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homekeyboard_arrow_rightÄgypten

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Arabische Republik Ägypten hat als Nation eine lange Tradition. Obwohl die
überwiegende Mehrheit der Einwohner Muslime sind, ist dort die grösste christliche
Gemeinschaft in der arabischen Welt angesiedelt – die Koptische Kirche. In den
Gouvernements Oberägyptens ist der Anteil der Christen am höchsten. Auch in Kairo leben viele Christen. Der jüdischen Minderheit gehören nur wenige Gläubige an. [1]  Schiitische Muslime [2] , Bahai und Angehörige anderer Glaubensrichtungen sind ebenfalls nur in geringer Zahl im Land vertreten. Seit mehreren Jahren leidet Ägypten unter der instabilen politischen und wirtschaftlichen Lage und den damit verbundenen Unruhen. 2011 trat der langjährige Präsident Husni Mubarak nach Massendemonstrationen zurück. Im Jahr darauf wurde
Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft mit knapper Mehrheit zum Präsidenten
gewählt. Im Juni/Juli 2013 wurde er im Zuge von Massenprotesten von Millionen Ägyptern durch das ägyptische Militär abgesetzt. Ihm wurden eine Islamisierung des Landes und eine mangelhafte Verwaltung vorgeworfen. Die Gegner der Entmachtung Mursis und der damit verbundenen Ereignisse bezeichneten den Vorgang als Staatsstreich. Nach Meinung der Unterstützer war dieser Schritt für den Erhalt der Demokratie notwendig. Bis heute ist das Land deswegen tief gespalten. Im Jahr 2014 wurde General Abdel Fatah al-Sisi zum Präsidenten des Landes gewählt und trat im April 2018 seine zweite Amtszeit an. Doch die wirtschaftlichen Probleme und die instabile Sicherheitslage dauern an. Besonders auf der Sinai-Halbinsel treiben islamistische Gruppierungen ihr Unwesen, die mit der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Verbindung stehen. Auch in Kairo werden Anschläge gegen Vertreter des Staates verübt. [3]

Im Januar 2014 haben 98 Prozent der Wähler in einem Referendum für die neue Verfassung gestimmt. [4] Auch die Katholische Kirche begrüsste den Verfassungstext. Der koptisch-katholische Bischof von Asyut, Kyrill William, äusserte sich gegenüber Kirche in Not dahingehend, dass die in der neuen Verfassung vorgesehene Beibehaltung der Scharia als Quelle der Gesetzgebung nicht notwendigerweise problematisch sei. Er sagte: „Das war in Ägypten lange Zeit der Fall, sogar vor Mursi. Uns Christen hat das nicht geschadet. Viel wichtiger ist, dass der neue Artikel 3 Christen und Juden in Familienstandsangelegenheiten
und innerkirchlichen Fragen Autonomie gewährleistet.“ [5]

In der Präambel der Verfassung von 2014 wird Ägypten wie folgt beschrieben: „Die Wiege der Religionen und das Banner der Herrlichkeit der Offenbarungsreligionen. Auf seinem Boden wuchs Moses auf, erschien das Licht Gottes und offenbarte sich Gott am Berg Sinai. Auf seinem Boden begrüssten die Ägypter die Jungfrau Maria und ihr Kind und opferten sich tausende Märtyrer zum Schutze der Kirche Jesu. Als das Siegel des Propheten Mohammed (Frieden und Segen seien mit ihm) zur Vervollkommnung der erhabenen Moral der gesamten Menschheit gesandt wurde, öffneten sich unser Herz und unser Geist dem Licht des Islam. Wir waren die besten Soldaten auf Erden, die für die Sache Gottes gekämpft haben, und wir verbreiteten die Botschaft der Wahrheit und die religiöse Lehre in aller Welt.“

In Artikel 2 heisst es: „Die Staatsreligion ist der Islam, und die Amtssprache ist Arabisch. Die Grundsätze der islamischen Scharia sind die Hauptquelle der Gesetzgebung.“ In der Präambel heisst es konkreter: „Als Referenz für deren Auslegung dienen die gesammelten Entscheidungen des Obersten Verfassungsgerichts.“ In Artikel 3 heisst es: „Die religiösen Grundsätze und Regeln der ägyptischen Christen und Juden sind die wesentliche Rechtsquelle für deren Personenstandsangelegenheiten, religiöse Angelegenheiten und für die Auswahl ihrer geistlichen Führer.“

Artikel 7 räumt der Al-Azhar-Universität eine Stellung als die bedeutendste
islamwissenschaftliche Lehrstätte der Sunniten ein. „Al-Azhar ist eine unabhängige
islamwissenschaftliche Lehrstätte mit ausschliesslicher Zuständigkeit für ihre eigenen Angelegenheiten. Sie ist die höchste Autorität für Religionswissenschaften und islamische Angelegenheiten. Sie ist verantwortlich für die Verkündigung des Islam sowie für die Verbreitung der Islamlehre und der arabischen Sprache in Ägypten und in der Welt.“

Artikel 53: „Alle Bürger sind vor dem Gesetz gleich, haben gleiche Rechte und öffentliche Pflichten, und niemand darf aufgrund seiner Religion, seines Glaubens, seines Geschlechts, seiner Herkunft, seiner ethnischen Zugehörigkeit, seiner Hautfarbe, seiner Sprache, einer Behinderung, seiner gesellschaftlichen Stellung, seiner politischen Einstellung oder geografischen Herkunft oder aus anderen Gründen diskriminiert werden.“ In Artikel 64 heisst es: „Die Glaubensfreiheit ist uneinschränkbar. Das Recht auf freie Religionsausübung und auf Errichtung von Gebetsstätten für die Anhänger von Offenbarungsreligionen ist gesetzlich geregelt.“ Artikel 74: „Verboten sind politische Aktivitäten und politische Parteien mit religiösen Bestrebungen und solche, die darauf abzielen, andere aufgrund des Geschlechts, der ethnischen oder geografischen Herkunft oder der Religionszugehörigkeit zu diskriminieren.“

In Artikel 244 heisst es: „Der Staat sichert Jugendlichen, Christen, Menschen mit
Behinderung und im Ausland lebenden Ägyptern die Vertretung im ersten Parlament zu, das nach Inkrafttreten dieser Verfassung gewählt wird. Die Modalitäten sind gesetzlich zu regeln.“ Gemäss Strafgesetzbuch Paragraf 98 (f) wird mit Gefängnisstrafen von sechs Monaten bis fünf Jahren bestraft, wer Religionen verunglimpft, extremistisches Gedankengut verbreitet, um Streit zu schüren, wer eine der „göttlichen Religionen“ herabwürdigt und die nationale Einheit gefährdet. [6]

Obwohl es nicht gesetzlich verboten ist, zu konvertieren, wird das Konvertieren vom Islam in der Praxis nicht staatlich anerkannt. Als Muslime geborene Bürger, die zu einer anderen Religion konvertieren, haben keine Möglichkeit, den Vermerk zur Religionszugehörigkeit im Personalausweis ändern zu lassen. [7] Das Bahaitum und seine religiösen Gesetze werden nicht gesetzlich anerkannt. Bahai-Institutionen und Aktivitäten der Glaubensgemeinschaft sind verboten. Familienstandsangelegenheiten der Bahai werden nicht zivilrechtlich anerkannt.
Dasselbe gilt für die Zeugen Jehovahs. [8]

Als der ehemalige Feldmarschall Abdel Fattah al-Sisi im Juni 2014 seinen Amtseid als neuer ägyptischer Präsident ablegte, würdigte er die Rolle der Koptischen Kirche in Ägypten in Vergangenheit und Gegenwart. Bezugnehmend auf die Rede al-Sisis erklärte der koptisch- katholische Bischof von Gizeh, Antonios Aziz Mina: „Der neue Präsident sagte, der Kirche komme in der Geschichte Ägyptens eine grosse Bedeutung zu und sie habe unbestreitbar zum Erhalt der nationalen Einheit beigetragen, indem sie denjenigen entgegengetreten sei, die unter den Ägyptern Konflikte geschürt haben. [Er] sagte auch, die Kirche könne aufgrund der Ausbeutung, die sie in den letzten Jahren erlitten habe, zusammen mit der sunnitischen Al-Azhar-Universität einen wertvollen Beitrag zur religiösen Redefreiheit leisten.“ [9]

Vorkommnisse

In Mai 2016 wurde der Entwurf eines Gesetzes über den Bau von Gebetsstätten und
Gotteshäusern vorgelegt. Die geistlichen Führer der Koptisch-Orthodoxen Kirche erhielten Gelegenheit, sich zu dem Gesetzestext zu äussern. Im Herbst 2014 hatten Vertreter der grossen Kirchen und christlichen Glaubensgemeinschaften in Ägypten der Regierung in einem Memorandum Empfehlungen und Vorschläge unterbreitet. Nach den Vorstellungen der Kirchen sollen insbesondere Baugenehmigungen für christliche Gotteshäuser nicht durch die Behörden auf Gouvernement- oder Staatsebene, sondern durch die Kommunalbehörden erteilt werden, so wie es auch bei privaten Bauvorhaben gehandhabt wird. Die bürokratischen Hemmnisse, die den Bau neuer Kirchen erschweren, reichen zum Teil in die osmanische Zeit zurück. Zusätzlich erliess das Innenministerium im Jahr 1934 die sogenannten „10 Regeln“, die es unter anderem untersagten, Kirchen in der Nähe von Schulen, Kanälen, Regierungsgebäuden, Eisenbahnlinien und Wohngebieten zu errichten. In von Christen bewohnten Städten und Dörfern, besonders in den ländlichen Gegenden Oberägyptens, wurde der Bau von Kirchen durch die strenge Anwendung dieser Regeln schon oft verhindert. [10]

Am 30. August 2016 wurde das Gesetz über den Bau und die Renovierung von Kirchen mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet. Damit werden Baugenehmigungen für neue Kirchen und Umbauten von Kirchengebäuden erstmals in der Geschichte Ägyptens durch den jeweils zuständigen Gouverneur erteilt. Seit der osmanischen Zeit [11] war dafür die Genehmigung des Präsidenten und der Sicherheitsbehörden notwendig gewesen. [12] Fragen, die den Bau oder Wiederaufbau von Kirchen betreffen, werden seit jeher im Land besonders kontrovers diskutiert. Obwohl sich die Lage mit diesem neuen Gesetz nun verbessert hat, sind
die Probleme noch längst nicht gelöst. Es gab vor diesem Hintergrund bereits mehrere Zwischenfälle, wobei Kopten von gewaltbereiten Muslimen angegriffen wurden.

Nach Informationen der Catholic News Agency gibt es in Ägypten rund 2.600 Kirchen – damit kommt auf 5.500 Christen im Land eine Kirche, wohingegen auf 620 Muslime eine Moschee kommt. [13]

Die Kopten haben das neue Gesetz genutzt, um die rechtliche Anerkennung ihrer
Gotteshäuser zu erwirken und sie an die gesetzlichen Vorschriften anzupassen. Die
ägyptische Regierung hat bereits in 215 Fällen in sieben Gouvernements entschieden, dass die betreffenden Kirchen den neuen gesetzlichen Anforderungen entsprechen. [14] Wie Fides berichtet, ist damit nur der erste Schritt getan. Tausende weitere christliche Gotteshäuser warten noch darauf, geprüft und rechtlich anerkannt zu werden. [15]

Im Gouvernement Nordsinai wurde am 30. Juni 2016 in der Stadt El-Arisch ein koptisch-orthodoxer Priester erschossen. Zu dem Anschlag bekannte sich der ägyptische Zweig des Islamischen Staates. [16]

Am 11. Dezember 2016 verübte ein Selbstmordattentäter einen Sprengstoffanschlag auf die koptisch-orthodoxe Kirche St. Peter und Paul, die gleich neben der koptisch-orthodoxen Markuskathedrale in Kairo gelegen ist. Mindestens 29 Menschen, darunter sechs Kinder, wurden getötet und Dutzende verletzt. Die Terrormiliz IS erklärte sich für den Terroranschlag verantwortlich und kündigte eine Fortsetzung der Angriffe gegen „alle Ungläubigen und Abtrünnigen überall in Ägypten“ an. [17]

Nach einer Häufung der Anschläge des Islamischen Staats auf koptische Christen in der Stadt El-Arisch im Norden des Sinai suchten viele Familien im Februar 2017 Schutz in Ismailia, der nächstgelegenen Stadt im Nildelta. [18] Nach amtlichen Angaben haben 258 koptische Familien El-Arisch verlassen und sind in 13 Gouvernements untergekommen. [19]

An Palmsonntag, den 9. April 2017, kamen bei Selbstmordanschlägen auf zwei koptisch-orthodoxe Kirchen – St. Georg in Tanta und St. Markus in Alexandria – 44 Menschen ums Leben und mehr als 120 wurden verletzt. Zu beiden Angriffen hat sich der IS bekannt. [20]

Am 26. Mai 2017 wurden Busreisende auf dem Weg zum koptisch-orthodoxen Samuel-
Kloster überfallen. Mindestens 28 wurden erschossen und zum Teil mit Kopfschüssen
hingerichtet, 23 weitere Reisende wurden verletzt. Präsident al-Sisi forderte erneut eine Bestrafung der Länder, die Extremisten finanzieren, ausbilden oder bewaffnen. [21]

Nach den Anschlägen im April wurde in Ägypten ein dreimonatiger Ausnahmezustand
verhängt. In den Medien wurde die Frage aufgeworfen, ob die Kopten nach diesen
verheerenden Anschlägen Präsident al-Sisi noch vertrauen können. Die offizielle Position der Kirche bleibt unverändert. Die Mehrheit der Kopten hält nach wie vor an Präsident al-Sisi fest. Ein Kommentator stellte fest: „Auch wenn einige Kopten [die offizielle Unterstützung der Kirche für Präsident al-Sisi] in Frage stellen, fällt es ihnen wie vielen anderen Unterstützern al-Sisis schwer, eine Alternative zum herrschenden Regime zu finden.“ [22]

Im Januar 2017 stattete Papst Franziskus der Stadt Kairo einen historischen Besuch ab. Der Sprecher der katholischen Bischöfe Ägyptens, Fr. Rafic Greiche, erklärt: „Der Besuch des Papstes war für die Ägypter – Christen wie Muslime – ein grosser Segen. Besonders nach den Anschlägen am Palmsonntag hat er dem ägyptischen Volk neuen Mut gegeben. [Der Papst] hat eine Botschaft der Liebe, des Friedens und der Hoffnung verbreitet.“ [23]

Im Juli 2017 wurde berichtet, dass ein Soldat namens Joseph Reda Helmy zu Tode geprügelt wurde, als seine Vorgesetzten herausfanden, dass er Christ war. Offiziell hiess es, der Soldat sei bei einem epileptischen Anfall gestorben. Bei der Untersuchung des Leichnams wurden jedoch Prellungen und Blutergüsse an Kopf, Schultern, Genitalien, Genick und insbesondere am Rücken festgestellt. Die drei tatverdächtigen Offiziere kamen angeblich in Untersuchungshaft, nachdem die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet hat. [24]

Im Januar 2018 verfasste der Auswärtige Ausschuss des ägyptischen Parlaments eine
Antwort auf ein Memorandum zu „Coptic issues“ („Fragen der Kopten“), das von der US-amerikanischen Organisation Coptic Solidarity verfasst worden war. [25] In dem Memorandum, das von Mitgliedern des US-amerikanischen Kongresses veröffentlicht worden war, heisst es, dass die Kopten unter al-Sisis Regime systematisch diskriminiert werden. Der Auswärtige Ausschuss des Parlaments stellte sich in seiner Antwort gegen diese Behauptungen.

Seit Anfang des Jahres 2018 wurden mehrere Fälle von interreligiöser Gewalt bekannt, unter anderem Angriffe, Entführungen, Zwangskonvertierungen und Zwangsehen. [26]

Im Mai 2018 wurden die Leichname der 20 koptischen Christen nach Ägypten überführt, die im Februar 2015 durch den Islamischen Staat in Libyen ermordet worden waren. [27]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Die Lage der Religionsfreiheit hat sich seit dem Höhepunkt aufwallender antichristlicher Gewalt im August 2013 wieder verbessert. Damals waren annähernd 80 Kirchen und weitere koptische Einrichtungen, darunter Klöster, Schulen und Krankenhäuser, angegriffen worden. Der Sprecher der Katholischen Kirche in Ägypten, Fr. Rafic Greiche, betont, dass sich die Lage der Christen im Land deutlich verbessert habe, seit Mohammed Mursi von der Muslimbruderschaft im Juli 2013 als Präsident abgesetzt wurde. Im Mai 2016 erklärte Fr. Greiche: „Die Lage heute ist nicht mit der zu Zeiten der Muslimbruderschaft vergleichbar. Heute ist das Verhältnis zwischen Kirchenvertretern und Behörden sehr gut, obwohl es
natürlich noch viele Probleme gibt. Doch ich habe den Eindruck, dass die Muslime unserer Situation immer aufgeschlossener gegenüberstehen.“ [28]

Die Zeichen, die Präsident al-Sisi setzt, lassen auf eine stärkere nationale Einheit der Muslime und Christen hoffen. So besuchte er in den letzten Jahren etwa den koptischen Weihnachtsgottesdienst. Auch sein Aufruf zu einer Reformierung des Islams hatte eine positive Wirkung auf die öffentliche Meinung. Die neue Verfassung aus dem Jahr 2014 ist ein Schritt in die richtige Richtung. Doch andere Gesetze und Vorschriften, die Nichtmuslime diskriminieren, wurden noch nicht geändert. Zudem ist und bleibt die tief verwurzelte soziale Intoleranz gegenüber Nichtmuslimen, insbesondere gegenüber Christen, und die damit verbundene Diskriminierung vor allem in Oberägypten ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem. Christen fallen häufig Straftaten wie Erpressungen und Entführungen zum Opfer, die durch ein Klima der Straffreiheit begünstigt werden. Darüber
hinaus sehen sich andere, die wie Atheisten und die Bahai nicht Anhänger der traditionellen monotheistischen Religionen sind, gesellschaftlichen und staatlichen Repressalien ausgesetzt.

Es gibt Anzeichen für einen Sinneswandel in Institutionen wie der sunnitischen Al-Azhar-Universität. Aber es bleibt noch viel zu tun. Der koptisch-katholische Bischof Youssef Aboul-Kheir sagte gegenüber Kirche in Not: „Die Al-Azhar-Universität gilt als eine moderate Kraft. Doch viele Aspekte der von ihr angebotenen Lehrinhalte und Programme sind alles andere als moderat. So gilt beispielsweise die Gewaltanwendung gegen abtrünnige Muslime immer noch als gerechtfertigt. Das entspricht nicht einer moderaten Einstellung. Die Al-Azhar-Universität muss ihre Linie korrigieren.“ [29]

Obwohl Präsident al-Sisi wegen seinen Bemühungen um eine Wiederherstellung der
Sicherheit und Ordnung im Land von den meisten Kopten unterstützt wird, kritisieren einige von ihnen, insbesondere die jungen politisch interessierten Kopten in den Städten, die engen Beziehungen zwischen der Koptisch-Orthodoxen Kirche und der Regierung. [30]

„Die tief verwurzelte soziale Intoleranz gegenüber Nichtmuslimen, insbesondere
gegenüber Christen, und die damit verbundene Diskriminierung vor allem in
Oberägypten bleibt ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem. Christen fallen häufig Straftaten wie Erpressungen und Entführungen zum Opfer, die durch ein Klima der Straffreiheit begünstigt werden.“

Endnoten / Quellen

[1] „Egypt’s Jewish community diminished to 6 women after death of Lucy Saul”, Egypt Independent, 30. Juli 2016, http://www.egyptindependent.com/news/egypt-s-jewish-community-diminished-6-women-after-death-lucy-saul (abgerufen
am 9. Juni 2018).

[2] Delphine Minoui, „Égypte: les chiites persécutés quel que soit le régime“, Le Figaro, 21. November 2013, http://www.lefigaro.fr/international/2013/11/21/01003-20131121ARTFIG00777-les-chiites-persecutes-quel-que-soit-le-regime.php (abgerufen am 18. Mai 2018).

[3] „Condolences of the Council of Christian Churches for the assassination of Attorney General“, Agenzia Fides, 30. Juni 2015, http://www.fides.org/en/news/38092-AFRICA_EGYPT_Condolences_of_the_Council_of_Christian_Churches_for_the_assassination_of_Attorney_General#.Vy 4Fnp3wCM8 (abgerufen am 1. Juni 2018).

[4] Egypt's Constitution of 2014, constituetproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Egypt_2014.pdf (abgerufen am 18. Mai 2018).

[5] Oliver Maksan, „Press Release – Egypt: ‚I can only recommend that Christians accept the constitution‘“, Kirche in Not, 15. Januar 2014, https://aidchurch.wordpress.com/category/egypt/ (abgerufen am 15. Mai 2018).

[6] Stelle für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit, „Egypt“, Bericht zur internationalen Religionsfreiheit 2015, US- Außenministerium, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/2015religiousfreedom/index.htm#wrapper (abgerufen am 1. Juni 2018).

[7] Ibid.

[8] Ibid.

[9] „President al-Sisi enhances the role of the Coptic Church in the past and present of the nation“, Agenzia Fides, 9. Juni 2014, http://www.fides.org/en/news/35864-
AFRICA_EGYPT_New_President_al_Sisi_enhances_the_role_of_the_Coptic_Church_in_the_past_and_present_of_the_nation#.V2g8m4-cGax (abgerufen am 18. Mai 2018).

[10] „The Egyptian parliament is preparing to discuss the new law on the construction of places of worship“, Agenzia Fides, 4. Mai 2016, http://www.fides.org/en/news/59958-
AFRICA_EGYPT_The_Egyptian_parliament_is_preparing_to_discuss_the_new_law_on_the_construction_of_places_of_worship#.Vy36ip3wCM8 (abgerufen am 18. Mai 2018).

[11] Im Jahr 1934 wurden zusätzlich 10 Regeln hinzugefügt, die unter anderem die Errichtung neuer Kirchenbauten in der Nähe von Schulen, Kanälen, Regierungsgebäuden, Eisenbahnlinien und Wohngebieten untersagen.

[12] Mohamed Hamama, „After 150-year wait, Parliament passes church construction law in 3 days“, Mada Masr, 31. August 2016, https://www.madamasr.com/en/2016/08/31/feature/politics/after-150-year-wait-parliament-passes-church-construction-law-in-3-days/ (abgerufen am 23. Mai 2018).

[13] „102 Churches to be Legalised in Egypt“, Egyptian Streets, 18. April 2018, https://egyptianstreets.com/2018/04/18/102-churches-to-be-legalised-in-egypt/ (abgerufen am 28. Mai 2018).

[14] „Already ‘legalized’ 215 churches by the government built before the new law on places of worship“, Agenzia Fides, 4. Mai 2018, http://www.fides.org/en/news/64129-
AFRICA_EGYPT_Already_legalized_215_churches_by_the_government_built_before_the_new_law_on_places_of_worshi p (abgerufen am 18. Mai 2018).

[15] Ibid.

[16] „ISIS claims responsibility for shooting dead Egypt priest“, Al-Arabiya, 30. Juni 2016,
https://english.alarabiya.net/en/News/middle-east/2016/06/30/Egyptian-Coptic-priest-shot-dead-in-north-Sinai-.html (abgerufen am 28. Mai 2018).

[17] „Islamic State group claims deadly Cairo church bombing“, The New Arab, 14. Dezember 2016, www.alaraby.co.uk/ english/news/2016/12/14/islamic-state-group-claims-deadlycairo-church-bombing (abgerufen am 9. Mai 2018).

[18] Taha Sakr, „Coptic families arrive to Ismailia from Al-Arish after militant’s threats“, Daily News Egypt, 24. Februar 2017, https://dailynewsegypt.com/2017/02/25/616284/ (abgerufen am 12. Juni 2018).

[19] „Govt count: 258 Coptic Christian families fled Arish for 13 governorates“, Al-Masry Al-Youm, 5. März 2017, http://www.egyptindependent.com/govt-count-258-coptic-christian-families-fled-arish-13-governorates/ (abgerufen am 12. Juni 2018).

[20] „Persecuted and Forgotten? Egypt“, Kirche in Not, https://acninternational.org/persecuted-and-forgotten/country-profile/egypt/ (abgerufen am 23. Mai 2018).

[21] Ibid.

[22] Karoline Kamel, “Copts post-June 30: Can Sisi bank on continued Coptic support?“, Mada Masr, 30. Juni 2017, https://www.madamasr.com/en/2017/06/30/feature/politics/copts-post-june-30-can-sisi-bank-on-continued-coptic-support/ (abgerufen am 12. Juni 2018).

[23] Dale Gavlak, „Catholic leaders: Papal trip was blessing for Christian, Muslim Egyptians“, Catholic News Service, 1. Mai 2017, http://www.catholicnews.com/services/englishnews/2017/catholic-leaders-papal-trip-was-blessing-for-christian-muslim-egyptians.cfm (abgerufen am 9. Juni 2018). Rund 3.000 junge Katholiken waren im Rahmen eines Projekts von Kirche in Not aus ganz Ägypten nach Kairo gereist, um Papst Franziskus willkommen zu heißen.

[24] Jardine Malado, „Coptic Christian soldier beaten to death by officers in Egypt“, The Christian Times, 31. Juli 2017, https://www.christiantimes.com/article/coptic-christian-soldier-beaten-to-death-by-officers-in-egypt/72594.htm (abgerufen am 18. Mai 2018).

[25] Gamal Essam El-Din, „Egyptian parliamentary committee responds to ‘Coptic issues’ memo released by US Congress“, Ahram Online, 22. Januar 2018, http://english.ahram.org.eg/NewsContent/1/64/288598/Egypt/Politics-/Egyptian-
parliamentary-committee-responds-to-Copti.aspx (abgerufen am 5. Mai 2018).

[26] „Egypt’s disappearing Coptic women and girls“, World Watch Monitor, 1. Mai
2018, https://www.worldwatchmonitor.org/2018/05/egypts-disappearing-coptic-women-and-girls/, (abgerufen am 26. Mai 2018); Hadeer El-Mahdawy, „Disputed status of Beni Suef church sparks sectarian violence“, Mada Masr, 18. April 2018, https://www.madamasr.com/en/2018/04/18/feature/politics/disputed-status-of-beni-suef-church-sparks-sectarian-violence/ (abgerufen am 26. Mai 2018); „EIPR demands reinvestigation into attacks on the Kafr al-Wasilin church in Atfih, re-opening of the church for worship, and the speedy legalization of all unlicensed churches“, Egyptian Initiative for Personal Rights, 1. Februar 2018, https://eipr.org/en/press/2018/02/eipr-demands-reinvestigation-attacks-kafr-al-wasilin-church-atfih-re-opening-church (abgerufen am 21. Mai 2018).

[27] Charles Collins, „Coptic Christians beheaded in Libya returned to Egypt for burial“, Crux, 16. Mai 2018, https://cruxnow.com/global-church/2018/05/16/coptic-christians-beheaded-in-libya-returned-to-egypt-for-burial/ (abgerufen am 9. Mai 2018).

[28] Oliver Maksan, „Egypt – The ice has been broken”, Kirche in Not, 7. Juni 2016, https://acn-canada.org/acn-feature-story-meeting-pope-grand-imam/ (abgerufen am 11. Mai 2018).

[29] Oliver Maksan, „ACN-Pressemitteilung – Egypt ‘The Church has been strengthened’“, Kirche in Not, 19. Februar 2015, https://aidchurch.wordpress.com/tag/egypt-2/ (abgerufen am 18. Mai 2018).

[30] „Les coptes affichent leur soutien à Sissi, malgré des critiques discrètes“, Afrique News Info, 21. März 2018, https://afriquenewsinfo.wordpress.com/2018/03/21/les-coptes-affichent-leur-soutien-a-sissi-malgre-des-critiques-discretes/ (abgerufen am 21. Mai 2018).

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