Religion

28.033.000Bevölkerung

238.537 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightGhana

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Republik Ghana ist eines der stabilsten Länder in Westafrika, sowohl was die Achtung der grundlegenden Menschenrechte angeht als auch in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung. Obwohl das Wirtschaftswachstum Ghanas zwischen 2014 und 2016 von 4,2% auf 3,5% gefallen war – der tiefste Wert seit 26 Jahren – ist der mittelfristige Ausblick weiterhin positiv. Dies bestätigt auch die Wachstumsprognose des IWF.[1]

Die stabile wirtschaftliche und politische Lage trägt dazu bei, dass die Beziehungen zwischen den verschiedenen Religions- und Glaubensgemeinschaften in Ghana in vielerlei Hinsicht vorbildlich sind. In Regionen, in denen weniger Armut herrscht, fallen soziale Spannungen häufig weniger dramatisch aus. Im Dezember 2016 fanden in Ghana zum siebten Mal demokratischen Wahlen statt. Das erste Mal, dass mehrere Parteien zur Wahl standen, war 1992. Wie schon 2000 und 2008 verlief die Machtübergabe auch dieses Mal friedlich. Nana Akufo-Addo besiegte dabei den Amtsinhaber Präsident John Dramani Mahama, der 2012 gewählt worden war.[2]

Als ehemalige britische Kolonie errang Ghana 1957 die Unabhängigkeit – als erstes Land im sub-saharischen Afrika. Ghana ist ein religiös besonders vielfältiges Land.[3] Zwei Drittel der Bevölkerung sind Christen, eine sehr kleine Gruppe Muslime. Die meisten Christen sind Anhänger der Pfingstbewegung und der Charismatischen Bewegung, gefolgt von Protestanten und Katholiken.[4] Der Grossteil der Muslime sind Sunniten. Islamistischer Extremismus ist selten in Ghana.

In der Religions- und Friedenskonferenz Ghana (Ghana Conference on Religion and Peace), an der auch die Bischofskonferenz katholischer Bischöfe in Ghana beteiligt ist, arbeiten Christen und Muslime konstruktiv daran, das Land im Sinne einer friedlichen Koexistenz zu gestalten.[5] Das Fundament für diese friedliche Koexistenz der Religionen legt Artikel 21 der Verfassung, in dem das Recht auf Religionsfreiheit festgeschrieben ist.[6] Obwohl sich alle Religionsgemeinschaften offiziell registrieren lassen müssen, wird diese Pflicht in der Praxis von vielen traditionellen afrikanischen Gemeinschaften nicht erfüllt. In diesen Fällen wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt jedoch keine Massnahmen eingeleitet.[7]

Nicht gewinnorientierte, religiös motivierte Aktivitäten, wie z.B. Wohltätigkeits- oder Bildungsarbeit, sind generell von der Steuer befreit. Im Berichtszeitraum gab es keinerlei Anzeichen für Probleme im Zusammenleben der verschiedenen Religionen.[8]

Diese Freiheit ermöglicht es der katholischen Kirche in Ghana, eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Gesellschaft einzunehmen. Zusätzlich zu pastoraler Arbeit ist die Kirche in vielen sozialen Bereichen aktiv. In der katholischen Welt geniesst die ghanaische Kirche auch ausserhalb des Landes ein hohes Ansehen. Ein Beispiel dafür ist der weltweite Appell des ghanaischen Kardinals Peter Turkson, Präsident des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, dass man die päpstliche Enzyklika „Laudato Si“ ernst nehmen und in die Praxis umsetzen solle. Für ihn enthält diese Enzyklika nicht nur eine ökologische, sondern vor allem eine soziale Botschaft.[9]

Ein Problem, welches ausser Ghana auch viele andere westafrikanische Länder betrifft, ist die massenhafte Abwanderung junger Menschen. Viele von ihnen migrieren über den westlichen oder zentralen Mittelmeerraum Richtung Europa.[10] Die ghanaischen Bischöfe haben die Bürger des Landes wiederholt dazu aufgerufen, nicht nach Europa auszuwandern. Europa sei kein automatisches Wohlstands-Versprechen, sagten die Bischöfe in einer im Juni 2016 veröffentlichten Erklärung, die auch vom Rat der Christen Ghanas (Christian Council of Ghana) unterzeichnet wurde. In der Erklärung heisst es: „Mit Traurigkeit hören wir von dem Tod vieler afrikanischer Migranten in den Wüsten Nordafrikas und auf dem Mittelmeer. Wir rufen alle afrikanischen Staaten und Regierungen dazu auf, vorsorgliche Schritte zu unternehmen, um diese Tragödie zu verhindern.“[11] Ebenso kritisierten die Bischöfe die gestiegene Migration nach Südamerika. Die Reise stelle eine „wachsende Gefahr“ dar, hiess es in der Erklärung: „[Afrikaner] dürfen nicht annehmen, dass Europa und andere Orte ihnen automatisch Komfort und Vergnügen bereitstellen.“[12] Die religiösen Führer gingen auch auf die Gefahr des religiösen Fanatismus ein: „[Einige] so genannte Männer und Frauen Gottes stellen unverhohlen ihre Religiosität zur Schau und suggerieren so leichtgläubigen Menschen, sie hätten die Antworten auf all ihre Fragen.“[13]

Die Veröffentlichung der katholischen Bischöfe wurde von der Öffentlichkeit positiv aufgenommen, nicht zuletzt auch von der Politik. Bei der ersten Synode der katholischen Kirche in Ghana, die das Thema „Jugend und Berufung“ hatte, sagte der Sprecher der ghanaischen Regierung Joseph Osei-Owusu: „Unser Land ist heute immer mehr auf Wohlstand ausgerichtet. Das ist besonders für unsere Jugend der Fall. Es heisst quasi: Je reicher du bist, desto besser. Und das stimmt natürlich, wenn man sich an dem Standard einer säkularen Gesellschaft ausrichtet.“ [14]

Im Vorfeld der 15. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, die im Oktober 2018 unter dem Titel „Die Jugendlichen, der Glaube und die Erkenntnis der Berufung“ im Vatikan stattfinden wird, fand in Ghana die Synode „125 Jahre katholische Mission in Accra: Erneuerung unseres Engagements zur Evangelisierung“ statt.

Vorkommnisse

Im Berichtszeitraum wurden keine nennenswerten Verstösse gegen die Religionsfreiheit bekannt. Der Grund hierfür ist, wie oben beschrieben, die grosse religiöse Toleranz, für die Ghana traditionell bekannt ist. Das Phänomen des islamischen Dschihadismus hat sich in Ghana bisher noch nicht in Form gewalttätiger Angriffe manifestiert.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Da das Land politisch stabil ist, werden die religiösen Gemeinschaften in Ghana sehr wahrscheinlich auch in Zukunft in Sicherheit leben können. Es wird erwartet, dass die massenhafte Auswanderung in andere Länder ausserhalb Afrikas weiter anhalten wird. Günstige wirtschaftliche Entwicklungen könnten die Lage jedoch etwas entspannen.

„Im Berichtszeitraum wurden keine nennenswerten Verstösse gegen die Religionsfreiheit bekannt. Der Grund hierfür ist die grosse religiöse Toleranz, für die Ghana traditionell bekannt ist. Das Phänomen des islamischen Dschihadismus hat sich in Ghana bisher noch nicht in Form gewalttätiger Angriffe manifestiert.“

Endnoten / Quellen

[1] „Ghana: Wirtschaft“, Auswärtiges Amt, https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/ghana-node/wirtschaft/203374, (abgerufen am 12. Februar 2018).

[2] „Munzinger Länder: Ghana”, Munzinger Archiv 2018, www.munziger.de/search/login  (abgerufen am 30. März 2018).

[3] Für den Anteil der verschiedenen Religionsgemeinschaften an der Gesamtbevölkerung, vgl. Grim, Brian et. al. (Hrsg.): Yearbook of International Religious Demography 2017, Brill: Leiden/Boston, 2017.

[4] Munzinger Archiv 2018.

[5] vgl. ebd.

[6] Verfassung Ghanas von 1992 mit allen Zusätzen bis 1996, constituteproject.org, https://www.constituteproject.org/constitution/Ghana_1996.pdf?lang=en, (abgerufen am 12. Februar 2018)

[7] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, „Ghana“, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 2. April 2018).

[8] vgl. ebd.

[9] „Turkson: Papstenzyklika nicht nur ökologisch“, Radio Vatikan, 23. September 2015, http://de.radiovaticana.va/news/2015/09/25/%C3%B6sterreich_turkson_ papstenzyklika_nicht_nur_%C3%B6kologisch/1174081, (abgerufen am 12. Februar 2018)

[10] „Steinmeier will Ghanaer zum Bleiben bewegen“, Deutsche Welle, 12. Dezember 2017, http://www.dw.com/de/steinmeier-will-ghanaer-zum-bleiben-bewegen/a-41751303, (abgerufen am 12. Februar 2018)

[11] „Press Statement by the Christian Council of Ghana and the Ghana Catholic Bishops’ Conference’”, St. Thomas Aquinas Parish University of Ghana Legon, 7. Mai 2015, http://www.staplegon.org/index.php/news-and-announcements/general-announcements/91-press-statement-by-the-christian-council-of-ghana-and-the-ghana-catholic-bishops-conference, (abgerufen am 4. April 2018).

[12] „Press Statement by The Christian Council of Ghana and the Ghana Catholic Bishops Conference”, Issued in Accra (18. Mai 2016)’, Knights and Ladies of Marshall, 20. Mai 2016,  http://marshallan.org/press-statement-by-the-christian-council-of-ghana-and-the-ghana-catholic-bishops-conference-issued-in-accra-may-18-2016/, (abgerufen am 4. April 2018).

[13] „Appeal from Christian leaders: Young people, stay in Africa, Europe does not guarantee comforts and pleasures“, Agenzia Fides, 12. Mai 2015, http://www.fides.org/en/news/37796-AFRICA_GHANA_Appeal_from_Christian_leaders_Young_people_stay_in_Africa_Europe_does_not_guarantee_comforts_and_pleasures, (abgerufen am 4. April 2018).

[14] „President of Parliament at the Synod on youth: Seek Christian values and do not be seduced by secularism“, Agenzia Fides, 26th September 2017, http://www.fides.org/en/news/62968-AFRICA_GHANA_President_of_Parliament_at_the_Synod_on_youth_Seek_Christian_values_and_do_not_be_seduced_by_secularism, (abgerufen am 12. Februar 2018).

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KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.