Religion

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homekeyboard_arrow_rightKomoren

Rechtliche Rahmenbedingungen der Religionsfreiheit und tatsächliche Anwendung

Gemäss der Verfassung von 2001 ist der Islam Staatsreligion. [1] Die Präambel der Verfassung schreibt Gleichberechtigung in Rechten und Pflichten fest, ohne Bezug auf Kategorien wie Geschlecht, Herkunft, Rasse, Religion oder Glauben zu nehmen. [2] Religion fällt in den ausschliesslichen Zuständigkeitsbereich des Staats (Artikel 9). [3]

Nicht alle muslimischen Gruppierungen sind auf den Komoren zulässig. Laut Ministerium für Innere Angelegenheiten ist nur die sunnitische schafiitische Rechtsschule der Ahlus Sunnah wal Jamaah Doktrin im Land erlaubt. [4] Jede Form des Proselytismus oder der religiösen Propaganda für andere Religionen ausser dem oben genannten sunnitischen Islam sind verboten. Ausländische Staatsbürger, die an derartigen Aktivitäten beteiligt sind, können abgeschoben werden.

Ortsansässige, die zum christlichen Glauben konvertieren wollen, sind andauerndem Druck und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. Ausländische Staatsbürger sind davon jedoch nicht betroffen. [5] Der gesellschaftliche Druck, orthodoxen muslimischen Vorschriften und Bräuchen zu folgen, ist überall spürbar. Der Staat scheint in der Strafverfolgung von Anhängern anderer Religionen nicht
unparteiisch zu sein.

Um Imame und Prediger besser kontrollieren zu können, arbeitet das Ministerium für Innere Angelegenheiten mit dem Mufti-Nationalrat (muftiate) daran, einen „Berufsausweis“ herauszugeben, der religiöse und akademische Kompetenzen zertifizieren soll. [6] Diese Massnahme scheint gegen religiösen Radikalismus gerichtet zu sein.[7]

Zwischenfälle

Am 11. Oktober 2016 veröffentlichte das Ministerium für Innere Angelegenheiten ein Verbot von nicht-sunnitischen Praktiken. [8] In den darauffolgenden Tagen wurden in Moroni und Mutsamudu schiitische Kleriker vorübergehend festgenommen, nachdem sie in ihren Privatwohnungen das Aschura-Fest gefeiert hatten. [9]

Am 30. November 2016 verbat der Ministerrat das Feiern von Maulid (Geburtstag des Propheten) in allen Staatsunternehmen. Die von der Regierung organisierte Maulid-Feier auf dem Unabhängigkeitsplatz wurde hingegen erlaubt. [10]

Vertreter der Regierung ordneten den Abriss der Minarette der Ahmadiyya-Moschee in Anjouan am 8. Januar 2017 an. Der Minister für Innere Angelegenheiten, Mohamed Daoudou, hatte den Abriss angeordnet. Er beschuldigte die Ahmadiyya-Gemeinschaft der Aufwiegelung. Der Rest des Gebäudes wurde in eine Polizeistation umgewandelt. [11] In einer Erklärung distanzierte sich das Ministerium für Justiz und islamische Angelegenheiten von dieser Entscheidung. [12]

Am 4. April 2017 riefen die komorischen Ulamas die Regierung dazu auf, Massnahmen zu ergreifen um regionale Radiosender daran zu hindern, das Lied „Yiyo Yiremwa“ des komorischen Künstlers Ali Combo zu spielen. Das Lied bedrohe die guten Sitten. [13]

Am 4. September 2017 vertrieben die Behörden des Dorfs Nioumadzaha Bambao (Ngazidja) den lokalen Prediger „Pilote“, nachdem sie in beschuldigt hatten, „subversive“ religiöse Ideen verbreitet zu haben. [14]

Am 9. September 2017 wurden 28 Menschen zu einem bis zwei Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem sie Aid-el-Kebir am Freitag, den 1. September gefeiert hatten, anstatt am Samstag, den 2. September, dem offiziell vom Grossmufti festgelegten Datum. Sie waren beschuldigt worden, den sozialen Zusammenhalt und die religiöse Einheit bedroht zu haben. [15] Die Staatsanwaltschaft betonte, die Komoren seien kein säkulärer Staat. [16]

Ausblick der Religionsfreiheit

Es existiert keine Religionsfreiheit auf den Komoren für Menschen, die nicht dem sunnitischen, schafiitischen Ritus angehören. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich dies in naher Zukunft ändern wird.

„Der gesellschaftliche Druck, orthodoxen muslimischen Vorschriften und Bräuchen zu folgen, ist überall spürbar. Der Staat scheint in der Strafverfolgung von Anhängern anderer Religionen nicht unparteiisch zu sein.“

Endnoten / Quellen

[1] ‘Comoros’, ARDA (Association of Religion Data Archives),
http://www.thearda.com/internationalData/countries/Country_56_6.asp, (abgerufen am 14. März 2018).

[2] vgl. ebd.

[3] vgl. ebd.

[4] Vgl. die Präsidialverordnung, die Anfang 2013 zu dem Thema herausgegeben wurde. Kürzlich wurde ausserdem eine Mitteilung des Ministers für Innere Angelegenheiten abgedruckt, datiert auf den 11. Oktober 2016:‘Islam: Seul le rite chaféite est autorisé en Union des Comores’, Ndzuwani-2016 [web blog], http://ndzuwani-2016.skyrock.com/3284044682-Islam-Seul-le-rite-chafeite-est-autorise-en-Union-des-Comores.html, (abgerufen am 14. März 2018).

[5] Bureau of Democracy, Human Rights and Labor, ‘Comoros, International Religious Freedom Report for 2016, U.S. State Department, https://www.state.gov/j/drl/rls/irf/religiousfreedom/index.htm#wrapper, (abgerufen am 8. Februar 2018).

[6] vgl. ebd.

[7] Ali Abdou, ‘Religion : Vers la mise en place de la carte professionnelle des prêcheurs et imams’ , Al-Watwan, 19 th January 2018, http://www.alwatwan.net/societe/religion-vers-la-mise-en-place-de-la-carte-professionnelle-des-prêcheurs-et-imams.html, (abgerufen am 14. März 2018).

[8] Vgl. Ndzuwani-2016 blog, op. cit.

[9] Bureau of Democracy, Human Rights, and Labor, op. cit.

[10] Diese Entscheidung entstand wohl mehr aus wirtschaftlichen als religiösen Bedenken (kein Budget für Feiern). Vgl. ‘Les « Maoulid » bannis dans les sociétés d'État’, 2. Dezember 2016, La Gazette des Comores, http://lagazettedescomores.com/soci%C3%A9t%C3%A9/libert%C3%A9-de- culte/d%C3%A9molition-partielle-d%E2%80%99une-mosqu%C3%A9e-ahmadiyya-le-ministre-de-l%E2%80%99int%C3%A9rieur-s%E2%80%99explique.html, (abgerufen am 14. März 2018).

[11] ‘Liberté de culte/démolition partielle d'une mosquée Ahmadiyya: El ministre de l'intérieur s'explique’, La Gazette des Comores, 11 th January 2017,
http://lagazettedescomores.com/soci%C3%A9t%C3%A9/libert%C3%A9-de-culte/d%C3%A9molition-partielle-d%E2%80%99une-mosqu%C3%A9e-ahmadiyya-le-ministre-de-l%E2%80%99int%C3%A9rieur-s%E2%80%99explique.html, (abgerufen am 14. März 2018);
‘Opèration de 'destruction' d'une mosquée 'Ahmadiyya' à Anjouan’, Habariza Komori, 8. Januar 2017, http://www.habarizacomores.com/2017/01/operation-de-destruction-dune-mosquee.html, (abgerufen am 14. März 2018).

[12] Maoulida Mbaé, ‘Destruction de la mosquée Ahmadiyya / Le premier flic désavoué par le ministère des affaires religieuses”, La Gazette des Comores, 13. Januar 2017,
http://lagazettedescomores.com/soci%C3%A9t%C3%A9/destruction-de-la-mosqu%C3%A9e-
ahmadiyya-/-le-premier-flic-d%C3%A9savou%C3%A9-par-le-minist%C3%A8re-des-affaires-
religieuses.html, (abgerufen am 14. März 2018).

[13] ‘Les ulémas s’élèvent contre le tube d’Ali combo’, Al-Watwan, 4. April 2017,
http://www.alwatwan.net/societe/les-ul%C3%A9mas-s%E2%80%99%C3%A9l%C3%A8vent-contre-le-tube-d%E2%80%99ali-combo.html, (abgerufen am 14. März 2018).

[14] Toufé Maecha, ‘Nioumadzaha Bambao: 'Un prédicateur chassé du village pour ses opinions religieuses jugées 'subversives’, La Gazette des Comores, 4 th September 2017,
http://lagazettedescomores.com/société/nioumadzaha-bambao-un-prédicateur-chassé-du-village-pour-ses-opinions-religieuses-jugées-«-subversives-»-.html, (abgerufen am 14. März 2018).

[15] ‘Comores: la justice condamne des musulmans pour avoir désobéi au grand mufti’, RFI, 9.
September 2017, http://www.rfi.fr/afrique/20170909-comores-verdict-justice-affaire-dissidents-aid-el-kebir, (abgerufen am 14. März 2018).

[16] Nazir Nazi, ‘Fête de l’Aïd el-kabir : “Nous ne sommes pas un État laïc’, Al Watwan, 5. September 2017, http://www.alwatwan.net/societe/f%C3%AAte-de-l%E2%80%99a%C3%AFd-el-kabir-%E2%80%9Cnous-ne-sommes-pas-un-etat-la%C3%AFc%E2%80%9D.html, (abgerufen am 14. März 2018).

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