Massenflucht der Rohingya vor Gewalt, Vergewaltigung und Diskriminierung

homekeyboard_arrow_rightFALLSTUDIEkeyboard_arrow_rightBurma DE

BURMA (MYANMAR
FALLSTUDIE

Oktober 2017

Nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR) sind innerhalb eines Zeitraums von drei Monaten über eine halbe Million Rohingya aus dem Norden des Rhakaing-Staats über die burmesische Landesgrenze ins benachbarte Bangladesch geflohen. Die meisten Rohingya sind Muslime, einige allerdings auch Hindus.

Berichten zufolge starteten die Behörden eine Gegenoffensive, nachdem die Rebellengruppe Arakan Rohingya Salvation Army im August im Norden Rakhaings über 30 Posten der Polizei angegriffen hatte. Das gewaltsame Vorgehen der Rebellen wurde von vielen Älteren der Rohingya-Gemeinschaft verurteilt. Burmesischen Quellen zufolge kamen im Zuge der Auseinandersetzungen nahezu 400 Aufständische und 13 Sicherheitskräfte ums Leben. Angehörige der Armee sollen daraufhin Zivilisten vergewaltigt und getötet sowie ganze Dörfer niedergebrannt haben.

In Myanmars Verfassung wird dem Buddhismus eine Sonderstellung eingeräumt; andere Religionen, darunter der Islam und der Hinduismus, sind offiziell anerkannt. Des Weiteren heißt es in der Verfassung: „Der Missbrauch von Religion für politische Zwecke ist verboten.“ Doch die Rohingya sind in Myanmar keine anerkannte Minderheit – und die offizielle Haltung des burmesischen Militärs ist, dass es sich bei den im Land lebenden Rohingya um illegale Einwanderer aus Bangladesch bzw. deren Nachkommen handelt.

Diverse Studien von Menschenrechtsorganisationen beleuchten das Ausmaß der Diskriminierung, die den Rohingya in Myanmar widerfährt: Die Verweigerung der Staatsbürgerschaft gehört ebenso dazu wie Heiratsauflagen. So kann die Erteilung einer Heiratserlaubnis bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen; Paare, die ohne Genehmigung heiraten, riskieren eine Verhaftung. Bei der Eheschließung müssen die Rohingya ein Dokument unterzeichnen, mit dem sie sich verbürgen, nicht mehr als zwei Kinder in die Welt zu setzen. Viele Rohingya besitzen keine Landrechte und werden routinemäßig zu Zwangsarbeiten verpflichtet: An einem Tag der Woche müssen sie ihre Arbeitskraft für Projekte der Militärs oder der Regierung zur Verfügung stellen; von Buddhisten wird dergleichen in der Regel nicht verlangt. Des Weiteren genießen die Rohingya keine Reisefreiheit. Viele wurden bei dem Versuch, das Land zu verlassen, von burmesischen Sicherheitskräften drangsaliert und verprügelt, bevor man sie schließlich ziehen ließ und dabei aufforderte, niemals zurückzukehren.

Quellen

Reuters, 7. & 22. September 2017; All You Can Do is Pray: Crimes Against Humanity and Ethnic Cleansing of Rohingya Muslims in Burma’s Arakan State (Human Rights Watch, 2013); Allard K. Lowenstein International Human Rights Clinic, Yale Law School), Persecution of the Rohingya Muslims: Is Genocide occurring in Myanmar’s Rakhine State? A Legal Analysis (Fortify Rights, Oktober 2015); Al Jazeera, 18. April 2018

Über uns

KIRCHE IN NOT (ACN) ist ein internationales katholisches Hilfswerk, das direkt dem Heiligen Stuhl untersteht. Es wurde 1947 gegründet. Es unterstützt pro Jahr über 6000 pastorale Projekte in über 140 Ländern pro Jahr. Durch die drei Säulen – Information, Gebet, Handeln – hilft KIRCHE IN NOT Christen, wo sie verfolgt, unterdrückt werden oder in Not sind.