Religion

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Laut Artikel 18 der Verfassung ist religiöse Diskriminierung verboten, und jeder hat das Recht, sich allein oder im Kollektiv, privat oder öffentlich zu seinem Glauben zu bekennen, ihn zu lehren, auszuüben und zu befolgen. Diese Rechte dürfen nur beschnitten bzw. eingeschränkt werden, wenn die nationale Sicherheit, die öffentliche Gesundheit, Sicherheit, Ordnung Moral oder der Schutz der Bürgerrechte es erfordern. Artikel 18 legt ebenfalls fest, dass jede Religion frei und vor dem Gesetz gleich ist, sofern ihre Lehren oder Riten nicht geheim gehalten werden. Weiterhin wird das Recht des Einzelnen geschützt, seine Religion zu wechseln. Erzwungene Übertritte sind ebenso verboten wie der Versuch, andere am Übertritt zu einer anderen Religion zu hindern.

Laut Artikel 110 der Verfassung trägt die Autokephale Griechisch-Orthodoxe Kirche von Zypern die alleinige Verantwortung für ihre internen Angelegenheiten und ihren Besitz gemäss ihrem Kanon und ihrer Satzung. In der Verfassung sind ebenfalls Richtlinien für die muslimische Gemeinschaft festgelegt: die Waqf, eine islamische Institution, verwaltet Gebetsstätten und regelt die religiösen Angelegenheiten der türkischen Zyprioten. Weiterhin verbietet Artikel 110 legislative, exekutive oder
andere Massnahmen, die der Orthodoxen Kirche oder der Waqf entgegenstehen. Die Verfassung erkennt ausserdem drei weiteren Religionen an: die Maronitische Kirche, die Armenisch-Apostolische Orthodoxe Kirche und die „Lateiner“ (Römisch-Katholische Kirche, zumeist zypriotischer Herkunft). Damit erhalten die drei Kirchen Steuerbefreiungen und dürfen Anträge auf Regierungszuschüsse stellen, beispielsweise für den Betrieb von Schulen, um ihre „kulturelle Identität“ zu wahren. [1]

Die wichtigste Moschee in Zypern, die Hala Sultan Tekke Moschee, wird vom Amt für
archäologische Forschung und Kulturerbe geführt. Türkische Zyprioten, die die Moschee besuchen möchten, müssen einen Antrag bei der UN-Friedenstruppe stellen, die dann mit der Regierung Verbindung aufnimmt. [2]

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Berichts wird ein Gesetzesentwurf debattiert, der vorsieht, alle Verweise auf Religionszugehörigkeit in Dokumenten ziviler Eheschliessungen zu entfernen, da unter anderem der Menschenrechtsbeauftragte die erforderliche Offenlegung der Religion als Verletzung der Religionsfreiheit erachtet. [3]

Vorkommnisse

Religion und Ethnizität können in Zypern sehr eng miteinander verwoben sein, wodurch es enorm problematisch wird, ein bestimmtes Ereignis eindeutig und zweifellos einem religiösen Hintergrund zuzuschreiben. Es gab jedoch vermehrt Berichte der jüdischen Gemeinschaft über Verspottung und
Angriffe ihrer Anhänger auf offener Strasse aufgrund der Kippa und der langen Locken. [4]

Grossmufti Talip Atalay, ein engagierter Befürworter des interreligiösen Dialogs, wurde im Juli 2017 für einige Tage aufgrund seiner angeblichen Verbindungen zur Fetullah Gülen-Bewegung festgenommen, obwohl er zuvor seine Ablehnung gegenüber dem Putschversuch der Bewegung am 15. Juli 2016 geäussert hatte. Ein Artikel in der Tageszeitung „Cyprus Mail“ deutete darauf hin, dass seine Festnahme Teil eines Machtkampfes zwischen einer versöhnlichen Fraktion und einer türkisch- nationalistischen war. Der ehemalige Premierminister Nordzyperns, Hüseyin Özgürgün, hatte von Präsident Akinci die Absetzung des Grossmuftis gefordert. [5] Die politische Situation stellt sich als sehr komplex dar. Atalays Versuche, den Islam im traditionell säkularen Norden zu stärken, wurden von
einigen als Politik der Islamisierung gewertet. Atalay dagegen argumentierte, es sei lediglich eine Rückkehr zur Normalisierung nach einer Ära der antireligiösen Linksorientierung. [6]

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Obwohl die religiösen Führer Zyperns sich weiterhin für den interreligiösen Frieden engagieren [7] und bei Fragen der Menschenrechte häufig geeint auftreten (zum Beispiel bei der Position zu Gewalt gegen Mädchen und Frauen), [8] ist die Religionsfreiheit aufgrund des wachsenden politischen Drucks der türkischen Regierung in Gefahr. Liberale türkische Zyprioten befürchten eine Verschlechterung der Situation, da die türkischen Behörden einen weniger versöhnlichen sunnitischen Islam auf die Insel bringen. Einige sind der Auffassung, dass Zypern schlicht eine türkische Provinz werden könnte, was den vergleichsweise freundlichen Beziehungen zwischen den Religionen ein Ende bereiten könnte. [9] Der zuvor beschriebene Fall des Grossmuftis Talip Atalay könnte einen Vorgeschmack darauf sein. Die Zukunft des religiösen Friedens liegt im anhaltenden Dialog zwischen den verschiedenen Gemeinschaften.

„Obwohl die religiösen Führer Zyperns sich weiterhin für den interreligiösen Frieden engagieren und bei Fragen der Menschenrechte häufig geeint auftreten, ist die Religionsfreiheit aufgrund des wachsenden politischen Drucks der türkischen Regierung in Gefahr. Liberale türkische Zyprioten befürchten eine Verschlechterung der Situation, da die türkischen Behörden einen weniger versöhnlichen sunnitischen Islam auf die Insel bringen.“

Endnoten / Quellen

[1] Cyprus’s Constitution of 1960 with Amendments through 2013, constituteproject.org,
https://www.constituteproject.org/Constitution/Cyprus_2013.pdf?lang=en, (besucht am 24. März 2018). Zum Teil, in dem explizit Maroniten, Armenier und Lateiner genannt werden, siehe: Cyprus Act of 1960, Appendix E, Statement by her Majesty’s Government on the rights of smaller religious groups in Cyprus, http://unpan1.un.org/intradoc/groups/public/documents/un-dpadm/unpan039703~1.pdf, (besucht am 24. März 2018).

[2] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor, ‘Cyprus’, International Religious Freedom Report for 2016, US State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (besucht am 24. März 2018).

[3] ‘Bill seeks to remove religion from civil marriage documents’, Cyprus Mail, 30. Mai 2017, http://cyprus-mail.com/2017/05/30/bill-seeks-remove-religion-civil-marriage-documents/, (besucht am 24. März 2018).

[4] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor, op. cit.

[5] Agnieszka Rakoczy, ‘Power struggle to sack Mufti in north’, Cyprus-mail.com, 10. September 2017 http://cyprus-mail.com/2017/09/10/power-struggle-sack-mufti-north/, (besucht am 24. März 2018).

[6] Menelaos Hadjicostis, ‘Split over Islam’s rise in Turkish-occupied north of Cyprus’, Kathimerini, 14. November 2017 http://www.ekathimerini.com/223236/article/ekathimerini/news/split-over-islams-rise-in-turkish-occupied-north-of-cyprus, (besucht am 24. März 2018).

[7]‘Religious leaders committed to dialogue, dismayed at state of churches’, Cyprus Mail, 17. November 2017, http://cyprus-mail.com/2017/11/17/religious-leaders-committed-dialogue-dismayed-state-churches/, (besucht am 24. März 2018).

[8] ‘Cyprus religious leader’s unite against violence to women‘, Crux, 8. März 2017 https://cruxnow.com/global-church/2017/03/08/cyprus-religious-leaders-unite-violence-women/, (besucht am 24. März 2018).

[9] Helena Smith, ‘“We’re not Muslim enough” fear Turkish Cypriots as poll looms’, The Guardian, 6. Januar 2018, https://www.theguardian.com/world/2018/jan/06/were-not-muslim-enough-fear-turkish-cypriots-as-poll-looms, (besucht am 24. März 2018).

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