Religion

11.372.000Bevölkerung

114.763 Km2Fläche

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Seit mehreren Jahren wächst in Benin die Bedrohung durch den Dschihadismus,[1] der bereits in einer Reihe von Nachbarländern eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt hat. Obwohl im Land selbst bislang keine grösseren Anschläge verübt wurden, löst die Bewegung auch in Benin grosse Besorgnis aus. Aus diesem Grund unterstützt das Land die mehrere Tausend Soldaten starke afrikanische Eingreiftruppe, die im östlichen Nachbarland Nigeria gegen die islamistische Terrorgruppe Boko Haram kämpft. Insgesamt hat Benin weltweit 793 Soldaten, 361 Gendarmen und 20 Militärexperten in neun internationalen Friedensmissionen im Einsatz; der Schwerpunkt liegt dabei auf Afrika. Darüber hinaus unterstützt Benin auch die im Norden Malis stationierte UN-Einsatztruppe, zu deren Aufgaben ebenfalls die Bekämpfung des islamistischen Terrorismus gehört.[2]

In Benin selbst hat religiöser Fundamentalismus keine Tradition – weder in Bezug auf die Gesetzgebung noch auf die Religionsausübung in der Bevölkerung. Laut Verfassung ist Benin ein säkularer Staat, der religiöse Diskriminierung verbietet. Religionsfreiheit ist als grundlegendes Menschenrecht verankert und gilt als Kernprinzip interreligiöser Interaktionen.[3] Wer eine Religionsgemeinschaft gründen will, muss einen entsprechenden Registrierungsantrag beim Innenministerium einreichen. Die Registrierung erfordert die Vorlage zahlreicher offizieller Dokumente und die Zahlung einer Gebühr von umgerechnet rund 76 CHF. Das Innenministerium kann Einrichtungen nicht registrierter, aber dennoch aktiver Gruppen schliessen lassen, bis eine ordnungsgemässe Registrierung abgeschlossen wurde.

Nach dem verfassungsmässigen Prinzip der Trennung von Staat und Religion ist der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen verboten.

In Benin gibt es die vermutlich grösste religiöse Vielfalt der gesamten Region – eine Form von Pluralismus, die durch den Staat ausdrücklich respektiert wird. Im Berichtszeitraum nahmen Regierungsbeamte an Einweihungsfeiern, Beerdigungen und anderen religiösen Veranstaltungen verschiedener Glaubensgemeinschaften teil.[4]

Rund 17 % der Bevölkerung betreiben Voodoo, eine weit verbreitete Praxis in Westafrika. Muslime und Katholiken sind in etwa gleich stark in der Bevölkerung vertreten.[5] Ein kleiner Teil der Bevölkerung gehört der Himmlischen Kirche Christi an, einer christlichen Gemeinschaft mit sehr strikter Auslegung der Bibel. Die 1947 in Benin gegründete Kirche ist heute auch in mehreren anderen westafrikanischen Ländern vertreten.

Bei der Ausübung religiöser Bräuche gibt es grosse Überschneidungen zwischen den verschiedenen Glaubensrichtungen. So praktizieren auch Christen und Muslime – wenn auch nicht immer offen – mitunter Voodoo.[6] Solche Verschmelzungen verschiedener Strömungen und Bräuche sind in allen Gesellschaftsschichten zu finden und werden allgemein akzeptiert. Teilweise kommt es sogar innerhalb von Familien dazu – ohne nennenswerte Spannungen oder Konflikte

Vorkommnisse

Im Berichtszeitraum veränderten sich weder die traditionell friedlichen interreligiösen Beziehungen in Benin, noch wurden religiös motivierte Gewalttaten gemeldet. Wie oben erwähnt, bekräftigte das Land im Jahr 2015 sein Engagement für religiöse Toleranz und ein harmonisches Zusammenleben, indem es Truppen ins benachbarte Nigeria entsandte, um sich dem Kampf gegen Boko Haram anzuschliessen.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Seit der Einführung eines Mehrparteiensystems Anfang der 1990er-Jahre hat Benin nicht weniger als vier Machtwechsel durch Parlamentswahlen erlebt – 1991, 1996, 2006 und zuletzt 2016, als der Geschäftsmann Patrice Talon, einst ein Verbündeter des ehemaligen Präsidenten Thomas Boni Yayi, dessen Premierminister Lionel Zinsou in einer Stichwahl am 20. März mit mehr als 65 Prozent der Stimmen besiegte.[7]]Die Wahlen bestätigten erneut, dass Benin eine der politisch stabileren westafrikanischen Nationen ist.

Die Katholische Kirche in Benin beklagt weniger schädliche Einflüsse von aussen als eine insgesamt immer oberflächlichere Haltung ihrer Anhänger zum Glauben. Obwohl sich der Katholizismus weiter verbreitet, bezeichnete Papst Franziskus die religiöse Praxis im Land bei einem Ad-Limina-Besuch der Beniner Bischöfe in Rom im April 2015 als „manchmal oberflächlich und unsolide“.[8] Er fuhr fort, dass „eine profunde Kenntnis des christlichen Geheimnisses nicht Privileg der Elite“ sein dürfe[9] und allen Gläubigen zugänglich sein müsse. Dies sei gerade im Angesicht „zahlreicher ideologischer und medialer Angriffe“ wichtig, die eine besondere Wachsamkeit der Beniner Bischöfe erforderlich machten.[10] Eine intakte Ehe und ein intaktes Familienleben, so Franziskus, seien elementar. Er fuhr fort: „Ich weiss, dass die Ehepastoral immer noch schwierig ist, wenn man die tatsächliche soziale und kulturelle Situation Ihres Volkes bedenkt.“ Dennoch sollten die Bischöfe sich nicht entmutigen lassen: „Der Schutz der Familie durch die Katholische Kirche ist von Gott gewollt.“[11]

Die Katholische Kirche in Benin gilt nicht nur in theologischen, sondern auch in sozialen und politischen Fragen als moralische Instanz. Viele Menschen in Benin erinnern sich noch lebhaft an den Besuch von Papst Franziskus‘ Vorgänger Benedikt XVI. im Jahr 2011. Der Besuch wurde auch von Nicht-Katholiken weitgehend positiv aufgenommen. Für viele markierte er den Beginn eines neuen religiösen Bewusstseins.

In Anbetracht des klaren Engagements gegen islamistische Gewalt könnte Benin in Zukunft häufiger zum Ziel westafrikanischer dschihadistischer Gruppen werden.[12]

„Die Katholische Kirche in Benin gilt nicht nur in theologischen, sondern auch in sozialen und politischen Fragen als moralische Instanz. Viele Menschen in Benin erinnern sich noch lebhaft an den Besuch von Papst Franziskus‘ Vorgänger Benedikt XVI. im Jahr 2011. Der Besuch wurde auch von Nicht-Katholiken weitgehend positiv aufgenommen.“

Endnoten / Quellen

[1] Cristina Silva, „Boko Haram Vows to Impose Sharia Law in Nigeria, Benin, Cameroon, Chad, Niger and Mali“, Newsweek US Edition, 20. März 2017, http://www.newsweek.com/boko-haram-vows-impose-sharia-law-nigeria-benin-cameroon-chad-niger-and-571054, (abgerufen am 11. Februar 2018); Isabella Hermann, „Unheilvolle Allianzen“, Auslandinformationen der Konrad-Adenauer-Stiftung, 13. Juli 2017, http://www.kas.de/wf/de/33.49532/, (abgerufen am 27. März 2018).

[2] „Aussenpolitik“, Auswärtiges Amt, https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/benin-node/-/209034, (abgerufen am 27. März 2018).

[3] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor des US-Aussenministeriums, „Benin“, Internationaler Bericht zur Religionsfreiheit von 2016 https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 27. März 2018).

[4] ebd.

[5] Zu den Anteilen verschiedener Religionsgemeinschaften an der Gesamtbevölkerung vgl. Grim, Brian et al. (Hrsg.), Yearbook of International Religious Demography 2017, Amsterdam/Boston.

[6] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor, ebd.

[7] Munzinger Archiv 2018, https://www.munzinger.de/search/start.jsp, (abgerufen am 27. März 2018).

[8] Ansprache Seiner Heiligkeit Papst Franziskus anlässlich des Ad-limina-Besuchs der Bischöfe der Bischofskonferenz von Benin, Libreria Editrice Vaticana, https://w2.vatican.va/content/francesco/en/speeches/2015/april/documents/papa-francesco_20150427_ad-limina-benin.html, (abgerufen am 27. März 2018).

[9] ebd.

[10] ebd.

[11] ebd.

[12] Cristina Silva, ebd.

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