Religion

1.888.000Bevölkerung

36.125 Km2Fläche

Lesen Sie den Bericht
keyboard_arrow_down

homekeyboard_arrow_rightGuinea Bissau

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Guinea-Bissau ist ein Land mit einem bunten Mix verschiedener Ethnien und, dementsprechend, einer Vielzahl von Religionsgemeinschaften.[1] Laut Artikel 6 seiner Verfassung ist Guinea-Bissau ein strikt säkularer Staat. [2] Artikel 4 verbietet es politische Parteien, sich mit irgendeiner Kirche, einem Kult oder einer religiösen Doktrin zu identifizieren. Das Recht auf Religionsfreiheit ist gesetzlich verankert und untersteht staatlichem Schutz. Religionsgemeinschaften brauchen eine Lizenz, aber es sind keine Fälle bekannt, in denen die Eintragung verweigert worden wäre.[3]

In der ehemaligen portugiesischen Kolonie wird die Trennung von Kirche und Staat gelebt: An öffentlichen Schulen wird kein Religionsunterricht erteilt.[4] Es steht den Religionsgemeinschaften jedoch frei, diesen selbst anzubieten. Der Staat greift nur ein, wenn der Unterricht gegen die Gesetze des Landes verstösst. Trotz der politischen Instabilität und weit verbreiteter Armut im Lande ist es in den vergangenen Jahrzehnten kaum zu religiösen Spannungen gekommen.

Vorkommnisse

Im Berichtszeitraum hat sich die Lage in Bezug auf die Religionsfreiheit nicht wesentlich verändert. Allerdings ist das Land mit anderen Problemen konfrontiert, die sich negativ auf das religiöse Leben auswirken könnten. Der Kampf gegen den Drogenschmuggel aus Lateinamerika ist ein riesiges Problem.[4] Immer mehr Menschen, auch Kinder, flüchten vor der Armut in benachbarte Länder, zum Beispiel nach Senegal.[6]Anfang 2017 kam es angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage zunehmend zu öffentlichen Demonstrationen gegen die Regierung von Präsident José Mário Van. Die Vereinten Nationen und andere internationale Akteure, die an friedensbildenden Massnahmen in Guinea-Bissau beteiligt sind, haben ihrer Sorge über die wachsenden politischen und sozialen Spannungen im Lande Ausdruck verliehen.[7]

Obwohl die Religionsfreiheit in Guinea-Bissau gesetzlich verankert ist, ist sie an mehreren Fronten unter Beschuss. Am 10. November 2014, als die katholischen Bischöfe von Guinea-Bissau zusammen mit Bischöfen aus Senegal, Mauretanien und Kap Verde zu ihrem Ad-limina-Besuch in Rom waren, erklärte Papst Franziskus: „Der Glaube ist heute vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt, sei es durch religiöse Vorstellungen, die von allen Seiten kommen und die auf moralischer Ebene einfacher und attraktiver wirken, oder durch das Phänomen der Säkularisierung, das auch afrikanische Gesellschaften betrifft.“[8] Papst Franziskus empfahl, dass die Kirchen vor Ort den „Laien eine… solide lehrmässige und spirituelle Ausbildung“ und „dauerhafte Unterstützung“ gewähren sollten. Er rief die Bischöfe dazu auf, zu „verhindern, dass der Glaube an den Rand des öffentlichen Lebens gedrängt werde.“

Perspektiven für die Religionsfreiheit

In ganz Westafrika sind extremistische islamische Tendenzen auf dem Vormarsch. Sie bedrohten im Berichtszeitraum in weiten Teilen der Region den Frieden. Es bleibt abzuwarten, ob diese Tendenzen die interreligiösen Beziehungen in Guinea-Bissau unterminieren werden. Denkbar wäre dies, da Guinea-Bissau, wie andere von Armut geplagte Länder, anfällig für den Dschihadismus ist. Es gibt Berichte darüber, dass extremistische Imame aus dem Ausland in den Moscheen des Landes aktiv seien.[9]

„Guinea-Bissau ist, wie andere von Armut geplagte Länder, anfällig für den Dschihadismus. Es gibt Berichte darüber, dass extremistische Imame aus dem Ausland in den Moscheen des Landes aktiv seien.“

Endnoten / Quellen

[1] Überblick der Anteile der verschiedenen Religionsgemeinschaften an der Gesamtbevölkerung, siehe Grim, Brian et al. (Hrsg.): Yearbook of International Religious Demography 2017, Brill: Leiden/Boston, 2017.

[2] Verfassung von Guinea-Bissau von 1984 mit Änderungen bis 1991, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Guinea_Bissau_1991.pdf, (Zugriff am 2. April 2018).

[3] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, „Guinea“, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (Zugriff am 2. April 2018).

[4] ebd.

[5] „Guinea-Bissau country profile“, BBC August 2017, http://www.bbc.com/news/world-africa-13443186, (Zugriff am 10. Februar 2018).

[6] „Child ‚beggars‘ of Senegal“, Agenzia Fides, 31. März 2017, http://www.fides.org/en/news/62037-AFRICA_SENEGAL_Child_beggars_of_Senegal, (Zugriff am 10. Februar 2018).

[7]  „Munzinger Länder: Guinea-Bissau“, Munzinger Archiv 2018, https://www.munzinger.de/search/start.jsp, (Zugriff am 30. März 2018).

[8] „Address of His Holiness Pope Francis to the Bishops of the Episcopal Conference of Senegal-Mauritania-Cape Verde-Guinea Bissau on their ‚ad limina‘ Visit“, The Holy See, 10. November 2014, http://w2.vatican.va/content/francesco/en/speeches/2014/november/documents/papa-francesco_20141110_ad-limina-africa.html, (Zugriff am 10. Februar 2018).

[9] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ebd.

Über uns

KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.