Islamist steuert Lieferwagen in Menschenmenge, 15 Tote

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August 2017

Der militante Islamist Younes Abouyaaqoub fährt einen Lieferwagen mit hoher Geschwindigkeit in die Menschenmassen, die auf der Flaniermeile Las Ramblas in Barcelona unterwegs sind.

Bei dem Anschlag wurden 15 Menschen getötet und mehr als 120 weitere verletzt. Der Attentäter, ein 22-jähriger Marokkaner, fuhr im Zickzackkurs durch die Fußgängerzone und verfolgte offensichtlich das Ziel, ein möglichst großes Blutbad anzurichten. Der Islamische Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

Abouyaaqoub konnte zunächst entkommen, doch der Polizei gelang es schließlich, seinen Aufenthaltsort ausfindig zu machen. Drei Tage nach dem Attentat wurde er nahe der etwa 50 km von Barcelona entfernt liegenden Stadt Subirats erschossen. Zu dem Zeitpunkt trug er eine Sprengstoffgürtel-Attrappe und soll „Allahu akbar“ (gemeinhin aus dem Arabischen als ‚Gott ist der Größte‘ übersetzt) gerufen haben.

In derselben Woche ereigneten sich weitere gewaltsame Vorfälle in der Region. Einen Tag vor dem Anschlag auf den Ramblas wurde ein Haus in Alcanar (Provinz Tarragona) bei einer Explosion zerstört. Nach Polizeiangaben sollte mit dem selbstgebauten Brandsatz eigentlich ein Anschlag auf die weltbekannte Basilika Sagrada Família in Barcelona verübt werden. Am Tag nach dem Massaker auf den Ramblas raste an der Küste von Cambrils (ebenfalls in Tarragona) ein Fahrzeug in einen Polizeiwagen. Einer der Attentäter erstach eine Frau. Fünf mutmaßliche Terroristen wurden von der Polizei erschossen. Die spanischen Behörden brachten die Ereignisse mit einer zwölfköpfigen Terrorzelle in Verbindung, die von dem militanten Imam Abdelbaki Es Satty angeführt wurde.

In Spaniens Bericht zur nationalen Sicherheitslage aus dem Jahr 2016 hieß es, dass nicht nur in Barcelona, sondern auch andernorts in Katalonien „der Prozess der Radikalisierung schneller voranschreitet und die islamische Gemeinschaft hier als äußerst radikal gilt und weitere Verbindungen zu anderen Extremisten in Europa unterhält“.

Nach den Anschlägen gingen bis zu 1.000 Muslime auf den Ramblas unter dem Motto „Muslime gegen Terrorismus“ auf die Straße. Barcelonas Oberrabbiner Meir Bar-Hen bezeichnete Spanien als „Drehscheibe des islamistischen Terrors für ganz Europa“. Juden sollten nach Israel auswandern, denn „Europa ist verloren“, so der Rabbiner.

Quellen

Gencat.cat, 30. August 2017; Guardian, 22. August 2017; Independent, 20. August 2017; Sky News, 18. August 2017; Telegraph, 21. August 2017; La Vanguardia, 21. August 2017; Informe Anual de Seguridad Nacional 2016.

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