Muslimischer Bauer von radikal-hinduistischen „Kuhschützern“ getötet

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INDIEN
FALLSTUDIE

April 2017

In Alwar im Bundesstaat Rajasthan stirbt der muslimische Milchbauer Pehlu Khan nach einem Angriff durch Mitglieder einer „Kuh-Bürgerwehr“.

Khan und seine Mitarbeiter waren dabei, gerade erworbenes Milchvieh in ihr Dorf zu transportieren, als sie von rund 200 selbsternannten Kuhschützern aufgehalten wurden. In der hinduistischen Tradition ist die Kuh heilig, und sie wird auch durch Indiens Verfassung geschützt. Menschen, die im Verdacht stehen, Kühe zu schlachten, werden in Indien häufig von Bürgerwehren schikaniert, angegriffen und manchmal sogar getötet.

Kurz vor seinem Tod konnte Khan noch eine Aussage gegenüber der Polizei machen und sechs Personen identifizieren, die für den Überfall auf ihn verantwortlich waren. Doch alle strafrechtlichen Vorwürfe gegen die Täter wurden schließlich fallen gelassen. Die Behörden stellten die Mordermittlungen ein – aber elf Muslime, die zusammen mit Khan attackiert worden waren, wurden in Verbindung mit Verstößen gegen Rajasthans Gesetz zum Schutz der Kühe festgenommen.

In Neu Delhi und anderen Städten gab es Proteste gegen die zunehmende Gewalt der Hindu-Bürgerwehren, unter der vor allem Muslime sowie Dalits, die im Kastensystem auf der untersten Stufe stehen, zu leiden haben. Insgesamt hat die Zahl der Übergriffe auf Angehörige religiöser Minderheiten, besonders auch Christen, drastisch zugenommen, nachdem die Bharatiya Janata Party (BJP; Indische Volkspartei) bei den Wahlen im März 2017 einen Erdrutschsieg errang.

Die Parteiführung der BJP tritt offen für die Hindutva-Ideologie ein, der zufolge die indische Nation ihrem Wesen nach hinduistisch ist. Nach dem Tod von Pehlu Khan sagte der Oppositionspolitiker Rahul Gandhi, diese „neue Vision für Indien, die Narendra Modi […] propagiert […], ist eine Vision, bei der letztendlich nur eine Anschauung Geltung haben soll“. Premierminister Modi forderte indessen im August 2017, Maßnahmen gegen die Kuh-Bürgerwehren zu ergreifen.

Im Jahr 2017 wurden mindestens zehn Muslime von radikal-hinduistischen Kuhschützern ermordet.

Quellen

LiveMint, Donnerstag, 6. April 2017; Times of India, 25. April 2017; Business Standard (India), 1. Februar 2018; USCIRF 2018 report.

 

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