Religion

784.000Bevölkerung

38.364 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightBhutan

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

In den vergangenen zwei Jahren haben sich in Bezug auf die Religionsfreiheit in Buthan keine grundlegenden Veränderungen ergeben. In diesem Land, in dem der Vajrayana-Buddhismus – eine Form des in Tibet praktizierten tantrischen Buddhismus – Staatsreligion ist, stellt sich vor allem die Frage, welcher Stellenwert dem Buddhismus und der grossen Gemeinschaft der buddhistischen Geistlichen eingeräumt wird. Bei 784.000 Einwohnern gibt es rund 3.500 Mönche im Land. In der 2008 in Kraft getretenen Verfassung tut sich ein Widerspruch auf zwischen dem Wunsch, das Land zu modernisieren, und dem Bestreben, es vor ausländischen Einflüssen zu schützen. Einerseits beruft sich die Verfassung auf die buddhistische Kultur und Religion und verlangt den Erhalt dieses Erbes. Andererseits schafft sie die Grundlagen für die Trennung von Religion und Staat und bricht mit der jahrhundertealten Tradition der zivilen und religiösen Staatsführung. Die Wahlkommission hält weiter daran fest, dass die „Religionen über der politischen Debatte stehen“ und Mönche kein Wahlrecht haben sollten. Diese Ansicht wird aber keineswegs von der gesamten buddhistischen Geistlichkeit vertreten. Viele buddhistische Geistliche sind davon überzeugt, dass der säkulare Charakter der Verfassung der Bedeutung des Buddhismus nicht gerecht wird, der ihrer Ansicht nach weiterhin eine massgebliche Einflussgrösse im Land und im Staat sein sollte.[1]

Auch wenn die Religionsfreiheit in der Verfassung verankert ist, ist jegliche Missionstätigkeit ausländischer Glaubensgemeinschaften im Land verboten. Nicht-buddhistischen religiösen Amtsträgern ist der Aufenthalt im Land nicht erlaubt. Die Glaubensausübung ist den Angehörigen nicht-buddhistischer Religionen nur im Privaten erlaubt. Es besteht ein grosses Misstrauen gegenüber dem Christentum, das als „Vorhut des Westens“ betrachtet wird. Es gilt als Bedrohung für die „nationale Identität Bhutans“, die untrennbar mit dem Buddhismus verbunden ist. Den wenigen tausend Christen (darunter wenige hundert Katholiken) im Land ist das Missionieren, das Verteilen von Bibeln und der Bau von Kirchen, Schulen oder anderen christlichen Einrichtungen streng verboten.

Die Verbote, die Nicht-Buddhisten betreffen, stehen direkt mit dem Wunsch im Zusammenhang, das „nationale Erbe“ zu bewahren. Dazu ein Beispiel: Den Buddhisten im Land gelten die Berge als heilig. Deshalb verbietet es der Staat den Christen, ihre Toten dort zu beerdigen. Wer dieses Verbot missachtet, muss mit der Schändung seiner Gräber rechnen. Dieser Konflikt hat schon wiederholt zu Problemen geführt.

Vorkommnisse

Der Wunsch, das nationale Erbe zu bewahren, hat nicht nur Auswirkungen auf religiöse Minderheiten. Er scheint auch der Grund dafür zu sein, dass im Januar 2017 ein Kinofilm landesweit verboten wurde. Der Film „Hema Hema: Sing Me a Song While I Wait“ stammt von dem Regisseur Dzongsar Jamyang Khyentse Rinpoche, einem Bürger Bhutans und tibetisch-buddhistischen Lama, dem man vorwirft, maskierte Figuren zu zeigen. Die Kulturabteilung des Heimat- und Kulturministeriums begründete das Verbot damit, dass die Verwendung religiöser Masken nicht der Tradition und Kultur des Landes entspreche.[2] Einige glauben, dass man mit dem Verbot eine Destabilisierung des nationalen Erbes und der kulturellen Traditionen des Landes durch eine übermässig schnelle kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung verhindern will.

Die seit den 1990er-Jahren bestehende Krise, die durch die Massenvertreibung der Lhotshampa ausgelöst wurde, ist noch nicht beendet. Die Angehörigen der Volksgruppe nepalesischen Ursprungs sind überwiegend Hindus und leben im Süden des Landes.[3] Die Nachfahren der nepalesischen Hindus, die sich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts im Königreich Bhutan angesiedelt haben, bekamen in den 1990er-Jahren die Folgen der staatlichen „Bhutanisierungspolitik“ zu spüren. Mehr als 100.000 von ihnen wurden nach ihrer Ausweisung staatenlos und landeten in nepalesischen Flüchtlingslagern. Erst 2007 begannen die Vereinten Nationen mit ihrer Umsiedlung in Drittländer. Die Tatsache, dass diese Bevölkerungsgruppe nicht als Teil der Nation anerkannt wird, veranlasst einige Beobachter zu der Feststellung, dass in Bhutan eine „eingeschränkte Demokratie“ herrscht, die bestimmte Gruppen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder Religion ausschliesst.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Seit einiger Zeit wird innerhalb der Vereinten Nationen und unter Volkswirtschaftlern in Frage gestellt, ob das Bruttoinlandsprodukt (BIP) tatsächlich als zuverlässiger und angemessener Massstab für den Wohlstand einer Nation und insbesondere für den sozialen Fortschritt dienen kann. Stattdessen wird vorgeschlagen, das Glück der Menschen in einem Land als Massstab heranzuziehen. In diesem Sinne hat die bhutanische Regierung den viel beachteten Begriff des „Bruttonationalglücks“ eingeführt. Doch in dem kleinen Binnenstaat im Himalaja scheint es um das Bruttonationalglück nicht allzu gut bestellt zu sein, denn in dem „World Happiness Report“ 2017 der Vereinten Nationen kam Bhutan von 155 bewerteten Ländern nur auf Platz 97.[4]

Das vergleichsweise schlechte Abschneiden Bhutans auf der internationalen Glückskala hält das Land mit seinen knapp 800.000 Einwohnern nicht davon ab, sich einer Form von moderner Politik anzunähern. Die bhutanische Regierung verfolgt offenbar das Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung des Landes voranzutreiben, um für die vergleichsweise junge Bevölkerung Arbeitsplätze zu schaffen. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung liegt bei 28 Jahren. Gleichzeitig will sie aber die Gesellschaft vor einer zu raschen Öffnung und Entwicklung schützen. Beim Thema Religion ist dieser vorsichtige Öffnungsprozess nur geringfügig spürbar. Gemäss dem Gesetz über religiöse Organisationen von 2007 wurde die Aufsichtsbehörde Chhoedey Lhentshog eingerichtet. Insgesamt wurden bislang 94 Organisationen offiziell anerkannt, die jedoch alle buddhistisch oder hinduistisch sind. Die hinduistische Minderheit wird durch die Hindu Dharma Samudaya (die hinduistische Glaubensgemeinschaft) von Bhutan vertreten. Was die Christen betrifft, so haben die Behörden des Landes zwar klargestellt, dass sie gegen die Ausübung des christlichen Glaubens in Bhutan keine Einwände haben, dass sie aber keine Konvertierungen dulden. Die kleinen christlichen Gemeinden vor Ort haben sich den Umständen angepasst und sehen davon ab, eine offizielle Anerkennung ihrer Einrichtungen zu beantragen.

„Was die Christen betrifft, so haben die Behörden des Landes zwar klargestellt, dass sie gegen die Ausübung des christlichen Glaubens in Bhutan keine Einwände haben, dass sie aber keine Konvertierungen dulden. Die kleinen christlichen Gemeinden vor Ort haben sich den Umständen angepasst und sehen davon ab, eine offizielle Anerkennung ihrer Einrichtungen zu beantragen.“

Endnoten / Quellen

[1] Bhoutan, Observatoire de la liberté religieuse, http://www.liberte-religieuse.org/bhoutan (abgerufen am 30. Januar 2018).

[2] Rezwan, „Bhutan’s Authorities Ban Film for ‘Misusing’ Religious Masks on Screen“, Global Voices, 19. Januar 2017, https://globalvoices.org/2017/01/19/bhutans-authorities-ban-film-for-misusing-religious-masks-on-screen/ (abgerufen am 16. Februar 2018).

[3] Maximillian Mørch, „Bhutan’s Dark Secret: The Lhotshampa Expulsion“, The Diplomat, 21. September 2016, https://thediplomat.com/2016/09/bhutans-dark-secret-the-lhotshampa-expulsion/ (abgerufen am 16. Februar 2018).

[4] „Bhutan is not happy – Happiness Report 2017“, Bhutan News Network, 22. März 2017, http://www.bhutannewsnetwork.com/2017/03/bhutan-is-not-happy-happiness-report-2017/ (abgerufen am 16. Februar 2018).

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