Jüdin aus Fenster im dritten Stock gestoßen

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FRANKREICH
FALLSTUDIE

April 2017

Dr. Sarah Halimi, eine 65-jährige Jüdin, wird in ihrer Pariser Wohnung von einem Eindringling geschlagen und aus einem Fenster im dritten Stock gestossen.

Als mutmaßlicher Mörder wurde ein Muslim malischer Herkunft angeklagt, der im gleichen Wohnblock lebte. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts war sein Verfahren noch anhängig. Nachbarn – darunter auch Muslime – sagten aus, der Mann habe religiöse Parolen rezitiert, während er die Frau tötete, u. a. Abschnitte aus dem Koran.

Kritik wurde angesichts der Tatsache geäußert, dass die französischen Behörden und Medien die religiöse Dimension außer Acht ließen. Demonstranten – jüdische Gruppen, prominente Intellektuelle sowie einige Politiker – zeigten sich besonders darüber verärgert, dass in der Anklageschrift keinerlei Bezug auf einen antisemitischen Hintergrund genommen wurde. Der mutmaßliche Täter hatte auf vorübergehende Unzurechnungsfähigkeit plädiert, da er unmittelbar vor der Tat viel Cannabis konsumiert hatte. Gerichtspsychiater waren bezüglich seiner Verhandlungsfähigkeit geteilter Meinung. Ende Februar 2018, zehn Monate nach dem Anschlag, wurde Dr. Halimis Tod schließlich vom Gericht offiziell neu klassifiziert: als „Mord mit Antisemitismus als erschwerendem Faktor“.

Welche Ausmaße der Antisemitismus in Frankreich angenommen hat, wird dadurch deutlich, dass nicht einmal einen Monat, nachdem der Richter im Mordfall Sarah Halimi das Vorliegen eines antisemitischen Motivs bestätigt hatte, die 85-jährige Jüdin und Holocaust-Überlebende Mireille Knoll in ihrer Wohnung von zwei Männern niedergestochen wurde, die anschließend ihren Leichnam in Brand steckten.

In Westeuropa ist Frankreich das Land mit der größten jüdischen Gemeinschaft (rund 400.000 Mitglieder) – und viele von ihnen beklagen seit Jahren einen Anstieg antisemitischer Hassverbrechen. Angesichts der Gewalttaten hat die Auswanderung von Juden aus Frankreich in den letzten Jahren stark zugenommen; viele gehen nach Israel.

Dr. Halimis Tod erregte großes Aufsehen in den Medien. In diesem Zusammenhang wurde auch auf Erhebungen hingewiesen, denen zufolge der Antisemitismus – vor allem in radikal-islamischen Kreisen – zunimmt.

Quellen

Jewish Chronicle, 24. August 2017, 12. Juli 2018; Telegraph, 28. Februar 2018; Jerusalem Post, 26. Juni 2018.

 

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