Religion

2.904.000Bevölkerung

28.748 Km2Fläche

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homekeyboard_arrow_rightAlbanien

Gesetzeslage zur Religionsfreiheit und deren faktische Anwendung

Gemäss der im Oktober 1998 in Kraft getretenen Verfassung ist die Republik Albanien ein säkularer Staat, der „die Freiheit der religiösen Überzeugungen achtet und die freie Religionsausübung gewährleistet“. In Artikel 24 heisst es: „Jedem steht es frei, seine Religion oder seinen Glauben selbst zu wählen oder zu ändern, diesen einzeln oder gemeinsam, in der Öffentlichkeit oder im Privatleben durch kultische Verehrung, beim Religionsunterricht … oder bei der Einhaltung von Riten zum Ausdruck zu bringen“.[1] Artikel 18 der Verfassung untersagt Diskriminierungen aus religiösen Gründen.[2] Die Zerstörung oder Beschädigung religiöser Objekte und die Verhinderung religiöser Feiern gelten als strafbare Handlungen.

Einige Albaner fühlen sich ethnischen Gruppierungen zugehörig, die in manchen Fällen direkt mit einer bestimmten Religion verbunden sind. Laut Volkszählung 2011 unterteilen sich diese ethnischen Gruppierungen wie folgt: 82,58 % Albaner, 0,87 % Griechen, 0,3 % Roma, 0,3 % Walachen, 0,2 % Mazedonier, 0,12 % Balkan-Ägypter und 15,63 % Sonstige.[3]

Eine staatliche Registrierung oder Genehmigung von Religionsgemeinschaften ist nicht erforderlich.

Der im September 1999 gegründete staatliche Ausschuss für religiösen Kult regelt das Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften. Der Ausschuss führt Aufzeichnungen und Statistiken über die ausländischen religiösen Organisationen, die Anfragen an ihn richten. Darüber hinaus können Religionsgemeinschaften den offiziellen Status einer juristischen Person erlangen. Gemäss dem Gesetz über gemeinnützige Organisationen, das den Status von Einrichtungen mit kulturellem, religiösen oder humanitären Charakter regelt, kann eine entsprechende Eintragung beim Bezirksgericht Tirana erfolgen.[4]

Der staatliche Ausschuss für religiösen Kult führt insgesamt 245 religiöse Gruppen, Organisationen und Stiftungen auf, zu denen die vier im Land traditionell vertretenen Glaubensgemeinschaften – zwei muslimische (Sunniten und Bektaschi) und zwei christliche (der Römisch-Katholischen Kirche und der Autokephalen Orthodoxen Kirche von Albanien) – zählen. Darüber hinaus gehören dazu verschiedene protestantische Konfessionen sowie Bahai, die Zeugen Jehovas, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) und eine kleine jüdische Gemeinschaft.

Der Staat hat individuelle bilaterale Verträge mit der Römisch-Katholischen Kirche, der Muslimischen Gemeinschaft Albaniens, der Albanisch-Orthodoxen Kirche, dem Weltzentrum der Bektaschi und der Evangelischen Bruderschaft in Albanien (einer protestantischen Dachorganisation – VUSH) geschlossen.

Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ist gesetzlich untersagt.

Nach amtlichen Zahlen betreiben Religionsgemeinschaften über Verbände und Stiftungen 103 Bildungseinrichtungen. Diese Schulen bedürfen der Genehmigung durch das Ministerium für Bildung und Sport. Zahlreiche staatlich genehmigte Schulen werden von katholischen und muslimischen Gemeinschaften geleitet. Die Orthodoxe Kirche betreibt kirchliche Schulen und eine Universität.

Im Oktober 2016 verabschiedete das albanische Parlament eine Resolution, in der es die Verbrechen der ehemaligen kommunistischen Regierung an einzelnen Gläubigen verurteilte. Ein Amt für die Rückgabe und die Entschädigung von Eigentum wurde gegründet, um Angelegenheiten in Verbindung mit religiösen Besitztümern zu regeln. Eigentumsbescheinigungen für Hunderte von religiösen Bauten wurden von diesem Amt ausgehändigt, doch ist die Rückgabe der Eigentümer, die bestimmten Religionsgemeinschaften gehören, bislang nicht abgeschlossen. Im April 2017 vergab die Regierung eine Summe in Höhe von 740.000 Euro (860.000 CHF) an die fünf offiziellen Religionsgemeinschaften. Zudem wurden die Stromgebühren für religiöse Bauten gesenkt.[5]

In Albanien gibt es zwei muslimische Glaubensrichtungen: den moderaten sunnitischen Islam und die Bektaschi-Schule, eine besonders liberale Form des Islam schiitisch-sufistischer Prägung. Die Bektaschi, die in Albanien zwei Millionen Anhänger haben, sind (mit Ausnahme einiger Schiiten in einem kleinen Gebiet in der Türkei) die einzigen in Europa beheimateten schiitischen Muslime. Bei den Bektaschi tragen Frauen keine Kopfbedeckung. Ebenso sind Frauen in den „Khabes“, dem Äquivalent einer Kirche oder Moschee, zugelassen. Es wird nicht auf Arabisch gebetet. Das Weltzentrum der Bektaschi befindet sich in Albanien.

Das Christentum hielt in Albanien im 1. Jahrhundert Einzug. Die Überreste zahlreicher paläochristlicher Kirchen, die aus der frühesten Christenzeit stammen, sind im ganzen Land zu finden. Zur Zeit der türkischen Invasion gegen Ende des 15. Jahrhunderts war der Norden Albaniens überwiegend katholisch, während die Mitte und der Süden des Landes grösstenteils orthodox geprägt waren.

Die kommunistische Revolution von 1945 markierte den Beginn der extremen Verfolgung aller Religionsgemeinschaften. 1967 wurde Albanien offiziell zum ersten atheistischen Staat der Welt erklärt. Unter dem Regime von Enver Hoxha wurden alle religiösen Gebäude, darunter 2.169 Kirchen, Moscheen und Klöster, zerstört oder zu Sportstätten, Lagerhäusern oder sonstigen nichtreligiösen Einrichtungen umfunktioniert. Ungefähr 300 Geistliche wurden zu Tode, zu Gefängnisstrafen oder zur Deportation verurteilt. Bis zum Zerfall des Kommunismus im Jahr 1991 waren öffentliche Glaubensbekundungen verboten.

Die religiösen und intellektuellen Führer der Katholischen Kirche in Albanien wurden ausgelöscht. Von den sieben Bischöfen und 200 Priestern und Ordensfrauen, die vor der kommunistischen Machtübernahme in Albanien tätig waren, waren am Ende der kommunistischen Herrschaft nur noch ein Bischof sowie 30 Priester und Ordensfrauen am Leben. Nach dem Ende des Kommunismus musste die Katholische Kirche im Land wieder fast bei null anfangen. Seither wurden einige neue Kirchen gebaut und Gemeinden und Diözesen gegründet. Auch Priesterseminare wurden eröffnet. Bei einem eintägigen Besuch weihte Papst Johannes Paul II. 1993 vier Bischöfe. 1994 wurde erstmals ein albanischer Bischof zum Kardinal ernannt. Im April 2016 erklärte Papst Franziskus 38 albanische Katholiken zu Märtyrern, die während des kommunistischen Terrors zu Tode gekommen waren.

Im Jahr 1992 wurde die Autokephale Orthodoxe Kirche von Albanien neu gegründet. Nach dem Fall des Kommunismus wurden 250 orthodoxe Kirchen errichtet oder wiedereröffnet und 100 Priester geweiht.

Die evangelischen Kirchen, unter anderen auch Baptisten, Brüder und Lutheraner, zählen rund 3.000 Mitglieder und 160 Kirchengebäude.

Muslime und Christen in Albanien pflegen generell ein gutes Verhältnis. Mitglieder von kleinen, kulturell isolierten Religionsgemeinschaften messen der nationalen Einheit seit je mehr Bedeutung als den religiösen Unterschieden bei. In der Hauptstadt Tirana teilen sich Muslime und Christen einen Friedhof.

Im November 2016 besuchten 20.000 Albaner und Gäste eine Messe in der Stephanskathedrale in Shkodra, um der Seligsprechung von 38 Katholiken beizuwohnen, die unter dem Regime von Enver Hoxha verfolgt wurden und zu Tode kamen. Der Prozess der Seligsprechung der Märtyrer begann 2002 und wurde 2010 abgeschlossen. Ein von Papst Franziskus unterzeichneter Beschluss sah die Seligsprechung am 5. November 2016 vor.[6]

Im Dezember 2017 verlieh Albaniens Präsident IIir Meta dem Erzbischof Anastasios, Oberhaupt der Autokephalen Orthodoxen Kirche von Albanien (AOAC), die albanische Staatsbürgerschaft. Dabei betonte der Präsident, dass der Erzbischof einen erheblichen Beitrag „zur vollständigen kanonischen und spirituellen Wiederbelebung der Autokephalen Orthodoxen Kirche von Albanien“ geleistet habe.[7]

Im Januar 2015 nahmen die Oberhäupter der vier Hauptreligionen Albaniens – der Muslimischen Gemeinschaft, der Orthodoxen Kirche, der Bektaschi und der Katholischen Kirche – gemeinsam an einem Marsch in Paris zum Gedenken an die Opfer von Charlie Hebdo teil.[8]

Laut einer vom albanischen Institut für Demokratie 2017 durchgeführten Studie glauben 73 % der Albaner mehr an religiöse Institutionen als an alles andere.[9]

Vorkommnisse

Im zweijährigen Berichtszeitraum fanden laut Untersuchungen keine wesentlichen Vorkommnisse statt.

Perspektiven für die Religionsfreiheit

Die religiöse Toleranz, die zwischen der Muslimischen Gemeinschaft, der Orthodoxen Kirche und der Katholischen Kirche herrscht, bleibt eine der zentralen Säulen für die Stabilität der albanischen Gesellschaft. Allerdings bilden fehlende Bildungsmöglichkeiten, Armut und Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen den Nährboden für die Indoktrination mit radikal islamistischem Gedankengut.

Andererseits könnte sich der wachsende wirtschaftliche und kulturelle Einfluss, den die Türkei auf Albanien ausübt, in naher Zukunft erheblich auf die interreligiösen Beziehungen auswirken. Der Bau der grössten Moschee des Balkans mit Investitionskosten in Höhe von 30 Mio. Euro (34 Mio. CHF), die im Zentrum von Tirana errichtet werden soll, ist das deutlichste Zeichen für die wachsenden Ambitionen der Türkei im Land. Es bleibt abzuwarten, ob die zunehmenden türkischen Interessen in Albanien die Oberhand über das Ziel der angestrebten EU-Mitgliedschaft gewinnen und ob sich geopolitische Aspekte auf die Religionsfreiheit in diesem Balkanland auswirken.

„Die religiöse Toleranz bleibt eine der zentralen Säulen für die Stabilität der albanischen Gesellschaft. Allerdings bilden fehlende Bildungsmöglichkeiten, Armut und Arbeitslosigkeit bei jungen Menschen den Nährboden für die Indoktrination mit radikal islamistischem Gedankengut. Auch könnte sich der wachsende wirtschaftliche und kulturelle Einfluss, den die Türkei auf Albanien ausübt, in naher Zukunft erheblich auf die interreligiösen Beziehungen auswirken.“

Endnoten / Quellen

[1] Constitution of the Republic of Albania, 28. November 1998, Artikel 24 Absatz 2 (laut Stand am 29. Mai 2018), https://www.osce.org/albania/41888

[2] Ibid

[3] Census Knowledge Base, „Albania 2011 Census – A New Urban Rural Classification of Albanian Population“, 2014 – https://unstats.un.org/unsd/censuskb20/KnowledgebaseArticle10728.aspx (laut Stand am 29. Mai 2018)

[4] Decision 459 For the Establishment of the State Committee for Cults, 23. September 1999 (laut Stand am 24. Februar 2018), http://www.legislationline.org/topics/country/47/topic/78

[5] European Commission, „Albania 2018 Report“, 17. April 2018, Straßburg, (laut Stand am 30. April 2018), https://eeas.europa.eu/sites/eeas/files/20180417-albania-report.pdf

[6] Oculus News, Albanian Martyrs beatified by Catholic Church, November 2017, http://www.ocnal.com/2016/11/albanian-martyrs-beatified-by-catholic.html (laut Stand am 24. Februar 2018)

[7] Ilda Mara, A Christmas Gift to the Orthodox Community in Albania, 25. Dezember 2017, Albanian Daily News, http://www.albaniannews.com/index.php?idm=17493&mod=2 (laut Stand am 24. Februar 2018)

[8] Simon Crerar, The Albanian delegation at the Paris anti-terror march made a particularly powerful picture, BuzzFeed, 12. Januar 2015, https://www.buzzfeed.com/simoncrerar/albanian-delegation-paris-march?utm_term=.dalr0bznz#.kgGXRrLWL (laut Stand am 24. Februar 2018)

[9] Institute for Democracy and Mediation, Public Opinion Poll „Trust in Governance 2016“, UNDP, 10. Februar 2017, http://www.al.undp.org/content/albania/en/home/library/democratic_governance/opinion-poll–trust-in-governance-2016–.html (laut Stand am 30. April 2018)

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