Religion

12.947.000Bevölkerung

245.857 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightGuinea Conakry

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Gesetze des Landes sehen umfassende Religionsfreiheit vor, so zum Beispiel das Recht, die Religion frei zu wählen und auch zu einer anderen Religion zu konvertieren.[1] Guinea zeichnet sich durch grosse ethnische und religiöse Vielfalt aus, und in der Praxis werden diese Rechte im Allgemeinen geachtet, obwohl die Haltung der Regierung autoritäre Tendenzen aufweist. Nach mehr als 50 Jahren Alleinherrschaft durch die Präsidenten Sekou Touré (1958-1984) und Lansana Conté (1984-2008) sowie einigen Übergangsregierungen wurden in Guinea 2010 die ersten grösstenteils freien Präsidentschaftswahlen abgehalten. Im Oktober 2015 erhielt Präsident Alpha Condé fast 58% der Stimmen und wurde für eine zweite und letzte Amtszeit von fünf Jahren wiedergewählt.

Muslime bilden in allen Regionen des Landes die Mehrheit der Bevölkerung. Christliche Gemeinden befinden sich insbesondere in den grösseren Städten sowie im Süden und Osten des Landes. Darüber hinaus gibt es auch kleinere Gruppen von Bahai, Hindus und Buddhisten.

Das Zusammenleben der Religionen gestaltet sich traditionell gut in Guinea. Bisher fand islamischer Fundamentalismus nur wenig Unterstützung im Land.[2] Der Islam zeichnet sich traditionell durch eine relativ moderate Haltung gegenüber anderen Religionen aus. Ein interreligiöser Rat arbeitet bei religiösen Angelegenheiten eng mit der Regierung zusammen.[3]

Religionsgemeinschaften müssen sich beim Sekretariat für religiöse Angelegenheiten (SRA) registrieren, und jede offiziell registrierte Gemeinschaft muss alle sechs Monate einen Bericht über ihre Aktivitäten vorlegen. Mit der Registrierung erhalten die Religionsgemeinschaften auch Steuerbefreiungen und Energiezuschüsse. Während des relevanten Zeitraums gab es keinerlei Berichte über grössere Schwierigkeiten in dieser Hinsicht.[4]

Religionsgemeinschaften dürfen keine Radio- oder Fernsehsender besitzen, dürfen jedoch über kommerzielle Fernsehsender religiöse Sendungen ausstrahlen.[5] Dazu gehören die Übertragung der muslimischen Freitagsgebete, islamischer Religionsunterricht und christliche Sonntagsgottesdienste.

Das SRA verfügt im ganzen Land über Inspektoren, deren Aufgabe darin besteht, religiösen Kultus und Predigten zu überwachen. Darüber hinaus werden wöchentliche Themen für Predigten zur Verfügung gestellt und die Religionsgemeinschaften auf Regelkonformität überwacht.[6]

Im Bereich der Bildung herrscht eine strikte Trennung zwischen Staat und Religion, und dementsprechend gibt es laut offiziellem Lehrplan keinen Religionsunterricht. Dennoch existieren viele private Schulen, die sowohl von muslimischen als auch christlichen Religionsgemeinschaften im Land geführt werden, und viele von ihnen erhalten auch Unterstützung von den örtlichen Behörden.

Vorkommnisse

Das SRA leistet auch Unterstützung für religiöse Pilgerfahrten. Während der Ebola-Epidemie 2014/2015 konnten jedoch 10.000 muslimische Pilger, die Förderungsgelder erhalten hatten, nicht nach Mekka reisen, da ihnen aufgrund der Epidemie die Einreise nach Saudi-Arabien verwehrt wurde. Seitdem ist es Pilgern aus Guinea jedoch wieder erlaubt, nach Mekka zu reisen.[7] Während des Berichtszeitraumes leistete der Staat Beiträge in Höhe von umgerechnet etwa 3,4 Millionen CHF für die Kosten der Pilgerfahrten von ca. 6.000 Bürgern Guineas.[8]

Die Regierung bezuschusst auch katholische Pilger auf ihren Reisen zu europäischen Pilgerstätten sowie ins Heilige Land. 2016 betrugen die Ausgaben für Reisekosten etwa 250.000 CHF, 2015 beliefen sie sich aufgut 323.000 CHF. Die Zuschüsse sollen nun jeweils im Rotationsverfahren unterschiedlichen christlichen Gemeinschaften zur Verfügung gestellt werden.[9]

Die Beziehungen zwischen den unterschiedlichen Religionsgemeinschaften sind grundsätzlich gut.

Wie auch in anderen westafrikanischen Ländern ist die Verbreitung des Dschihadismus in Guinea für viele Menschen ein Anlass zur Sorge. In der Nähe des internationalen Flughafens in Conakry, der Hauptstadt Guineas, wurde eine Moschee von der Regierung geschlossen. Angaben zufolge war die Schliessung eine Präventivmassnahme aufgrund der wachsenden Anzahl dschihadistischer Terroranschläge in Nachbarländern Guineas.[10]

Währenddessen erholt sich Guinea von der Ebola-Epidemie, die im Frühjahr 2014 ausgebrochen war und das Land lahmgelegt hatte.[11] Durch die Epidemie nahmen auch einige Religionsgemeinschaften grossen Schaden, Familien wurden zerstört und Dorfgemeinschaften auseinandergerissen.

Das Land weist ein hohes Mass an Kriminalität und Korruption auf, und Guinea hat sich darüber hinaus zu einem Knotenpunkt des Drogenhandels in Westafrika entwickelt.[12]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen die Verbreitung des Dschihadismus in Westafrika nach sich ziehen wird. Das Land, das eine lange Tradition des friedlichen Zusammenlebens verschiedener Religionen vorweisen kann, vermochte sich bisher erfolgreich gegen Dschihadistengruppen zur Wehr zu setzen. Ein ermutigendes Zeichen der Stabilität ist die Tatsache, dass die Justiz auf Beschwerden über Intoleranz eingeht.

„Das Land kann eine lange Tradition des friedlichen Zusammenlebens verschiedener Religionen vorweisen und vermochte sich bisher erfolgreich gegen Dschihadistengruppen zur Wehr zu setzen.“

Endnoten / Quellen

[1] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ‘Guinea’, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (besucht am 2. April 2018).

[2]  ‘Munzinger Länder: Guinea‘, Munzinger Archiv 2018, https://www.munzinger.de/search/start.jsp, (besucht am 30. März 2018).

[3] Ibid.

[4] Ibid.

[5] Ibid.

[6] Ibid.

[7] Ibid.

[8] Ibid.

[9] Cf. Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ‘Guinea’, International Religious Freedom Report for 2014, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/2014religiousfreedom/index.htm#wrapper, (besucht am 2. April 2018).

[10] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor (2016), op. cit.

[11] Munzinger Archiv 2018.

[12] Tobias Zick, ‘Am Drogen-Highway Nummer 10’, Süddeutsche Zeitung, 31. Juli 2016, http://www.sueddeutsche.de/politik/guinea-am-drogen-highway-nummer-1.3101914, (besucht am 11. Februar 2018).

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