Religion

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Präambel zur Verfassung besagt, dass die Menschen in Ecuador „unsere uralten Wurzeln anerkennen, […], Pacha Mama (Mutter Erde) feiern […] und den Namen Gottes anrufen und die vielfältigen Formen von Religion und Spiritualität anerkennen“. [1] Im ersten Artikel der Verfassung wird das Land als „interkultureller, multinationaler und säkularer Staat“ bezeichnet. Der Staat garantiert laut Artikel 3 Absatz 4 „säkulare Ethik als Grundlage des öffentlichen Dienstes und der Rechtsprechung.“ Gemäss Artikel 11 Absatz 2 darf „niemand aufgrund seiner kulturellen Identität, […] Religion [oder] Ideologie diskriminiert werden“.

Laut Artikel 66 Absatz 8 erkennt der Staat die „Rechte von Personen an, […] ihre Religion oder Weltanschauung, öffentlich oder privat, allein oder in Gemeinschaft mit anderen, auszuüben, beizubehalten, zu ändern, sich dazu zu bekennen oder sie zu verbreiten, mit den Einschränkungen, die sich aus der Achtung der Rechte anderer ergeben“. Derselbe Artikel besagt auch, dass der Staat die „freiwillige Religionsausübung sowie die Äusserung, sich zu keiner Religion bekennen“ schützt. Laut Artikel 19 ist es untersagt, Werbung zu verbreiten, die „religiöse oder politische Intoleranz schürt“.

Artikel 57 sieht vor, dass indigene Gemeinschaften über „die kollektiven Rechte verfügen, […] ihr kollektives Wissen, ihre Wissenschaften, Techniken und ihre angestammten Weisheiten zu erhalten, schützen und weiter zu entwickeln […] sowie über das Recht, ihre Rituale und heiligen Stätten zu wiederherzustellen, zu fördern und zu schützen“ und dass sich die „Würde und Vielfalt ihrer Kulturen [und] Traditionen in der öffentlichen Bildung und den Medien spiegeln“.

Artikel 66 Absatz 1 sichert Bürgern das Recht auf „Vertraulichkeit hinsichtlich der persönlichen Überzeugungen [einschliesslich] der Religion“ zu. Niemand ist dazu verpflichtet, „Erklärungen über diese Überzeugungen abzugeben“.

Laut Artikel 28 ist die „öffentliche Bildung universell und säkular“. Artikel 29 erklärt, dass Eltern oder Erziehungsberechtigte die Erziehung ihrer Kinder nach ihrem Glauben frei wählen können. Das Kinder- und Jugendgesetz garantiert in Artikel 61 Kindern und Jugendlichen das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu. Artikel 34 garantiert dem Volk das Recht darauf, eine spirituelle, kulturelle und religiöse Identität zu entwickeln und zu erhalten. Artikel 52 des Gesetzes verbietet es, Kinder und Jugendliche für Zwecke der politischen oder religiösen Missionierung einzusetzen. [2]

Im Jahr 1937 schloss die ecuadorianische Regierung ein Abkommen mit dem Heiligen Stuhl, durch das der Katholischen Kirche die Freiheit garantiert wird, ihre Dienste auszuüben und Bildungsangebote zu machen. Katholische Diözesen und andere Institutionen sind rechtlich anerkannt. [3]

Vorkommnisse

Im Juni 2017 hielt die Adventistengemeinde eine Reihe von Treffen ab, die die Ausübung der Religionsfreiheit fördern sollten. [4]

Im November 2017 fand das erste interreligiöse Musikfestival in Guayaquil statt. Der Direktor des Symphonie-Orchesters von Guayaquil bezeichnete das Festival als einen Dialog, in den die Chöre der vielen verschiedenen Kirchen und Glaubensrichtungen der Stadt einbezogen waren. [5]

Im Dezember 2017 fand ein interreligiöses Treffen unter der Schirmherrschaft des
Aussenministeriums statt. Experten unterschiedlicher Einrichtungen erklärten dazu, dass der interreligiöse Dialog eine Triebkraft für Toleranz in der Gesellschaft sei. [6]

Im Dezember 2017 fand in Portoviejo ein Wettbewerb um die schönste Weihnachtskrippe statt. Die verschiedenen eingereichten Beiträge zeigten jeweils die typischen Merkmale der teilnehmenden ethnischen Gemeinschaft. In städtischen Gebieten werden auch lebendige Krippenszenen mit Teilnehmern in indigener, mestizischer und afro-ecuadorianischer Kleidung nachgestellt. [7]

Im Februar 2018 traf sich Präsident Moreno mit der Katholischen Bischofskonferenz von Ecuador, um Fragen von nationaler Bedeutung zu erörtern. Angesichts des säkularen Charakters des Staates deutet dieses Treffen darauf hin, dass beide Seiten dadurch ihren festen Willen zum Dialog signalisierten. [8]

Im Januar 2018 wurde das Pop-Up-Café und Theater Samborondón geschlossen, nachdem
katholische Gruppen sich über ein Stück namens „Die Heilige Vorhaut“ beschwert hatten, das sie als blasphemisch und als Verhöhnung der Religion betrachteten. Das Theater gab eine Erklärung dazu ab, dass man niemals religiöse Empfindungen habe beleidigen wollen. [9]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Im Berichtszeitraum lagen nur über wenige signifikante Fälle von religiöser Intoleranz Berichte vor. Die verschiedenen Religionsgemeinschaften können ihre Ansichten frei äussern. Die Lage der Religionsfreiheit ist gut und die Aussichten für die Zukunft sind positiv.

„Die verschiedenen Religionsgemeinschaften können ihre Ansichten frei äussern. Die Lage der Religionsfreiheit ist gut und die Aussichten für die Zukunft sind positiv.“

Endnoten / Quellen

[1] Ecuador’s Constitution of 2008 with Amendments through 2015, constituteproject.org,
https://www.constituteproject.org/constitution/Ecuador_2015.pdf?lang=en, (Zugriff am 14. Mai 2018)

[2] Código de la Niñez y Adolescencia, Ecuador, Artikel 34, 52 und 61, https://www.registrocivil.gob.ec/wp-content/uploads/downloads/2014/01/este-es-06-C%C3%93DIGO-DE-LA-NI%C3%91EZ-Y-ADOLESCENCIA-Leyes-conexas.pdf, (Zugriff am 3. April 2018).

[3] Modus Vivendi que restablece relaciones entre Ecuador y la Santa Sede de 1937,
https://procuraduria.utpl.edu.ec/sitios/documentos/NormativasPublicas/GENERALES/01Modus%20Vivendi%20que%20 Restablece%20Relaciones%20entre%20Ecuador%20y%20la%20Santa%20Sede.pdf, (Zugriff am 3. April 2018).

[4] „Iglesia Adventista en Ecuador fortalece la Libertad Religiosa“, Noticias Adventistas, 20. Juni 2017, https://noticias.adventistas.org/es/noticia/liberdad-religiosa/iglesia-adventista-ecuador-fortalece-la-libertad-religiosa/, (Zugriff am 24. April 2018).

[5] „Festival de música interreligiosa empieza hoy en la urbe porteña“, El Telégrafo, 1. November 2017, https://www.eltelegrafo.com.ec/noticias/cultura/7/festival-de-musica-interreligiosa-empieza-hoy-en-la-urbe-portena, (Zugriff am 25. April 2018).

[6] „Proponen en Quito el diálogo interreligioso como fórmula de convivencia“, Agencia EFE, 16. Dezember 2017,https://www.efe.com/efe/america/sociedad/proponen-en-quito-el-dialogo-interreligioso-como-formula-de-convivencia/20000013-3468942#, (Zugriff am 25. April 2018).

[7] A. García, M.V. Espinosa y W. Benalcazar, „Las etnias del país se incluyen en los pesebres navideños“, El Comercio, 19. Dezember 2017, http://www.elcomercio.com/actualidad/etnias-ecuador-pesebres-navidad-nacimientos.html, (Zugriff am 25. April 2018).

[8] „Presidente Moreno se reunió con la cúpula de la Iglesia Católica“, El Comercio, 21. Februar 2018, http://www.elcomercio.com/actualidad/leninmoreno-reunion-cupula-iglesia-catolica.html, (Zugriff am 12. März 2018).

[9] „Pop Up Café Samborondón fue clausurado: una obra causó polémica“ El Comercio, 12. Januar 2018, http://www.elcomercio.com/tendencias/clausura-teatro-guayaquil-obra-teatro.html, (Zugriff am 12. März 2018).

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