homekeyboard_arrow_rightHINTERGRUNDINFORMATION

Sexuelle Gewalt und Zwangskonversion von Frauen – i) Nigeria, Syrien und Irak
Von Marta Petrosillo

Militante Islamistengruppen in Afrika und im Nahen Osten setzen Vergewaltigungen häufig als Kriegswaffe ein. Systematische sexuelle Gewalt kann ein mächtiges Werkzeug sein, wenn eine Gruppe versucht, eine andere zu unterdrücken.

Viele Dschihadisten vergewaltigen nichtmuslimische Frauen und zwingen sie zu konvertieren. Die Zwangskonversion einer Frau aus einer anderen Religionsgemeinschaft hat zur Folge, dass ihre Kinder nach den Grundsätzen des extremistischen Islam der Dschihadisten erzogen werden. Darüber hinaus verhindern die Aggressoren durch die sexuelle Versklavung von Frauen die Geburt von Kindern in deren ursprünglichen Religionsgemeinschaften.[1]

Erzwungene Schwangerschaften und Konversionen sind darüber hinaus ein Mittel, um den Nachwuchs für die „nächste Dschihadistengeneration“ zu sichern. In einer im Dezember 2014 veröffentlichten Broschüre setzt der IS seinen Anhängern auseinander, dass es „zulässig“ sei, mit nichtmuslimischen Sklavinnen – darunter auch jungen Mädchen – Geschlechtsverkehr zu haben, sie zu schlagen und Handel mit ihnen zu treiben.[2] Dies liefert in gewisser Weise eine Erklärung für das Schicksal, das Tausenden Frauen, die den Jesiden und anderen religiösen Minderheiten angehörten, unter dem sogenannten Kalifat widerfuhr, das der IS in Irak und Syrien errichtet hatte.

Im Norden Nigerias hat die mit dem IS verbundene Terrorgruppe Boko Haram die Entführung christlicher Frauen unter anderem als Druckmittel benutzt, um die Christen dazu zu bringen, den Landstrich zu verlassen. Mit den Worten eines Boko-Haram-Sprechers: „Wir werden neue Anstrengungen unternehmen, um die Christen zu lehren, die Macht des Islam zu fürchten, indem wir ihre Frauen entführen.“ [3] Nach Angaben von Makmid Kamara von Amnesty International werden die Geiseln von Boko Haram oft „entsetzlichem Missbrauch“ ausgesetzt, darunter Vergewaltigungen.[4]

Der bekannteste Fall ist die Entführung von 276 Schülerinnen (überwiegend Christinnen), die in der Nacht vom 14. auf den 15. April 2014 aus der staatlichen Sekundarschule in Chibok im Bundesstaat Borno verschleppt wurden. Viele nichtmuslimische Schülerinnen wurden gezwungen, zum Islam überzutreten und Mitglieder von Boko Haram zu heiraten. Am 5. Mai 2014 veröffentlichte die Terrorgruppe ein Video, in dem einige der Mädchen in islamischen Kleidern zu sehen waren. In den folgenden Jahren gelang einigen Mädchen die Flucht, während andere infolge von Verhandlungen freigelassen wurden: Bisher haben mehr als 100 die Freiheit wiedererlangt; 82 Geiseln wurden im Mai 2017 gegen fünf Boko-Haram-Kämpfer ausgetauscht. In einem UN-Bericht heißt es: „Die Mädchen berichten, dass sie während ihrer Gefangenschaft vergewaltigt wurden – häufig im Rahmen von erzwungenen ‚Eheschließungen‘ – und dass man sie verprügelte, einschüchterte und hungern ließ. Viele sind schwanger zurückgekehrt oder mit Babys, die das Ergebnis einer Vergewaltigung sind.”[5]

Endnoten

[1] Cf. Übereinkommen über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes, Artikel 2.

[2] Hala Jaber, “Isis issues guide to raping child slaves”, Sunday Times, 14. Dezember 2014, https://www.thetimes.co.uk/article/isis-issues-guide-to-raping-child-slaves-zdq0mf95scb (abgerufen am 1. August 2018).

[3] “Boko Haram threatens to kidnap Christian women in Nigeria”, Barnabus Fund, 9. März 2012, https://www.barnabasfund.org/en/news/BokoHaramthreatenstokidnapChristianwomeninNigeria (abgerufen am 31. Juli 2018)

[4] “Nigeria: Chibok anniversary a chilling reminder of Boko Haram’s ongoing scourge of abductions”, Amnesty International, 13. April 2017, https://www.amnesty.org/en/latest/news/2017/04/nigeria-chibok-anniversary-a-chilling-reminder-of-boko-harams-ongoing-scourge-of-abductions/ (abgerufen am 1. August 2018).

[5] “Girls held by Boko Haram need support to rebuild shattered lives”, UNICEF Nigeria Media Centre, 18. Oktober 2016, https://www.unicef.org/nigeria/media_10782.html (abgerufen am 31. Juli 2018).

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