Religion

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Laut Verfassung ist Guyana ein säkularer Staat.[1] Zur verfassungsmässig verbrieften Gewissensfreiheit zählen die Gedanken- und Religionsfreiheit ebenso wie die freie Wahl der Religion und Weltanschauung und die Freiheit, den eigenen Glauben (öffentlich wie privat, allein oder mit anderen) zu leben, zu bekunden und zu verbreiten.[2] Auch die Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen wird anerkannt.[3]

Keine Religionsgemeinschaft darf daran gehindert werden, ihren Mitgliedern Religionsunterricht zu erteilen.[4] Zugleich darf aber auch niemand ohne eigenes Einverständnis (oder bei Minderjährigen unter 18 Jahren das der Erziehungsberechtigten) zur Teilnahme am schulischen Religionsunterricht oder an Feierlichkeiten oder Messen fremder Glaubensrichtungen verpflichtet werden.[5]

Ferner darf laut Verfassung niemand gezwungen werden, einen Eid abzulegen, der gegen seinen Glauben oder seine Religion verstösst.[6] Kein Gesetz darf an sich oder in seinen Auswirkungen diskriminierend sein, wobei mit Diskriminierung die unterschiedliche Behandlung von Menschen aufgrund ihrer Rasse, ihres Herkunftsortes, ihrer politischen Meinung, ihrer Hautfarbe oder ihrer Abstammung gemeint ist.[7]

In Guyana gibt es eine Kommission für ethnische Beziehungen. Zu ihren Aufgaben gehört die Förderung einer Kultur des Respekts gegenüber verschiedenen Religionen, Kulturen und Strömungen, wie sie in einer pluralistischen Gesellschaft vorkommen.[8]

Guyana hat kein offizielles Register für Glaubensgemeinschaften. Für die formelle Anerkennung durchlaufen diese dasselbe Registrierungsverfahren wie gemeinnützige Organisationen.[9] Erforderliche Angaben für die Registrierung sind der Name der Glaubensgemeinschaft, die Adresse ihrer Gebetsstätte sowie Personendaten zu ihren Leitern. Nach der formellen Anerkennung können Gruppen Finanztransaktionen durchführen, Immobilien erwerben und von Steuerbefreiungen profitieren. Ausländische Missionare müssen für eine Einreise die Genehmigung des Ministeriums für Staatsbürgerschaft einholen. In indianischen Dörfern müssen ausländische Religionsgemeinschaften zudem die Erlaubnis des Dorfrats einholen. In staatlichen Schulen gibt es keinen Religionsunterricht, dieser ist jedoch in einigen Privatschulen, die bestimmten Glaubensrichtungen angehören, Pflichtfach.

Vorkommnisse

Wie schon im Zeitraum 2014-2016, wurden auch im aktuellen Berichtszeitraum keine Fälle von religiöser Intoleranz gemeldet. In dieser Hinsicht gab es also keine Veränderungen. Im Gegenteil bemühten sich zahlreiche Initiativen um ein harmonischeres Zusammenleben der verschiedenen Glaubensgemeinschaften, von denen die grössten Christen und Hindus sind. Hier einige Beispiele:

Im Januar 2017 traf sich der Minister für sozialen Zusammenhalt, Dr. George Norton, mit Vertretern der Central Islamic Organisation of Guyana (Zentralverband der Muslime in Guyana), der African Cultural and Development Association (Vereinigung für afrikanische Kultur und Entwicklung), der (hinduistischen) Viraat-Sabha-Organisation, der Guyana Rastafarian Association (Verband der Rastafari in Guyana) und des Guyana Islamic Trust (Muslimische Stiftung), um „die fortgesetzte und verstärkte Kooperation zur Förderung des sozialen Zusammenhalts sicherzustellen“.[10]

Im Februar 2017 erklärte der guyanische Präsident David Granger im Rahmen der von der UNO geförderten Weltwoche der interreligiösen Harmonie, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt „ein wichtiger Aspekt seiner Regierungsarbeit“ [11] sei und dass ein harmonisches Miteinander der verschiedenen Religionen in hohem Masse zur Beilegung verschiedenster Konflikte beitragen könne. Guyana sei für ihn ein Paradebeispiel für interreligiöse Harmonie – ein kosmopolitischer Staat, in dem die meisten Menschen einer der drei grossen Religionen Christentum, Islam und Hinduismus angehören. Im Juli desselben Jahres betonte der Präsident bei einem Treffen mit der muslimischen Gemeinschaft, dass das Land eine „Oase der religiösen Toleranz“ sei und dass die drei grossen Religionen aktiv zur Schaffung einer „Atmosphäre der Ruhe und Harmonie““ beigetragen hätten.[12]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Die Aussichten für die Religionsfreiheit in Guyana sind gut, da es keine Vorfälle gibt, die sie untergraben, und die Regierung ausdrücklich um den sozialen Zusammenhalt bemüht ist. Der Einfluss der Religionen wird auch von behördlicher Seite positiv gesehen und als Beitrag zum sozialen Frieden anerkannt.

„Der Einfluss der Religionen wird auch von behördlicher Seite positiv gesehen und als Beitrag zum sozialen Frieden anerkannt.“

Endnoten / Quellen

[1] Alle zitierten Artikel stammen aus der Verfassung von Guyana von 1980 mit Änderungen bis 2016, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Guyana_2016.pdf?lang=en, (abgerufen am 23. März 2018).

[2] ebd., Art. 145, Abs. 1

[3] ebd., Art. 140, Abs. 3c

[4] ebd., Art. 145, Abs. 2

[5] ebd., Art. 145, Abs. 3

[6] ebd., Art. 145, Abs. 4

[7] ebd., Art. 149, Abs. 1 und 2

[8] ebd., Art. 212D f.

[9] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des US-Aussenministeriums, „Guyana“, Internationaler Bericht zur Religionsfreiheit von 2016 https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 9. März 2018).

[10] „Social Cohesion Minister meets religious and other groups“, Kaieteur News, 17. Januar 2017, https://www.kaieteurnewsonline.com/2017/01/17/social-cohesion-minister-meets-religious-and-other-groups/, (abgerufen am 7. März 2018).

[11] Shauna Jemmott, „Embrace harmony, shun discrimination“, Guyana Chronicle, 1. Februar 2017, http://guyanachronicle.com/2017/02/01/embrace-harmony-shun-discrimination, (abgerufen am 7. März 2018).

[12] „Guyana an oasis of religious tolerance“, Guyana Chronicle, 10. Juli 2017, http://guyanachronicle.com/2017/07/10/guyana-an-oasis-of-religious-tolerance, (abgerufen am. 7. März 2018).

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