Religion

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Laut der Präambel der Verfassung [1] gehören die Oberhoheit Gottes, das Bekenntnis zu Menschenrechten und Grundfreiheiten, die Würde des Menschen und die gleichen und unveräusserlichen Rechte, die allen Menschen von ihrem Schöpfer gegeben wurden, zu den Gründungsprinzipien des Volkes von Dominica.

Dominica achtet den Schutz der Menschenrechte und der Grundfreiheiten jedes Bürgers. Dabei soll jeder Mensch ebenso die Rechte und Freiheiten Anderer sowie das öffentliche Interesse achten. Gemäss Artikel 1 der Verfassung umfasst dies unter anderem die Gewissensfreiheit, Meinungsfreiheit, sowie die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, unabhängig von Rasse, Herkunft, politischer Überzeugung, Hautfarbe, Glauben oder Geschlecht.

Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen wird in Artikel 4 der Verfassung anerkannt.

In Artikel 9 der Verfassung wird erklärt, dass kein Mensch in seiner Gewissensfreiheit eingeschränkt werden darf; dazu gehören die Glaubens- und Religionsfreiheit, die Freiheit, seinen Glauben oder seine Religion zu wechseln, sowie diese durch Kult, Lehre, Praxis und Ausübung einzeln oder im Kollektiv, öffentlich oder privat, zu bekunden und zu verbreiten.

Ausser mit seinem Einverständnis (bzw. das des Erziehungsberechtigten im Falle von unter 18- Jährigen) darf kein Mensch, der eine Bildungsstätte besucht oder inhaftiert ist, zur Teilnahme am Religionsunterricht oder an religiösen Zeremonien, die nicht im Einklang mit der eigenen Religion stehen, gezwungen werden.

Laut Artikel 9 hat jede Religionsgemeinschaft das Recht, auf eigene Kosten Bildungsstätten einzurichten und zu unterhalten, und darf in der Bereitstellung von Lehre und Religionsunterricht für seine Mitglieder nicht eingeschränkt oder behindert werden, unabhängig davon, ob sie Zuschüsse von der Regierung erhält. Niemand darf zur Ablegung eines Eides gezwungen werden, der dem persönlichen Glauben widerspricht oder gegen die eigene Religion oder den Glauben
verstösst.

Religiöse Organisationen können als Einrichtung ohne Gewinnstreben anerkannt werden, sofern sie die Registrierung beim Justizministerium beantragen. [2] Die Anträge müssen von fünf führenden Vertretern der Religionsgemeinschaft unterzeichnet werden und den Namen sowie den Ort angeben, an dem Gottesdienste abgehalten werden. Kultstätten müssen ebenfalls registriert werden und dürfen nur für religiöse Zwecke genutzt werden. [3]

Karfreitag, Ostern, Pfingstmontag und Weihnachten gelten als Nationalfeiertage. [4]

In Dominica gibt es ein Nationalgebet. [5]

Vorkommnisse

Mitte 2016 wurde die katholische Pointe-Michel-Kirche, die sich im gleichnamigen Ort Pointe Michel befindet, durch Brandstiftung zerstört. Die Stätte, die Unserer Lieben Frau von La Salette (Our Lady of La Salette) gewidmet ist, gilt als Nationalheiligtum. [6]

Im August 2016 wurde eine muslimische Familie, die sich auf dem Heimweg von einer Reise nach Santa Lucia befand, von einem Beamten Dominicas beleidigt. Er zwang die Ehefrau, ihren Hidschab zu heben, um ihre Identität zu überprüfen. Als die Familie nach einer weiblichen Beamtin zur Durchführung der Überprüfung verlangte, entgegnete man ihr, es sei niemand verfügbar. Der Ehemann sagte: „[Der muslimische Beamte] wollte sichergehen, dass er selbst sie sehen konnte … sie hob ihren Schleier an, und er wollte mehr sehen, wollte dass sie ihn höher hob.” [7] Das Oberhaupt der muslimischen Gemeinschaft stellte fest, dass dies nicht das erste Mal gewesen sei, dass Muslime beim Zoll einer solchen Situation ausgesetzt waren. Es gebe aber dahingehend Bedenken, dass niemand von den vollständigen und sorgfältigen Sicherheitsüberprüfungen befreit sein sollte.

Im Frühjahr 2017 erhob der Dominicanische Verband der evangelischen Kirchen seine Stimme gegen Fälle von Vandalismus und Gewalt, die sich während einer Protestaktion, in der der Premierminister des Landes sowie sein Kabinett zum Rücktritt aufgefordert worden waren, ereignet hatten. [8]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Im Gegensatz zum vorherigen Berichtszeitraum (2014-2016) wurde über Intoleranz seitens der Vertreter des Staates berichtet sowie über Angriffe auf Kultstätten. Dies könnte Grund zur Annahme sein, dass sich die Situation der Religionsfreiheit verschlechtert hat; da es sich jedoch um Einzelfälle handelt, kann dies nicht als steigende Tendenz kategorisiert werden.

„Im Gegensatz zum vorherigen Berichtszeitraum wurde über Intoleranz seitens der
Vertreter des Staates berichtet sowie über Angriffe auf Kultstätten. Dies könnte
Grund zur Annahme sein, dass sich die Situation der Religionsfreiheit verschlechtert
hat.“

Endnoten / Quellen

[1] Die zitierten Artikel stammen aus: Dominica's Constitution of 1978 with Amendments through 2014, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Dominica_2014.pdf?lang=en, (besucht am 5. März 2018).

[2] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ‘Dominica’, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (besucht am 22. März 2018).

[3] ‘Registry Division’, Justice, Immigration and National Security, Government of the Commonwealth of Dominica, http://justice.gov.dm/divisions/registry-division , (besucht am 5. März 2018).

[4] ‘National Prayer’, Web Portal, Government of the Commonwealth of Dominica, http://www.dominica.gov.dm/about-dominica/public-holidays, (besucht am 5. März 2018).

[5] ‘Public Holidays’, Web Portal, Government of the Commonwealth of Dominica, http://www.dominica.gov.dm/about-dominica/national-symbols/national-prayer, (besucht am 5. März 2018).

[6] ‘Suspected arson at Pointe Michel Catholic church’, Dominica News Online, 22. Juli 2016,
http://dominicanewsonline.com/news/homepage/news/accidents-tragedy/suspected-arson-at pointe-michel-catholic-church/, (besucht am 5. März 2018); ‘Fire in Pointe Michel's National Shrine’, The Sun, 23. Juli 2016, http://sundominica.com/articles/fire-in-pointe-michels-national-shrine-3625/, (besucht am 5. Februar 2018).

[7] ‘Respect Religious Rights’, The Sun, 31. August 2016, http://sundominica.com/articles/respect-religious-rights-3775/, (besucht am 5. März 2018).

[8] ‘Evangelical Churches condemn Roseau violence’, Dominica News Online, 9. Februar 2017,
http://dominicanewsonline.com/news/homepage/news/general/evangelical-churches-condemn-roseau-violence/, (besucht am 5. März 2018).

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KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.