen sie vor Faszientherapie gewarnt hatte. [42]

Die Veröffentlichungen von MIVILUDES, in denen angeblich gefährliche Sekten untersucht werden, sind wiederholt von Menschenrechtsorganisationen kritisiert und der UNO, dem Europäischen Rat sowie der OSZE gemeldet worden, da sie nichttraditionelle Religionsgemeinschaften und deren Mitglieder stigmatisieren.

Mit Stand vom 1. April 2018 stehen Hunderte chinesische Mitglieder der Kirche des Allmächtigen Gottes, [43] die vor Verfolgung in ihrem Heimatland geflohen waren, vor einer baldigen Ausweisung: Frankreich hat 355 von 442 Asylanträgen abgelehnt und in 158 Fällen bereits eine Ausweisungsverfügung zugestellt. [44]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Das Prinzip der laïcité, also der strikten Trennung von Staat und Religion, das sowohl in der Verfassung als auch im Gesetz von 1905 verankert ist, bildet in Frankreich die Grundlage für die Beziehungen zwischen dem Staat und religiösen Institutionen. Allen Religionen, die bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Land präsent waren, ist es nach und nach gelungen, ihre religiösen Praktiken in diesen verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Rahmen zu integrieren.

Der Islam, der hauptsächlich durch Migration aus Frankreichs ehemaligen Kolonien – und in jüngerer Zeit über Flüchtlinge aus Kriegsregionen – ins Land gelangt ist, fügt sich allmählich ebenso in die laizistischen Strukturen ein. Allerdings haben auch neue, radikale Strömungen des Islam den Weg nach Frankreich gefunden – sei es über das Internet, die Propaganda des IS oder fundamentalistische Prediger. Deren Verfechter fordern die Laizität offen heraus und nutzen dazu den Gerichtsweg oder
auch den öffentlichen Raum, z. B. durch Strassengebete, Verschleierung in Schulen und praktizierte Geschlechtertrennung in Schwimmbädern. Es ist nicht zu erwarten, dass sich daran in der nahen Zukunft etwas ändern wird.

Darüber hinaus haben Hunderte junge Menschen in Frankreich sich radikalisiert und das Land verlassen, um an der Seite des IS in Syrien zu kämpfen. Andere haben in Frankreich und Belgien Terroranschläge verübt, die Hunderte Opfer forderten. Doch trotz der Bestrebungen von extremistischen Ideologen aus dem Ausland, die französische Gesellschaft zu spalten, ist es den Franzosen bisher gelungen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrem Glauben zusammenzuhalten und die mörderischen Anschläge derjenigen geschlossen zu verurteilen, die dem IS Gefolgschaft geschworen haben. Statistiken des französischen Innenministeriums belegen, dass die Zahl islamfeindlicher Vorkommnisse in den Jahren 2016 und 2017 zurückgegangen ist.

„Trotz Bestrebungen von extremistischen Ideologen aus dem Ausland, die französische Gesellschaft zu spalten, ist es den Franzosen bisher gelungen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrem Glauben zusammenzuhalten und die mörderischen Anschläge derjenigen geschlossen zu verurteilen, die der Terrormiliz Islamischer Staat Gefolgschaft geschworen haben.“

Endnoten / Quellen

[1] Brill’s Yearbook of International Religious Demography 2017.

[2] “France’s Constitution of 1958 with Amendments through 2008”, Constitute Project, 2008
https://www.constituteproject.org/constitution/France_2008.pdf?lang=en (abgerufen am 25. April 2018), S. 3.

[3] “Loi du 9 décembre 1905 concernant la séparation des églises et de l’État”, Centre national de la recherche scientifique, http://www2.cnrs.fr/sites/thema/fichier/loi1905textes.pdf (abgerufen am 25. April 2018), S. 1.

[4] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, “2016 Report on International Religious Freedom – France”, US Department of State, 2016, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/2016/eur/268814.htm (abgerufen am 25. April 2018).

[5] Eurydice, EACEA National Policies Platform, “France: Organisation of Private Education”, European Commission, https://eacea.ec.europa.eu/national-policies/eurydice/content/organisation-private-education-27_en (abgerufen am
25. April 2018).

[6] Gesetz Nr. 2004-228 vom 15. März 2004, in Anwendung des Laizitätsprinzips, zur Regelung des Tragens von Abzeichen oder Kleidungsstücken, mit denen eine Religionszugehörigkeit bekundet wird, in öffentlichen Schulen, Collèges und Lycées, Legifrance,
https://www.legifrance.gouv.fr/affichTexte.do?cidTexte=JORFTEXT000000417977&dateTexte=&categorieLien=id (abgerufen am 25. April 2018).

[7] T. Heneghan, “French parliament bans ‘conspicuous religious signs’”, The Tablet, 30. Januar 2018, http://www.thetablet.co.uk/news/8477/french-parliament-bans-conspicuous-religious-signs- (abgerufen am 17. April 2018).

[8] Gesetz Nr. 2010-1192 vom 11. Oktober 2010 zum Verbot der Verschleierung des Gesichts im öffentlichen Raum, Legifrance, https://www.legifrance.gouv.fr/affichTexte.do?cidTexte=JORFTEXT000022911670&categorieLien=id (abgerufen am 25. April 2018).

[9] Le Monde, “Les arrêtés anti-burkini invalidés les uns après les autres”, Le Monde, 31. August 2016, https://lemde.fr/2cfA7uP, (abgerufen am 17. April 2018).

[10] “Nouvelle loi anti-terroriste: Faut-il s’inquiéter ?”, Conseil Juridique en ligne, 2017, http://www.consultation-juridique-en-ligne.org/nouvelle-loi-anti-terroriste-faut-il-sinquieter/ (abgerufen am 17. April 2018).

[11] Assemblée Nationale, “Texte Adopté no. 25, ‘petite loi’”, Assemblée Nationale, 11. Oktober 2017, http://www2.assemblee- nationale.fr/documents/notice/15/ta/ta0025/(index)/ta (abgerufen am 25. April 2018).

[12] FranceInfo, “En 2016, les actes racistes, antisémites et antimusulmans ont baissé en France, mais pas les actes antichrétiens”, Franceinfo, 1. Februar 2017, https://www.francetvinfo.fr/societe/religion/en-2016-les-actes-racistes-
antisemites-et-antimusulmans-ont-baisse-en-france-mais-pas-les-actes-antichretiens_2044983.html (abgerufen am 17. April 2018); sowie T. Todd, “Number of racist incidents in France plummets”, France 24, 1. Februar 2017, http://www.france24.com/en/20170201-number-racist-incidents-france-plummets (abgerufen am 17. April 2018).

[13] C. Platiau, “Baisse des actes racistes, antisémites et antimusulmans en France en 2017”, RFI, 1. Februar 2018, http://www.rfi.fr/france/20180201-baisse-actes-racistes-antisemites-antimusulmans-france-2017 (abgerufen am 17. April 2018).

[14] Ibid.

[15] Ibid.

[16] Ibid.

[17] BBC, “Paris attacks: What happened on the night”, British Broadcasting Corporation, 9. Dezember 2015, http://www.bbc.com/news/world-europe-34818994 (abgerufen am 17. April 2018).

[18] R. Zaretsky, “France’s Perpetual State of Emergency”, Foreign Policy, 16. Juli 2016,
http://foreignpolicy.com/2016/07/16/frances-perpetual-state-of-emergency/ (abgerufen am 17. April 2018).

[19] DW, “Macron anti-terror law replaces French state of emergency”, Deutsche Welle, 1. November 2017, http://www.dw.com/en/macron-anti-terror-law-replaces-french-state-of-emergency/a-41191947 (abgerufen am 7. April 2018).

[20] Le Roux, Bruno, “Bilan statistique 2016 des actes racistes, antisémites, antimusulmans et antichrétiens”, Ministère de l’Intérieur, 3. Februar 2017, https://www.interieur.gouv.fr/Archives/Archives-ministre-de-l-interieur/Archives-Bruno-Le-
Roux-decembre-2016-mars-2017/Interventions-du-ministre/Bilan-statistique-2016-des-actes-racistes-antisemites-antimusulmans-et-antichretiens (abgerufen am 17. April 2018) ; für weitere Informationen, s. a.: “France 2017”, Human Rights Without Frontiers, 2017, http://hrwf.eu/wp-content/uploads/2017/12/France2017.pdf (abgerufen am 17. April 2018).

[21] Ministère de l’Intérieur, “Mobilisation des forces de sécurité et mesures de vigilance à l’occasion des fêtes de Pâques”, Ministère de l’Intérieur, 30. März 2018, https://www.interieur.gouv.fr/Actualites/Communiques/Mobilisation-des-forces-de-
securite-et-mesures-de-vigilance-a-l-occasion-des-fetes-de-Paques (abgerufen am 17. April 2018).

[22] Redaction Europe1.fr, “Vingt attentats déjoués en 2017, annonce Gérard Collomb”, Europe1, 8. Januar 2018, http://www.europe1.fr/politique/vingt-attentats-dejoues-en-2017-annonce-gerard-collomb-3540677 (abgerufen am 17. April 2018).

[23] A. Paulet, “32 attentats déjoués, 4457 perquisitions, 625 armes saisies : le bilan de l’état d’urgence”, Le Figaro, 31. Oktober 2017, http://www.lefigaro.fr/actualite-france/2017/10/31/01016-20171031ARTFIG00125-32-attentats-dejoues-
4457-perquisitions-625-armes-saisies-le-bilan-de-l-etat-d-urgence.php (abgerufen am 17. April 2018).

[24] A. Nossiter, “Too Radical for France, a Muslim Clergyman Faces Deportation”, The New York Times, 5. April 2018,
https://nyti.ms/2JPqqR0 (abgerufen am 17. April 2018).

[25] France 24, “France ‘expels’ controversial Salafist preacher to Algeria”, France24, 19. April 2018, http://www.france24.com/en/20180420-france-expels-controversial-salafist-preacher-algeria (abgerufen am 20. April 2018).

[26] France 24, “France expels controversial Salafist preacher to Algeria”, France24, 19. April 2018, http://www.france24.com/en/20180420-france-expels-controversial-salafist-preacher-algeria (abgerufen am 20. April 2018).

[27] Registrar of the Court, “Press Release: The Court does not oppose the expulsion to Algeria of the Salafist imam D.”, European Court of Human Rights. 20. April 2018, https://hudoc.echr.coe.int/app/conversion/pdf?library=ECHR&id=003-
6066841-7809453&filename=D.%20v.%20France%20-%20lifting%20of%20the%20interim%20measure.pdf  (abgerufen am 23. April 2018).

[28] Nossiter, Adam “Too Radical for France, a Muslim Clergyman Faces Deportation”, The New York Times, 5. April 2018, https://www.nytimes.com/2018/04/05/world/europe/france-extremism-doudi.html (abgerufen am 23. April 2018).

[29] Olagnol, Torcy “Seine-et-Marne: l’ancien imam de la mosque de Torcy expulsé vers le Maroc”, Le Parisien, 28. März 2018, http://www.leparisien.fr/torcy-77200/seine-et-marne-l-ancien-imam-de-la-mosquee-de-torcy-expulse-vers-le-maroc-28-03-2018-7633425.php (abgerufen am 23. April 2018).

[30] France24, “France ‘expels’ controversial Salafist preacher to Algeria”, France24,
20. April 2018, http://www.france24.com/en/20180420-france-expels-controversial-salafist-preacher-algeria (abgerufen am 23. April 2018); “French politicians, celebrities condemn ‘new anti-Semitism’”, France 24, 22. April 2018, http://www.france24.com/en/20180422-france-politicians-celebrities-condemn-new-anti-semitism (abgerufen am 23. April 2018).

[31] BBC, “Paris murder of woman, 85, investigated as ‘anti-Semitic’“, British Broadcasting Corporation, 27. März 2018, http://www.bbc.com/news/world-europe-43544721 (abgerufen am 23. April 2018).

[32] JTA, “Jewish boy, 8, beaten in Paris suburb in anti-Semitic attack”, Jewish Telegraph Agency, 31. Januar 2018, https://www.jta.org/2018/01/31/news-opinion/world/jewish-boy-8-beaten-in-paris-suburb-in-anti-semitic (abgerufen am 23. April 2018).

[33] JTA, “Girl’s face cut near Paris in suspected anti-Semitic assault”, Jewish Telegraph Agency,
12. Januar 2018, https://www.jta.org/2018/01/12/news-opinion/world/girls-face-cut-near-paris-in-suspected-anti-semitic-v assault (abgerufen am 23. April 2018).

[34] France24, “French kosher shop burns down on attack anniversary”, France 24, 1. Januar 2018, www.france24.com/en/20180109-french-kosher-shop-burns-down-attack-anniversary-shooting-anti-semitism (abgerufen am 17. April 2018).

[35] Jewish Community Security Service, “2016 Report on Antisemitism in France”, Jewish Community Security Service, 2016
https://www.antisemitisme.fr/dl/2016-EN.pdf (abgerufen am 17. April 2018).

[36] Hamiche, Daniel, “Christianophobie en France : 22 nouveaux case en mars”, L’Observatoire de la Christianophobie, 6. April 2018, https://www.christianophobie.fr/cartes-des-evenements/2018/christianophobie-france-21-nouveaux-cas-mars (abgerufen am 17. April 2018).

[37] Ibid.

[38] “Sursis et mise a l’epreuve pour la decapitation du diable”, Ladepeche.fr, 25. November 2018, https://www.ladepeche.fr/article/2017/11/25/2691793-sursis-mise-epreuve-decapitation-diable.html#xtor=EPR-1 (abgerufen am 17. April 2018).

[39] https://www.christianophobie.fr/ (abgerufen am 17. April 2018).

[40] Jacques Hamel, “le prêtre assassiné dans son église, un homme très chaleureux apprécié de la population », France 24, 26. Juli 2016,www.france24.com/fr/20160726-jacques-hamel-pretre-egorge-rouen-etait-homme-present-terrorisme-jihadistes (abgerufen am 15. April 2018).

[41] République Française, La Cour administrative d’appel de Paris, “N. 15PA02819”, Coordiap, 7. Dezember 2017, http://www.coordiap.com/171227%20Jugement%20Fasciatherapie%20Miviludes.pdf (abgerufen am 25. April 2018).

[42] Coordination des Associations & Particuliers pour la Liberté de Conscience, “Fasciatherapie : Ma Miviludes perd la face”, CAP pour la Liberté de Conscience, http://www.coordiap.com/press3060-Fasciatherapie-La-Miviludes-perd-la-face.htm
(abgerufen am 25. April 2018) ; Fasciafrance, “La Miviludes condamnée, la fasciathérapie réhabilitée!”, Fasciafrance.fr, 9. Dezember 2017, http://fasciafrance.fr/miviludes-condamnee-fasciatherapie-rehabilitee/ (abgerufen am 25. April 2018).

[43] CESNUR, “The Journal of Cesnur”, Band 2, Ausgabe 1, Januar – Februar 2018, CESNUR,
http://cesnur.net/wp-content/uploads/2018/02/tjoc_2_1_full_issue.pdf (abgerufen am 20. April 2018).

[44] Fautre, Willy, “The Church of Almighty God: Persecution in China – Refugee problems abroad”, Human Rights Without Frontiers, 2018, http://hrwf.eu/wp-content/uploads/2018/03/The-Church-of-Almighty-God-Persecution-in-China-Refugee-
Problems-Abroad-.pdf (abgerufen am 20. April 2018).

Über uns

KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.