Religion

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Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Die Religionsfreiheit ist in der kroatischen Verfassung verankert. [1] Alle Religionsgemeinschaften sind vor dem Gesetz gleich; eine Staatsreligion gibt es nicht. Darüber hinaus steht es allen Religionsgemeinschaften frei, den Glauben öffentlich zu praktizieren und Schulen sowie gemeinnützige Einrichtungen zu betreiben. Um offiziell anerkannt zu werden, muss eine Glaubensgemeinschaft mindestens 500 Mitglieder haben und seit fünf Jahren in Kroatien registriert sein.

Der kroatische Staat hat mit verschiedenen Religionsgemeinschaften eigene rechtliche Vereinbarungen getroffen. [2] In diesen ist z. B. geregelt, in welcher Höhe die Mitarbeiter der jeweiligen Gemeinschaft staatliche Beihilfen erhalten, welche Pensionsansprüche sie haben und welche staatliche Förderung für den Erhalt und die Instandsetzung kirchlicher Gebäude gewährt wird. Ferner enthalten diese Verträge Bestimmungen hinsichtlich des Zugangs von Seelsorgern zu Gefängnissen sowie militärischen und staatlichen Einrichtungen, [3] der besonderen Ernährungsbedürfnisse von Adventisten und Muslimen und des bezahlten Urlaubs für Muslime an islamischen Festtagen, die keine gesetzlichen Feiertage sind. Auch sind Eheschliessungen, die durch Amtsträger dieser Glaubensgemeinschaften vollzogen werden, offiziell anerkannt und müssen nicht zusätzlich standesamtlich eingetragen werden. Ferner wird an staatlichen Schulen Religionsunterricht in Zusammenarbeit mit den Religionsgemeinschaften erteilt, die einen Vertrag mit dem Staat haben und entsprechend registriert sind. Die Teilnahme ist für Schüler freiwillig. An den Grundschulen erhalten etwa 90% der Kinder katholischen Religionsunterricht. An den weiterführenden Schulen beträgt der
Anteil noch 65 %; hier wird alternativ das Fach Ethik angeboten. Nichtregistrierte
Religionsgemeinschaften hingegen dürfen keinen schulischen Religionsunterricht anbieten; auch erhalten sie keine staatlichen Fördermittel für ihre religiösen Tätigkeiten.

Zu den derzeit (Stand Ende 2017) 54 in Kroatien registrierten Religionsgemeinschaften gehören die Serbisch-orthodoxe Kirche, die Mazedonisch-orthodoxe Kirche, die Bulgarisch-orthodoxe Kirche, die Christlich-Adventistische Kirche, die Kirche Gottes, die Kirche Christi, die Pfingstkirche, die Evangelische Kirche, die Koordination Jüdischer Gemeinden in Kroatien, die Kroatische
Altkatholische Kirche, die Islamische Gemeinschaft in Kroatien, die Reformierte Christliche Kirche, die Union baptistischer Kirchen in Kroatien, die Reformbewegung der Siebenten-Tags-Adventisten, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die Union der Pfingstkirchen Christi, die Kirche des Vollen Evangeliums, die Kirchenallianz Wort des Lebens, die Protestantisch-Reformierte Christliche Kirche sowie die jüdische Gemeinschaft Beth Israel.

Mehrere katholische Feste sind in Kroatien gesetzliche Feiertage. Anhängern anderer Glaubensrichtungen ist die Feier ihrer hohen religiösen Feste gesetzlich erlaubt.

Die Katholische Kirche ist die bei weitem grösste Glaubensgemeinschaft in Kroatien. Der Staat hat ihre historische und kulturelle Bedeutung sowie ihre gesellschaftliche Stellung anerkannt, indem er zwischen 1996 und 1998 vier Konkordate mit dem Heiligen Stuhl schloss. [4] In diesen ist unter
anderem eine staatliche Förderung für bestimmte kirchliche Amtsträger über Zahlungen aus dem staatlichen Pensionshaushalt und dem Gesundheitsetat vorgesehen.

Darüber hinaus sind in den Konkordaten die Militärseelsorge und der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen geregelt. Neben der Katholischen Kirche dürfen in Kroatien 16 weitere Glaubensgemeinschaften im Rahmen ihres jeweiligen Staatsvertrags Religionsunterricht in öffentlichen Schulen anbieten; Voraussetzung ist, dass mindestens sieben Mitglieder der betreffenden
Gemeinschaft die Schule besuchen.

Die Katholische Kirche in Kroatien ist in 17 Diözesen und 1.598 Pfarrgemeinden gegliedert; zurzeit gibt es 25 Bischöfe, 2.343 Priester und 3.711 Ordensmitglieder. [5] Es gibt einen katholischen Fernsehsender namens Laudato TV, zwei katholische Radiosender sowie zahlreiche wöchentlich oder
monatlich erscheinende Zeitschriften. Ausserdem sind diverse katholische Nachrichtenportale im Internet bei den Gläubigen beliebt. Des Weiteren existieren viele katholische Berufsverbände, deren Mitglieder allerdings vorwiegend den unteren Schichten der Arbeitnehmerschaft angehören. Die Zahl der Berufungen zum Priestertum und zum Ordensleben ist unter Männern vergleichsweise stabil geblieben; dagegen ist die Zahl der Frauen rückläufig, die sich zu einem Leben als Ordensschwester berufen fühlen. Mit der Einführung des schulischen Religionsunterrichts hat der Laienstand rasch an Bedeutung gewonnen. Geistliche und Laien wehren sich mit vereinten Kräften gegen den Säkularismus.

In Kroatien dürfen Religionsgemeinschaften den öffentlichen Raum nutzen, um Demonstrationen zu Themen von gesellschaftlichem Belang abzuhalten. Als Beispiel sei der „Marsch für das Leben“ genannt, der am 20. Mai 2017 stattfand. Nach Angaben der Polizei und der kroatischen Medien nahmen in der Hauptstadt Zagreb 20.000 Menschen daran teil; weitere 5.000 demonstrierten in Split, der zweitgrössten Stadt des Landes. [6]

Als Zeichen für die guten Beziehungen zwischen der Katholischen und der Orthodoxen Kirche im Lande kann der hohe Kooperationsgrad gewertet werden, der den Dialog im Zusammenhang mit einer Heiligsprechung auszeichnete. Die gemeinsame orthodox-katholische Kommission, die sich mit dem Leben des Seligen Alojzije Stepinac beschäftigte, kam am 12. und 13. Juli 2017 im Domus Sanctae Marthae in Rom zu ihrem sechsten und letzten Treffen zusammen. Zum Abschluss der Gesprächsrunden bereitete das Sekretariat des Heiligen Stuhls eine gemeinsame Erklärung vor, die
von beiden Seiten verabschiedet wurde. In der Erklärung wurde festgestellt, dass die Meinungen der Orthodoxen und der Katholischen Kirche zu dem Kardinal nach wie vor auseinandergingen; es wurde jedoch anerkannt, dass die Entscheidung letztendlich beim Papst liegen müsse. [7] Die Mitglieder der Kommission waren zu dem Schluss gekommen, dass verschiedene Ereignisse im Leben des Kardinals
sowie seine Reden, Schriften, Ansichten und auch sein Schweigen weiterhin verschiedene Interpretationsmöglichkeiten offenliessen.

Vorkommnisse

Im März 2017 gab die Serbisch-orthodoxe Kirche bekannt, dass unbekannte Personen mehrere orthodoxe Gotteshäuser geschändet hätten und in die Kirchen des Heiligen Georgs in Kričke und die Kirche Johannes des Täufers in Miočić (nahe Drniš) eingebrochen seien. [8] Die Täter hätten weder die orthodoxen Schreine gestohlen noch die Ikonen oder andere Sakralgegenstände geschändet; über ihr Motiv herrsche Unklarheit. Des Weiteren hiess es in der Erklärung, dass am 19. März 2017 in eine Kirche in Medvidja eingebrochen wurde; dabei sei die südliche Kirchentür beschädigt worden. Der Pfarrer des Ortes habe sofort die Polizei informiert, die schnell zur Stelle gewesen sei und die Ermittlungen aufgenommen habe.

In der Stadt Sinj wurde das Gebäude einer serbisch-orthodoxen Kirche mit serbenfeindlichen Schmierereien verunstaltet (darunter dem Emblem einer nationalistischen kroatischen Organisation, die im Zweiten Weltkrieg an der Macht war). [9]

Die Erzdiözese Split-Makarska erhob Einwände gegen die Aufnahme des Stücks „Naše nasilje i vaše nasilje“ (Unsere Gewalt und eure Gewalt) ins Programm des Theaterfestivals „Marulićevi Dani“ in Split. [10] Die Erzdiözese gab an, dass die Inszenierung des kroatischen Theaterregisseurs Oliver Frljić von Bürgern und Gläubigen als beleidigend aufgefasst werde, und rief die Veranstalter des Festivals dazu auf, die Aufnahme ins Programm zu überdenken. In dem Stück gibt es u. a. eine Szene, in der eine mit einem Hidschab bekleidete Frau von Jesus vergewaltigt wird, nachdem sie eine Nationalflagge aus ihrer Vagina gezogen hat. Die Erzdiözese habe sich veranlasst gesehen zu handeln, nachdem sie zahlreiche Beschwerden von Gläubigen erhalten habe, die angesichts des Theaterstücks erschüttert und angewidert waren.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Die Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Kroatien werden stark davon beeinflusst, welche politische Partei an der Macht ist. Katholische Gläubige befürworten im Allgemeinen, dass die politischen Strukturen des Landes nicht von Konfessionalismus bestimmt werden. Obgleich der Anteil der Katholiken an der Bevölkerung sehr hoch ist, ist die kroatische Gesellschaft von einem
weltanschaulichen Pluralismus geprägt.

Grössere Spannungen existieren in Bezug auf das bevorzugte Staatskonzept (zum einen das säkulare Modell, wie es die Europäische Union vorschlägt; zum anderen ein Modell, in dem der Religion eine wichtige Rolle zukommt). Das Problem wird dadurch verstärkt, dass Ethnizität nach wie vor ein bedeutendes gesellschaftliches Thema in Kroatien ist: 90% der Staatsbürger sind Kroaten, lediglich 4,4% Serben, der Rest überwiegend Bosnier, Italiener, Albaner und Ungarn.

Einige liberal eingestellte Organisationen der Zivilgesellschaft nehmen grossen Einfluss auf die Politik und propagieren den Säkularismus in Kroatien. So vertreten manche eine radikal säkulare Weltanschauung, in der eine atheistische oder agnostische Auffassung von Religion hochgehalten wird, um politische Neutralität zu erreichen. Befürworter dieses Weltbilds sind der Meinung, dass es
im Namen der Demokratie gelte, Glaubensgemeinschaften von der öffentlichen Debatte zu gesellschaftlich und ethisch relevanten Themen (wie z. B. Abtreibung, gleichgeschlechtliche Ehe und Sterbehilfe) auszuschliessen.

Diese säkulare Ideologie, in welcher der Glaube oftmals als Kraft des Bösen dargestellt wird, stellt die Katholische Kirche, die die nationale, kulturelle und religiöse Identität des modernen Kroatien massgeblich geprägt hat, vor eine Herausforderung – die für Christen allerdings auch eine Motivation ist, sich in den Dialog zu politischen Themen auf jeder Ebene einzubringen. Es bleibt abzuwarten, ob Kroatien sich zu einem zunehmend säkularen Staat entwickelt oder ob das Land ein Ort der Begegnung für unterschiedliche Religionsgemeinschaften zu sein vermag, die zur Förderung des Gemeinwohls mit den politischen Strukturen an einem Strang ziehen.

„Die säkulare Ideologie, in welcher der Glaube oftmals als Kraft des Bösen dargestellt wird, stellt die Katholische Kirche, die die nationale, kulturelle und religiöse Identität des modernen Kroatien massgeblich geprägt hat, vor eine Herausforderung – die für Christen allerdings auch eine Motivation ist, sich in den Dialog zu politischen Themen auf jeder Ebene einzubringen.“

Endnoten / Quellen

[1] Artikel 14, 17, 39, und 40 der Verfassung der Republik Kroatien.

[2] Gesetz über die Religionsgemeinschaften. Amtsblatt der Republik Kroatien, Narodne novine 83, 2002, Register für Religionsgemeinschaften, Ministerium für öffentliche Verwaltung.

[3] Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Kroatien bezüglich der Seelsorge für Katholiken in den militärischen Streitkräften und in der Polizei der Republik Kroatien sowie Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Kroatien bezüglich der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Erziehung, der Bildung und der Kultur. Narodne novine (Amtsblatt der Republik Kroatien – Internationale Verträge) 2, 1997.

[4] Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Kroatien bezüglich juristischer Fragen. Narodne novine (Amtsblatt der Republik Kroatien – Internationale Verträge) 3, 1997; sowie Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Republik Kroatien bezüglich wirtschaftlicher Fragen. Narodne novine (Amtsblatt der Republik Kroatien – Internationale Verträge) 18,
1998.

[5] Zentrales Statistikbüro der Kirche.

[6] Die meisten Menschen versammelten sich in Zagreb. Gegendemonstranten stellten sich dem Umzug in den Weg und wurden von der Polizei abgeführt. Jutarnji List, 20. Mai 2017, https://www.jutarnji.hr/vijesti/hrvatska/foto-video-hod-za-zivot-u-zagrebu-se-okupio-veci-broj-ljudi-protuprosvjednici-blokirali-prolaz-povorci-policija-ih-potrpala-u-maricu/6097488/

[7] Der Papst wird über die Heiligsprechung von Alojzije Stepinac entscheiden. Večernji List, 15. Juli 2017, https://www.vecernji.hr/vijesti/papa-alojzije-stepinac-kardinal-1182433

[8] Einbrüche in orthodoxe Kirchen. Novosti, 15. März 2017, https://www.portalnovosti.com/provale-u-dalmatinske-hramove

[9] Das Emblem der Ustascha wurde an serbisch-orthodoxe Kirche in Sinj gemalt, Tportal, 7. März 2017, https://www.tportal.hr/vijesti/clanak/na-pravoslavnoj-crkvi-u-sinju-osvanuli-ustaski-simboli-20170307

[10] Wie sollte man nicht gekränkt sein, wenn jemand die Kultureinrichtungen nutzt, um andere zu verunglimpfen und herabzuwürdigen. Vecernji List, 22. April 2017, https://www.vecernji.hr/kultura/nadbiskupija-protiv-frljica-kako-ne-biti-zgrozen-kada-se-u-hramu-kulture-na-najvulgarniji-nacin-druge-omalovazava-i-blati-1164918

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